Silvestertradition: Diese Musikshow ist Japans „Dinner for One“

  • Silvester ist in Japan eher ein Beisammensein als ein Partyanlass.
  • Und was hierzulande „Dinner for One“ ist, ist für die Japaner die Musik-TV-Sendung „Kouhaku uta gassen“.
  • Die Tradition könnte im Jahr der Pandemie lebensrettend sein.
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Tokio. „Es tut mir leid, dass ich nicht nach Japan kommen kann“, schrieb der Starpianist Yoshiki Hayashi Anfang der Woche auf seinem Twitter-Account. „Ich werde in L. A. sein, Queen und Sarah Brightman sind in London, und wir werden euch gemeinsam unsere Gefühle senden.“ Am selben Tag hatte Japan, das Heimatland des dort berühmten Musikers Yoshiki, einmal mehr pandemiebedingt seine Grenzen geschlossen. Wegen der besonders ansteckenden Variante des Coronavirus kann nun auch der in Los Angeles lebende Publikumsliebling nicht ins Land einreisen. Mit Hinweis auf den Anlass, für den er eigentlich persönlich in die Heimat reisen wollte, twitterte er noch: „Singt alle gemeinsam!“

Schließlich ist dies der Grund, weshalb man heute eigentlich auf Personen wie Yoshiki Hayashi gewartet hatte: Wenn in dem ostasiatischen Land das Jahr endet, singt man zusammen, auch vorm Fernseher. „Kouhaku uta gassen“ heißt die Sendung, die seit mehr als einem halben Jahrhundert die Generationen zusammenbringt und zum Hören und Summen in allen möglichen Genres einlädt. Dieses Jahr ist kein Publikum im Saal, und die Musiker sind nur virtuell zugeschaltet, wie eben der Pianist, Drummer und Produzent Yoshiki. Die Pandemie hat eben auch diese Institution, die schon lange zu den wichtigsten Anlässen des japanischen Showkalenders zählt, irgendwie über den Haufen geworfen.

Japaner sollen Silvester zu Hause bleiben

Wobei die Sendung, die in ihrer Popularität „Dinner for One“ in Deutschland ähnelt, gerade in dieser abgeänderten Form ein Segen sein könnte. Seit Wochen erlebt Japan eine neue Infektionswelle, täglich werden mehrere Tausend Neuinfektionen gemeldet. Mit den derzeit 230.000 Fällen insgesamt ist das Land zwar im weltweiten Vergleich relativ mild getroffen, aber das Wachstum ist rasant. So werden Menschen auch hier dazu angehalten, möglichst daheimzubleiben.

Sogar mehrere Schreine der Urreligion Shinto bleiben diesmal geschlossen. Eine noch viel ältere Tradition als die des gemeinsamen Fernsehens ist denn der Besuch bei einem Schrein, um die Götter um ein erfolgreiches Jahr zu bitten. So reihen sich die Menschen kurz vor Mitternacht hinter den hölzernen Eingangstoren der zahllosen Schreine im Land, um schließlich am Altar eine kleine Münzgabe zu leisten, per Seil ein Glockenläuten zu erzeugen und nach obligatorischem Händeklatschen und Verbeugen den Göttern ihren Wunsch vorzutragen. Doch die pandemiebedingten Beschränkungen werden viele Menschen davon abhalten.

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Diesmal besonders viele Zuschauer bei „Kouhaku uta gassen“?

Da Silvester in Japan ohnehin kein Partyanlass ist, sondern eher dem Beisammensein mit der Familie gilt, dürfte sich die Show „Kouhaku uta gassen“ diesmal besonders vieler Zuschauer erfreuen. Man zerreißt sich die Mäuler über die Liste teilnehmender Berühmtheiten, welche Lieder wohl gesungen werden und wer am Ende gewinnen wird. Die Männer oder die Frauen?

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Denn die Sendung, die 1951 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, ist immer auch Geschlechterkampf. Eingeteilt in eine rote und eine weiße Truppe, tragen je eine Gruppe aus Frauen und Männern aus der Musikbranche vorab ausgewählte Hits vor, deren Performance dann von einer Jury und dem Publikum bewertet wird. Sobald das Teilnehmerfeld erklärt ist, diskutieren Experten und Fans, wer der Favorit ist. In diesem Jahr rechnet man überwiegend der roten Gruppe mehr Chancen zu, also den Frauen. Die bestehen nämlich aus den höchst beliebten Girlgroups Sakurazaka 46 und NiziU sowie der Jazzsängerin Juju.

Die wahre Siegerin dürfte aber die Bevölkerung sein. Denn das erzwungene Hinsehen könnte die Infektionswelle brechen.

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