“Bild” filmt Sidos Garten – Rapper geht auf Kamerateam los

  • Der Rapper Sido hat vor seinem Haus in Berlin ein Kamerateam der “Bild”-Zeitung angegriffen.
  • Die Reporter wollten den Rapper am Gartenzaun zu Verschwörungstheorien befragen.
  • Fragwürdig ist die Aktion auch medienrechtlich – denn auch Prominente haben ein Recht auf Privatsphäre.
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Berlin. Der Rapper Sido hat in dieser Woche mit fragwürdigen Aussagen und Verschwörungstheorien in einem Interview für Aufsehen gesorgt. Jetzt ist es in Berlin zu einem Zwischenfall mit einem Kamerateam der “Bild”-Zeitung gekommen.

Wie in einem Video der Zeitung zu sehen ist, stehen eine Reporterin und ein Kameramann vor dem Grundstück des Rappers. Als der 39-Jährige auf das Kamerateam zukommt, stellt sich die Reporterin als Mitarbeiterin von “Bild TV” vor – spätestens zu diesem Zeitpunkt läuft auch die Kamera.

Sido, zunächst noch recht freundlich, begrüßt das Kamerateam mit “Hi”, greift dann allerdings nach dem Equipment der Reporterin. “Gib mal her”, fordert der Rapper und fragt dann: “Schämst du dich nicht? Schämt ihr beide euch nicht, was ihr hier gerade macht? Bist du stolz auf deinen Beruf?"

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“Warum beleidigen Sie uns?”

Die Bild-Reporterin versucht, zu antworten: “Wir fragen ja nur.” Doch der Rapper kann sich nicht beruhigen: “Ne, du stehst hier einfach bei mir privat vor der Tür! Schämst du dich nicht? Was wär, wenn einer bei dir vor der Tür stehen würde, was würdest du dann machen?”

Die Reporterin versucht erneut, zu antworten: “Das ist doch eine ganz normale Straße, wir stehen nicht auf Ihrem Grund.” Sido: “Du stehst aber hier und willst mich nerven. Ist das dein Ernst? Bist du stolz auf deinen Beruf?”

Dann wird der Rapper richtig sauer: “Verpisst euch. Ihr seid Dreck! Richtiger Dreck! Abschaum!” “Warum?”, fragt die Reporterin. Sido: “Verpiss dich jetzt, und guck nicht noch so behindert.” Reporterin: “Warum? Warum beleidigen Sie uns?”

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Video
ARD-Kamerateam bei Demo angegriffen
0:47 min
Am Mittwochabend löste die Polizei eine Corona-Demo vor dem Reichstag auf. Dabei ist es erneut zu einem Angriff auf ein Kamerateam gekommen.  © RND/Felix Huesmann

Sido greift Mikrofon

Dann eskaliert die Situation: Der Rapper öffnet das Gartentörchen, geht auf das Kamerateam zu. “Das ist doch eine ganz normale Straße”, versucht sich die Reporterin erneut zu rechtfertigen. Dann allerdings kommt der Rapper näher.

Was dann genau passiert, ist im Video nicht eindeutig zu erkennen. Die Kamera filmt nur noch den Boden, offenbar greift der Rapper nach dem Mikrofon der Reporterin. Dann sind laute Geräusche zu hören, es scheint zum Gerangel zu kommen. Der Kameramann sagt: “Okay, wir gehen.” Dann geht Sido zurück in seinen Garten.

Den Vorfall präsentiert die Zeitung nun groß auf ihrer Website: “Nach irren Verschwörungstheorien: Sido geht auf Repoter los”, verschickt die Redaktion als Eilmeldung. “Ein ‘Bild’-Team wollte Sido dazu vor dessen Grundstück bei Berlin befragen. Doch plötzlich rastete der Rapper aus”, heißt es im Text.

Auch Promis haben Privatsphäre

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Auch Sido äußert sich zum Vorfall. Auf seinem Instragram-Account postet er kurze Zeit später eine Ansage an das “Bild”-Team: “An das Kamerateam von der ‘Bild’, das gerade vor meinem Grundstück stand, lasst uns alle froh sein, dass nur das Mikrofon kaputt gegangen ist!!!"

Medienrechtlich ist die Aktion der “Bild”-Zeitung derweil mindestens heikel. Denn auch Prominente haben das Recht auf Privatsphäre und müssen es keineswegs hinnehmen, mit jedem Teil ihres Lebens in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden – dazu zählt zum Beispiel auch das private Grundstück. Im Video ist derweil nicht ersichtlich, ob das Kamerateam schon vorher den Garten des Rappers gefilmt hat oder wie die Reporterin auf sich aufmerksam gemacht hat.

Laut Angaben der Zeitung waren die Aufnahmen für eine Dokumentation zum Thema Verschwörungstheorien in der Corona-Krise gedacht. Diese soll in der kommenden Woche gezeigt werden.

Rapper distanziert sich von Verschwörungstheoretikern

Sido hatte in dieser Woche in einem Youtube-Video mehrere fragwürdige Theorien in die Welt gesetzt. In einem Interview mit dem Rapper Ali Bumaye suggeriert der 39-Jährige, er glaube an die sogenannte QAnon-Theorie. Demnach soll eine angebliche Geheimregierung in Amerika (“Deep State”) aus dem Blut gefolterter Kinder das Stoffwechselprodukt Adrenochrom gewinnen, damit Millionäre dieses als Verjüngungstrank zu sich nehmen können.

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Später hatte sich der Rapper teilweise davon wieder distanziert: “Ich möchte nur nicht in einer Ecke stehen mit den Attila Hildmanns und KenFMs dieses Landes. Ich habe mit so was nichts zu tun”, sagte der Rapper gegenüber “Hip-Hop.de”.

“Ich sitze zu Hause und gucke mir diese Videos an und lache mich kaputt über die. Ich habe mit diesen Menschen nichts zu tun. Deswegen finde ich es jetzt einfach grade richtig scheiße und gefährlich, dass mir diese Worte in den Mund gelegt werden und ich als Verschwörungstheoretiker verschrien werde.” Zu Hildmann und Ken Jebsen aka KenFM fügte Sido hinzu: “Ich halt die für sehr gefährlich.”

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