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„Shorta – Das Gesetz der Straße“ im ARD-Sommerkino: Polizeigewalt und Rassismus in Dänemark im Fokus

  • „Shorta“, das ist ein arabisches Wort für „Polizisten“.
  • So werden auch die Polizisten Jens und Mike im dänischen Film „Shorta – Das Gesetz der Straße“ (ARD, 10. August) genannt.
  • In dem Streifen, der sich vom Sozialdrama zum Actionfilm wandelt, randalieren Jugendliche aus Einwandererfamilien nach einem Fall von Polizeigewalt.
Ernst Corinth
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Das ist wahrlich kein guter Tag für Jens (Simon Sears) und Mike (Jacob Lohmann). Die beiden Polizeibeamten fahren Streife in einem (fiktiven) Vorortghetto von Kopenhagen und erfahren dabei durchs Radio vom Tod eines jungen Immigranten. Dieser ist nach einer Festnahme unter noch nicht geklärten Umständen gestorben. Doch vieles spricht dafür, dass Polizei­gewalt den Tod verursacht hat.

Die Nachricht sorgt sofort im Ghetto unter den vorwiegend arabisch­stämmigen Jugendlichen für Wut, die sich schon lange aufgestaut hat. Es kommt zu Krawallen und Plünderungen, und mittendrin im emotional aufgeheizten Geschehen sind Jens und Mike, die schon bald um ihr Leben fürchten müssen.

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„Shorta“ ist ein arabisches Wort für Polizisten

Davon erzählt der dänische Actionfilm „Shorta – Das Gesetz der Straße“, wobei „Shorta“ ein arabisches Wort ist für „Polizisten“. Gedreht haben den in Echtzeit inszenierten Film die noch recht jungen Regisseure Anders Ølholm und Frederik Louis Hviid, die auch das Drehbuch geschrieben haben. „Shorta“ ist ihr Kinodebüt, mit dem sie auf Anhieb mehrere Filmpreise gewonnen haben. Der Film ist sogar im Gespräch gewesen als dänischer Kandidat für den Oscar als bester internationaler Film. Bevorzugt wurde schließlich jedoch „Der Rausch“, der dann auch die begehrte Trophäe gewann.

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Wer bisher Dänemark als friedlich-freundliches Urlaubsland kannte, wird sich bei dem Film verwundert die Augen reiben – und sich fragen, ob es sich bei dem Gezeigten nur um eine Dystopie oder tatsächlich um das Abbild dänischer Wirklichkeit handelt. So düster, bedrohlich und explosiv wirkt das Szenario. Und die vorgeführte Polizeigewalt, die Vorurteile und der Rassismus der Beamten überraschen genauso wie die latente Gewalt und die Aggressionen unter den jugendlichen Einwanderer­kindern.

Vom Sozialdrama zum knallharten Actionspektakel

Antworten jedoch liefert der Film nicht. Er beginnt als ein Sozialdrama, das beide Seiten des Konfliktes beschreibt. Es werden also die Probleme der jungen Krawallmacher und die Ursache ihrer Wut benannt, genau wie die Sicht der beiden Polizisten, die hier beinahe als Fremde im eigenen Land durch das Ghetto irren. Dabei sind Szenen zu sehen, die man eher in den USA verorten würde und nicht im kleinen und meist recht idyllisch erscheinenden Dänemark.

Dann jedoch verändert sich zunehmend der Film und wird in der zweiten Hälfte zum knallharten Actionspektakel mit drastischen Gewaltszenen. Und in den Vordergrund drängen immer mehr die beiden Polizisten, auf die die Jugendlichen inzwischen Jagd machen. Eine unerbittliche Jagd, ein Überlebenskampf, der aufregend inszeniert ist mit allen Elementen, die zu einem Actionfilm dazugehören. Immer wieder geraten Jens und Mike in schier aussichtslose Situationen und werden in brutale Handgreiflichkeiten verwickelt oder sogar in Schusswechsel. Selbst eine Maschinenpistole kommt dabei zum Einsatz. Und gegen Schluss kommt es zu einem Toten.

Sympathie der Zuschauer gehört zunehmend den Polizisten

Das alles wird zwar unkommentiert gezeigt, dennoch gehört die Sympathie der Zuschauer und Zuschauerinnen zunehmend den Polizisten. Obwohl zuvor der eine, Mike, als rassistischer Brutalo gezeichnet worden ist, während sein Kollege dagegen durchaus Verständnis für die Jugendlichen angedeutet hat. Dass beide wesentlich vielschichtigere Persönlichkeiten sind und dass sie sogar durchaus ein Stück weit aus der für sie lebensbedrohlichen Situation lernen, das macht diesen Film so interessant. Er bietet eben doch mehr als ein reines Spektakel. Und vor allem wird dabei die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten. Dass es bis zuletzt noch offene Fragen gibt, ist durchaus konsequent – vor allem angesichts einer komplexen Thematik, die keine einfachen Antworten oder eine simple Schwarz-Weiß-Zeichnung zulässt.

„Shorta“ läuft am 10. August ab 22.50 Uhr als deutsche Fernsehpremiere in der ARD, eine Aufführung im Kino verhinderte die Corona-Pandemie.

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