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„Solo für Weiss – Das letzte Opfer“: Ermittlerin Nora Weiss darf endlich Gefühle zeigen

  • Die ZDF-Krimireihe „Solo für Weiss“ geht in die sechste Folge.
  • In „Das letzte Opfer“ (29. November) hinterlässt der Kriminaldirektor nach seinem Suizid der Ermittlerin Nora Weiss einen letzten Auftrag.
  • Dabei darf die Zielfahnderin endlich punktuell mehr Gefühl zeigen – doch das vernebelt ihr nicht den analytischen Blick.
Martin Schwickert
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Betriebliche Abschiedsfeiern sind eine traurige und langweilige Angelegenheit. Das ist beim Landeskriminalamt im schleswig-holsteinischen Kiel in der ZDF-Reihe „Solo für Weiss“ nicht anders. In der neuesten Folge „Das letzte Opfer“ (29. November) hält sich der scheidende, leitende Kriminaldirektor Kurt Böhnisch (Hannes Hellmann) an einem Stehtisch fest und bedankt sich für die jahrelange gute Zusammenarbeit. Doch dann fällt ein Satz heraus aus der Ansammlung von Abschiedsplattitüden. „Frau Weiss“, so spricht der Chef die Untergebene direkt an, „wir hatten unsere Differenzen in den letzten Jahren. Aber ich möchte Ihnen sagen: Ich verlasse mich auf Sie.“

Die Zielfahnderin Nora Weiss (Anna Maria Mühe) hat keine Ahnung, womit sie sich diese besondere Erwähnung ihres Vorgesetzten verdient hat, der sich noch am selben Abend in der Tiefgarage mit der Dienstpistole erschießt. Auf ihrem Schreibtisch ist ein Schlüssel hinterlegt, der zur Gartenlaube der Böhnischs passt. Die Wände sind gespickt mit Fotos und Ermittlungsakten. Vor zwei Jahren ist die erwachsene Tochter Jasmin spurlos verschwunden und der Vater hat die Suche bis zu seinem Freitod nicht aufgegeben. Nun hat Nora Weiss das familiäre, kriminalistische Vermächtnis an der Backe.

Seit 2016 ist Anna Maria Mühe Zielfahnderin des LKA Schleswig-Holstein für das ZDF

Seit 2016 ist Anna Maria Mühe als Zielfahnderin des LKA Schleswig-Holstein für das ZDF in loser Episodenfolge am Start und hat sich einen Namen als kühlste Ermittlerin in der breit gefächerten norddeutschen Krimilandschaft gemacht. Das blonde, kinnlange, zur Seite gescheitelte Haar umrahmt ihr Gesicht, aus dem die blauen Augen mit unnachgiebigen, analytischem Blick herausstrahlen. Ihre Nora Weiss ist alles andere als der Revier-Kumpel-Typ und bewahrt sich ihre Unnahbarkeit bis an die Grenze scheinbarer Gefühllosigkeit. Genau das macht ihre Figur interessant und schenkt der Kriminalistin eine gewisse Unberechenbarkeit – eine selten anzutreffende Tugend in der Sphäre öffentlich-rechtlicher Verbrechensbekämpfung.

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Mit „Das letzte Opfer“ geht „Solo für Weiss“ nun in die sechste Runde und es scheint, dass Drehbuchautor Mathias Klaschka langsam ein paar Risse in den Panzer der selbstbeherrschten Einzelgängerin treiben will. Auch wenn sie ihren Ex-Chef nicht besonders gemocht hat, macht sie den Auftrag des Verstorbenen zu ihrer Herzensangelegenheit.

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Leiche einer jungen Frau wird am Strand gefunden

Die Leiche einer jungen Frau wird am Strand gefunden, die seit einigen Wochen vermisst ist, Jasmin sehr ähnlich sieht und genau wie diese als Krankenpflegerin arbeitete. Natürlich erkennt die erfahrene Profilerin hier ein mögliches Muster und schon bald weitet sich der Fall weiter nach Rostock aus, wo vor mehreren Jahren eine Frau unter ähnlichen Umständen verschwunden ist. Aber die dortige Dienststellenleiterin Martina Drechsler (Inka Friedrich) gibt sich wenig kooperativ.

Der ermittelnde Polizist Dominik Kramer (Florian Lukas) hat vor zwei Jahren den Dienst quittiert, arbeitet als Kranführer am Hafen und ertränkt die Erinnerung an den Fall mit übermäßigem Alkoholkonsum. Der kaputte Cop erweckt das Mitgefühl der Ermittlerin, die ebenfalls zunehmend an dem Serienmörderfall zu verzweifeln droht. Sie fährt den Betrunkenen nach Hause und legt sich neben ihn ins Bett, um seine Hand zu halten.

Seelische Verschleißerscheinungen des Ermittlerberufes

Ausführlich widmet sich „Das letzte Opfer“ den seelischen Verschleißerscheinungen des Berufes, in dem die Jäger oft zum Gejagten ihrer nicht abgeschlossenen Fälle werden. Und so darf auch Nora Weiss hier punktuell mehr Gefühl zeigen, als es ihre Rollenbeschreibung bisher erlaubte. Dass die Betroffenheit ihr nicht den analytischen Blick vernebelt, gilt allerdings auch in dieser Folge als gesetzt. Ein wenig mehr von der Klarheit seiner Heldin hätte man auch dem Drehbuch gewünscht, dessen Plotstruktur überfrachtet wirkt, was wiederum nur durch recht unglaubwürdige, stolpernde Ermittlungsfortschritte final entworren werden kann.

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„Solo für Weiss: Das letzte Opfer“ läuft am 20. November ab 20.15 Uhr im ZDF.

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