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Starzplay zeigt Hommage an Filmklassiker

Kubrick statt komisch: die Horror­komödien­serie „Shining Vale“

Hausherrin mit Geist: Schiftstellerin Patricia (Courteney Cox, links) und Spukfrau Rosemary (Mira Sorvino), die glaubt, Patricias Roman voranbringen zu können – Szene aus „Shining Vale".

Hausherrin mit Geist: Schiftstellerin Patricia (Courteney Cox, links) und Spukfrau Rosemary (Mira Sorvino), die glaubt, Patricias Roman voranbringen zu können – Szene aus „Shining Vale".

Die Phelps’ schaffen alles. Nur nicht, über Mamas Seiten­sprung hinweg­zukommen. Sie zicken sich beim Therapeuten an, sie versuchen sich in Love und Peace, aber immer wieder kommt irgend­etwas dazwischen. Ein neues Haus, eine neue Umgebung soll es richten. Aber das neue Haus ist ein altes, geheimnisvolles – und es gehen dort seltsame Dinge vor sich.

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Zum Auftakt Musik: Amerikaner in Filmen und Serien singen gern im Auto – meist kennen auch alle Insassen den Songtext. Und jeder Song wird dann zum „American Classic“ erhoben. So ist es hier auch: Als „American Classic“ stuft Papa Terry (Greg Kinnear, „House of Cards“, „The Stand“) auch „Evil Woman“ des Electric Light Orchestra, den er sehr zum Ungemach seiner Kinder mitsingt, der aber natürlich ein „British Classic“ ist.

Während­dessen denkt Pat, die Autorin und „evil“ Ehefrau (Courteney Cox, „Cougar Town: 40 ist das neue 20“), auf dem Beifahrer­sitz an den offenbar sehr erfüllenden A-Tergo-Seiten­sprung mit einem jüngeren Lieb­haber. Tochter Gaynor (Gus Birney) ist genervt, Sohn Jake (Dylan Gage) hat sich in seine Kopf­hörer verkrochen. Das kleine Mädchen mit Ball und Zöpfen auf der Fahr­bahn sieht offenbar nur Mutter Pat. Aufschrei. Voll­bremsung. Aber niemand ist überfahren worden. Eine Halluzination? Die Phelps’ sind im Örtchen Shining Vale angekommen, das der neuen Starzplay-Serie den Titel gibt.

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Die Prämisse: Frauen leiden doppelt so oft an Depressionen wie Männer, stellt eine Schrift­tafel der Serie voran. Die Symptome seien ein Gefühl der Hilf­losigkeit, Schlaf­losigkeit, ein veränderter Sex­trieb (aha!), Halluzinationen (aha!) und das Gefühl, außer Kontrolle zu sein. Auch komme auf zwei Frauen nur ein Mann, der von einem Dämon besessen sei (jetzt wird es noch weniger wissenschaftlich). Und die Symptome seien dieselben (aha!). Flößt ein Dämon Pat die libidinösen Bilder ein? Zeigt ihr ein Twilight-Zone-Bewohner Mädchen, die unter die Räder kommen? Soll ja eine Horror­komödie sein.

Die seltsame „Perle von Shining Vale“

Das neue Heim: Quasi immer, wenn in einem Film oder einer Serie die Kinder, die in einem Auto sitzen, nicht mitsingen, steht der Umzug in ein neues Heim bevor. Denn dann hat man das Vertraute im Rücken, das Ungewisse vor sich, fährt aus einer Welt voller Freunde in eine Welt ohne. Das Haus in der Elm Street (in einer Straße dieses namens war einst Freddy Krueger mit den Klingen­fingern unterwegs) ist ein üppiger Fachwerk­bau, an dem sich vornehmlich Mittelalter­fans erfreuen dürften. „Verscheißerst du uns?“, fragt die miesgelaunte Teenie­tochter Gaynor. Mama hat derweil das nicht stuben­reine Hündchen Roxy im Arm und sieht aus, als denke sie schon wieder an den One-Day-Stand mit dem Hand­werker. Depression? Oder Dämon? Zutiefst dysfunktional diese Familie. Was gut ist für Drama oder Comedy. Oder beides.

Die Tochter will sich emanzipieren, bleibt aber in einer christlichen Sekte hängen – das Gegenteil von Emanzipation. Der füllige Sohn Jake ist soziophob und, nein, er will keine Biber­bauten mit Daddy in Augen­schein nehmen. „Draußen?“, fragt er nur, als gäb’s dort keinen Sauerstoff. Euphorisch bezüglich des Neuanfangs ist allein Daddy.

