So düster wird der Polizeiruf „Dunkler Zwilling“ aus Rostock

  • Im „Polizeiruf 110“ am Sonntag (6. Oktober) suchen die Kommissare Alexander Bukow und Katrin König nach dem „Ripper von Rostock”.
  • Trotz einiger Krimiklischees eine gut gespielte und inszenierte Folge.
  • Die sogar ein wenig Nachhilfe beim Thema „Serienmörder“ gibt.
Ernst Corinth
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Rostock. Ein Serienmörder geht immer. Und erfahrene Krimizuschauer und -leser wissen, woran man diese furchteinflößenden und dadurch erst recht faszinierenden Gestalten erkennt. Serienmörder sind nämlich alle schwer psychisch gestört, leiden oder litten unter ihrer Mutter oder ihrem Vater. Und die meisten von ihnen sind zudem äußerst … Nein, das verraten wir hier lieber nicht, denn sonst würde es diesem vorzüglichen „Polizeiruf 110“ aus Rostock die Spannung rauben.

Dennoch wird auch in dem von Damir Lukacevic geschriebenen und inszenierten Fall „Dunkler Zwilling“ leider nicht auf dieses gängige Klischee verzichtet. Was dann wiederum die Tätersuche vorm Fernseher natürlich recht einfach macht, jedenfalls leichter, als es für die Kommissare Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) ist, die solche Krimiklischees konsequent ignorieren und deren sowieso schon komplizierte Beziehung noch unter den Nachwehen ihrer letzten Fälle „Für Janina“ und „Kindeswohl“ leidet.

Kommissarin König wirkt im Polizeiruf arg angeschlagen

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Besonders König wirkt arg angeschlagen. Auch körperlich. So hat sie ständig schwere Kopfschmerzen und sogar Wortfindungsschwierigkeiten. Und es ist ausgerechnet der sonst ihr gegenüber so distanzierte Bukow, der sie fast schon zärtlich tröstet oder mit launigen Bemerkungen aufzuheitern versucht. König: „Kennen Sie das, wenn einem die einfachsten Worte nicht einfallen?“ Bukow daraufhin: „Na klar. Was denken Sie, weshalb ich so wenig rede.“ Das ist ein wunderbarer kurzer Dialog, und davon gibt es gleich mehrere in dieser ansonsten ziemlich düsteren Folge.

Auch der Fall, mit dem die beiden konfrontiert werden, ist dann alles andere als ein Stimmungsaufheller. Innerhalb weniger Tage werden zwei sehr junge Frauen ermordet aufgefunden. Beiden wurden jeweils Körperteile vom Täter entfernt, vermutlich als grausige Trophäe. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Neben den geschundenen Leichen stehen fein säuberlich aufgereiht die Schuhe des jeweiligen Opfers. Schnell wird den Ermittlern daher klar, dass hier offenbar ein Serienmörder sein blutiges Unwesen treibt. Was übrigens zum Glück für den Zuschauer sehr dezent vom Regisseur in Szene gesetzt wird. Und der Verdacht erhärtet sich, als Bukow und König bei ihrer Ermittlungsarbeit auf ähnliche Fälle stoßen, die allerdings schon 15 Jahre zurückliegen.

Erstaunlich, ja vielleicht viel zu schnell geraten dann zwei Hauptverdächtige in den Fokus der Kommissare: der etwas zwielichtige Altstudent und Taxifahrer Jan Hansen (Alexander Beyer), der zudem von seiner wesentlich älteren Ehefrau Elke (gespielt von der 75-jährigen Angela Winkler) beschuldigt wird und der sich auch ansonsten sehr verdächtig benimmt, und der Umzugsunternehmer Frank Kern, den Simon Schwarz als bieder-freundlichen Typen spielt und der sich auffällig rührend um seine 15-jährige Tochter Maria (Emilia Nöth) kümmert.

Verdächtige scheinen etwas zu verheimlichen

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Beide Männer scheinen irgendetwas zu verheimlichen, was auch die Ermittler spüren. Und beide Männer pflegen auf ihre jeweilige Art eine sehr enge Beziehung zu ihrer Frau beziehungsweise ihrer Tochter. Es sind dann ausgerechnet genau diese Vertrauenspersonen, die wegen diverser Indizien den Verdacht haben, dass ihr Vater/ihr Ehemann der „Ripper von Rostock“ ist. Und da die zwei Frauen wiederum unter diesem schlimmen Verdacht sichtbar leiden, wecken sie dadurch die Empathie des Zuschauers. Während Bukow und König bis fast zum Schluss einzig die Frage umtreibt, wer von ihren Hauptverdächtigen denn nun eigentlich der Täter ist.

Genau daraus bezieht dieser wirklich gut gespielte und perfekt inszenierte „Polizeiruf“ dann vor allem seine Spannung. Und er liefert dabei ein wenig Nachhilfe beim Thema „Serienmörder“. Die seien, heißt es im Film, „in vielen Bereichen wie wir“. Und: „Das Bild des Soziopathen, der außerhalb der Gesellschaft lebt, trifft nicht zu.“ Die vermeintlichen Monster leben also mitten unter uns. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, wird hier aber in intensiven Bildern und glaubhaften Dialogen sehenswert veranschaulicht. Und am Schluss gibt es dann als kleines Schmankerl auch noch einen richtigen anrührenden Moment, ja eine schöne Überraschung, die wir natürlich an dieser Stelle auch nicht verraten werden.

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