Sommerkomödie „Just Friends“: Kuscheln im Kornfeld

  • In „Just Friends“ (ARD-Mediathek) ist auch das Rasenmähen sexy.
  • Der Film ist eine herzerwärmende kleine Sommerkomödie über zwei schwule junge Männer.
  • Der Streifen kommt mit nur wenigen Klischees aus und verbreitet gute Stimmung, findet RND-Kritiker Ernst Corinth.
Ernst Corinth
|
Anzeige
Anzeige

Selten war Rasen mähen so sexy wie in diesem Film. Aber auch darüber hinaus nutzen die beiden jungen Hauptdarsteller in der romantischen Komödie „Just Friends“ jede Gelegenheit, um ihre durchtrainierten nackten Oberkörper zu zeigen. Und diese können sich wahrlich sehen lassen.

Schauplatz der neckischen Fleischbeschau ist eine holländische Kleinstadt, in der die zwei Mittzwanziger leben – mehr oder weniger freiwillig: Yad (Majd Mardo), der Mann am Rasenmäher, hat gerade sein Medizinstudium in Amsterdam geschmissen und ist den Sommer über in das Haus seiner syrisch­stämmigen Eltern zurückgekehrt. Er jobbt als Surflehrer, verdient sein Geld aber vor allem als Putzhilfe im Haus einer rüstigen alten Dame.

Der Beginn einer wunderschönen sommerlichen Romanze

Joris (Josha Stradowski), der andere Adonis, hat sein Elternhaus nie verlassen, lebt recht gut auf Kosten seiner verwitweten Mutter und verbringt die meiste Zeit – natürlich oberkörperfrei – in einem Fitnesszentrum. Und er ist der Enkel der schon erwähnten alten Dame.

Anzeige

So geschieht bald, was in einer romantischen Komödie geschehen muss. Eines Tages, als Yad gerade hemdlos den großmütterlichen Rasen mäht, kommt Joris zu Besuch und ist vom Anblick Yads fasziniert. Das ist der Beginn einer wunderschönen sommerlichen Romanze mit allem, was dazugehört. Die beiden Männer flirten, fahren gemeinsam Motorrad, kuscheln im Kornfeld, tollen am Strand herum, küssen und streiten sich.

Der Sex wird nur dezent angedeutet

Zwischendurch haben die zwei natürlich auch Sex, der von der Regisseurin Ellen Smit nur dezent angedeutet wird. Der Film ist fürs niederländische Fernsehen produziert worden, und da kann man eben nicht alles zeigen. Bei uns ist „Just Friends“ vor drei Jahren zuerst auf DVD erschienen, lief dann als Fernsehpremiere in der Sommerreihe „RBB queer“ und ist nun auch in der ARD-Mediathek zu sehen.

Der Film lohnt sich: Zwar steht das romantische Techtelmechtel zwischen den talentierten Nachwuchs­schauspielern eindeutig im Mittelpunkt der Story, aber es gibt auch andere hinreißende Szenen – meist rund um die Familien der beiden Protagonisten. Beispielsweise einen Running Gag mit einer Wanderurne: In ihr befindet sich die Asche von Joris’ Vater, die den Hinterbliebenen von einer Bestatterin überreicht wird. Seine Witwe will partout das Geld für das Urnengrab sparen, doch keiner aus der Familie will die Urne mit nach Hause nehmen. So entwickelt sich ein familieneigener Sport, sie sich gegenseitig unterzujubeln. Was bis zum Schluss witzige Szenen zur Folge hat.

Das Stream-Team Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. ‒ jeden Monat neu.
Anzeige

Versöhnliches Ende

Auch in anderen lustigen Momenten geht es meist um die Frauen in diesem Männerfilm. Während Yads Mutter verkrampft nur das und den Beste(n) für ihren Sohn will, ist die Mutter von Joris meist angetrunken, klopft gern mal einen ausländerfeindlichen Spruch und gibt das offenbar ansehnliche Erbe ihres Mannes vor allem bei Schönheitschirurgen aus. Alles andere ist ihr scheinbar egal, aber nur scheinbar, wie das versöhnliche Ende des Films zeigt.

Ihre Mutter wiederum ist das genaue Gegenteil der Tochter: eine liebenswerte Frau, die ihre Weisheiten gern aus Service­sendungen im Fernsehen bezieht – und eine Großmutter, die dafür sorgt, dass die große Liebe ihres Enkels nicht enttäuscht wird.

Crime Time Welche Filme und Serien dürfen Krimi-Fans nicht verpassen? Mit unserem Newsletter Crime Time sind Sie uptodate. Gleich kostenlos abonnieren und alle zwei Wochen eine neue Ausgabe lesen.

Konflikte dürfen nicht fehlen in einer Liebeskomödie

Was auch nicht fehlen darf in einer Liebeskomödie, sind Konflikte. Während die familiären recht glaubhaft entwickelt sind, werden manch andere zu schablonenhaft regelrecht abgehakt. Das gilt besonders für den handfesten Streit mit homophoben Kneipenbesuchern, der fast in eine Prügelei ausartet. Wobei angesichts von Joris’ Muskelpaketen der Sieger wohl festgestanden hätte.

Anzeige

Sieht man von dieser Schwäche einmal ab, ist „Just Friends“ eine herzerwärmende kleine Sommerkomödie, die mit nur wenigen Klischees auskommt – und die gute Stimmung verbreitet.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen