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Sibel Kekilli: „Vielleicht stünden ein paar weniger Krimis dem deutschen Fernsehen gut zu Gesicht“

  • Als in Deutschland geborene Schauspielerin türkischer Eltern kennt Sibel Kekilli die Suche nach Identität und Heimat.
  • Die spielt auch im ARD-Film „Meeresleuchten“ eine Rolle, in dem Kekilli am 17. Februar an der Seite von Ulrich Tukur zu sehen ist.
  • Im RND-Interview spricht sie über das Gefühl, sich nirgends zugehörig zu fühlen, und ihren Wunsch nach mehr Vielfalt im deutschen TV.
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In „Meeresleuchten“ geht es um die Trauer von Thomas, dessen Tochter bei einem Flugzeugabsturz gestorben ist. Der Film ist zum Teil sehr bedrückend. Können Sie sich bei so einem eher schweren Stoff nach dem Dreh wieder gut davon distanzieren?

Das kommt auf die Rolle an. Meine Figur der Balletttänzerin Nina bringt doch eine gewisse Leichtigkeit mit, da geht das ganz gut. Es ist schon etwas anderes, wenn ich zum Beispiel eine Rolle spielen müsste, die die ganze Zeit trauert und weint – das macht schon etwas mit der Psyche. Natürlich ist man aber, wenn man in einem Drama mitspielt, auch Teil des Ganzen: Es ist ein bedrückendes Thema und beginnt mit Verlust und Trauerbewältigung, aber ich sehe den Film auch als einen über einen Neuanfang im Leben.

Es ist auch kein typisches Drama: Die Geschichte kommt sehr leise daher. Wünschen Sie sich mehr solcher Stoffe im deutschen Fernsehen?

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Letztlich haben ja alle Formate ihre Berechtigung, aber vielleicht stünden ein paar weniger Krimis dem deutschen Fernsehen gut zu Gesicht und man hätte wieder mehr Platz für vielfältigere und mutigere Themen. Ich habe zum Beispiel ein paar Drehbücher auf dem Tisch liegen, die mir sehr am Herzen liegen, einige davon sind auch politisch. Als ich zuletzt nachgefragt habe, wo das eine Projekt gerade steht und ob es die Chance gibt, es zu verfilmen, hieß es von einer Produktion, es sei gerade schwierig, weil vor allem während der Pandemie solche politischen Themen nicht gewünscht seien. Ich finde das schade und einen Verlust für die Zuschauer und die deutsche Filmbranche. Wir gucken oft neidisch auf andere Länder, zum Beispiel auf britische Serien wie „The Crown“ oder die dänische Serie „Borgen“, und sagen: „Wie schön, dass die so was machen. Warum trauen wir uns das nicht auch?“

Sibel Kekilli (links) im Film „Meeresleuchten“ als Balletttänzerin Nina an der Seite ihrer Großmutter Rena (Carmen-Maja Antoni). © Quelle: WDR/KJ Entertainment/Lukas Salna
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Im Film „Meeresleuchten“ zeigt sich der unterschiedliche Umgang der Menschen mit Trauer. Wie gehen Sie mit Trauer um?

Ich habe zwar keine Angst zum Beispiel vor dem Tod, aber mit abrupten und sehr einschneidenden Veränderungen tue ich mich sehr schwer. Der Verlust eines geliebten Menschen ist so ein massiver Einschnitt. Ich bin dann erstmal gelähmt und in dem Moment ist es für mich schwierig, damit klarzukommen. Ich brauche Zeit, um so etwas zu verarbeiten, muss mich dem stellen und den Schmerz ein Stück weit spüren und auch aushalten.

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Thomas, der seine Tochter verloren hat, geht mit der Trauer um, indem er nach Maalsund zieht, wo das Flugzeug ins Meer gestürzt ist. Ein kleines Dorf, in dem nichts los ist. Könnten Sie sich vorstellen, an so einem Ort zu leben?

Ja, inzwischen schon. (lacht) Vor allem während der Pandemie ist mir bewusst geworden, wie einengend eine Großstadt sein kann. Mir fehlt die Weite des Landes. Ich habe aber auch schon vor der Pandemie immer wieder mit dem Gedanken gespielt, etwas Kleines auf dem Land zu mieten oder kaufen, um mich mal zurückzuziehen und zu entschleunigen.

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Ihre Figur Nina wirkt heimatlos. Hatten Sie so ein Gefühl schon mal?

Immer wieder. Ich glaube, dass man sich manchmal erst entwurzeln muss, um wieder zurückzufinden. Dadurch, dass ich mit zwei Kulturen aufgewachsen bin, kenne ich das Gefühl, sich nirgends so richtig zugehörig zu fühlen. Immer auf der Suche nach Identität oder Heimat zu sein.

Geht Ihnen das heute noch so?

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Nein. Ich glaube, dieses Verlorensein, immer auf der Suche zu sein, wie ich es mit Anfang 20 hatte, das habe ich weitgehend abgelegt. Ich weiß, wer ich bin und was ich will. Trotzdem sind die Sehnsucht und eine leichte innere Unruhe da, wenn ich zu lange an einem Ort verweile. Wenn man wie ich in zwei Kulturen aufwächst, wird dieses Gefühl auch nie ganz verschwinden. Aber ich nehme es als etwas Positives wahr, dass ich jederzeit überall sesshaft werden könnte, und ich offen bin für andere Menschen, Länder und Kulturen.

„Meeresleuchten“ läuft am Mittwoch, 17. Februar, um 20.15 Uhr im Ersten.

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