Das Geheimnis des neuen Heims: Die Maklerin nennt das Haus „die Perle von Shining Vale“ und spricht von ihr wie von einer Frau. Kalt sei es hier, befindet Trish. „Sie ist es vielleicht nicht mehr gewohnt, Leute in sich zu haben“, sagt die Maklerin in Anspielung auf den erotisch reichhaltigen Roman, den Pat vor 17 Jahren geschrieben hat. „Diese Ladys haben viele Geschichten zu erzählen.“ Das kennen wir auch aus „Shining“, wo Jack Nicholson als Jack Torrance vom Overlook-Hotel viele Geschichten erzählt bekam. Aber dann nur auf Hunderten Seiten denselben Satz schrieb. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Auch Trish hat eine Schreib­blockade. Und einen Monat Zeit, das erste Kapitel zu liefern.

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Die Serien­macher arbeiten sich an „Shining“ ab

„Shining Vale“ ist eine Hommage: Schon das Phantom­mädchen auf der Straße erinnerte uns an „Shining“. Spätestens angesichts der großen Holz­fäller­axt in Episode drei merkt dann jeder, dass sich die Macher Sharon Horgan und Jeff Astrof an der Handlung und vor allem an den ikonischen Szenen von „Shining“ abarbeiten. Ein Ball rollt aus dem Nichts an Pats Fuß. So erging es dem kleinen Danny in „Shining“. Alte, wattierte Swingmusik kommt aus dem Salon (hier der Partykeller). So ging es Dannys Vater. Und so weiter.

Stanley Kubrick erzählte in der Verfilmung von Stephen Kings Roman die Geschichte eines verrückt werdenden Autors in einer übersinnlich manipulativen Umgebung. Auch in „Shining Vale“ gibt es ein teuflisches Gebäude mit mindestens einem Geist. Dann macht Pat einen auf Faust und lädt jenes Schemen Rosemary (Mira Sorvino) in ihren Fünfziger­jahre­klamotten ein. Was alles ins Rollen bringt. Plötzlich klappt es auch mit dem Schreiben.

Bei Horror­komödien bleibt der Horror meist auf der Strecke

Problem 1 – Die Vorlage: Wer den Film „Shining“ nicht kennt, geht ziemlich leer aus. Aber welcher Horrorfan kennt „Shining“ nicht. Das ist vielleicht das geringste Problem.

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Problem 2 – Grusel­störung: Der klassische Grusel ist eher lau. Was in Klassikern wie „Schloss des Schreckens“ (1961) oder „Bis das Blut gefriert“ (1963) funktionierte – wehende Vorhänge, sich in nichts auflösende Gestalten vor dem Terrassen­fenster, Flüster­stimmen, die niemandem zu gehören scheinen oder Scrabble­steine, die sich zu bedrohlichen Sätzen ordnen – hier kommt diesem ganzen ollen „creepy stuff“ ständig die Komödie in die Quere.

Wenn Gruseliges auf Lustiges trifft, bleiben die Nacken­härchen ja in den meisten Fällen unaufgestellt. Und so ist es auch in „Shining Vale“: Keine Jump Scares, kein kriechendes Grauen. Was vielleicht auch ein bisschen an den wenig überzeugenden Spezial­effekten liegt.

Problem 3 – Comedystörung: Großer Seufzer! Das Komische ist hier auch nicht komisch. Höchstens vergnügt man sich an Kinnear als selbst­gerechtem, jedem Glauben an Übernatürliches abholdem Büro­mensch Terry, der einen Spuk selbst dann nicht erkennen würde, wenn der ihm mit unter dem Arm geklemmten Kopf vor Augen träte. Lustigste Szene: Wenn Papa Terry Sohn Jake im Auto anhand eines Pin-ups über weibliche Scham­haar­rasuren aufklärt und der solcher­maßen Belehrte vor Scham im Autositz versinken möchte, als Mitschüler vorbeigehen. Sonst ist diesbezüglich wenig zu vermelden. Und die Figuren treten auch weit­gehend auf der Stelle. Keine Charakter­entwicklung. Nirgends.

Aus Liebe zum Original: Wer vor lauter Begeisterung für das zitierte Original seine eigene Geschichte unterentwickelt lässt, darf sich nicht wundern. So will man nach sieben zur Sichtung gewährten von insgesamt acht halbstündigen Episoden die fehlende Folge eigentlich nur deshalb sehen, um festzustellen, ob es auch noch eine Variante der Labyrinth­szene, der „Redrum“-Szene und einen letzten Kamera­schwenk mit gruseligem Hausmeister*in-Bild gibt. Einen Lift mit Blutsturz wie in „Shining“ darf man nicht erwarten.

Das Haus der Phelps’ hat nur Treppen.

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„Shining Vale“, erste Staffel, acht Episoden, von Sharon Horgan und Jeff Astrof, mit Courteney Cox, Greg Kinnear, Mira Sorvino (ab 4. März bei Starzplay).

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