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“Ich sag auch manchmal Bimbo”: Comedian Somuncu provoziert in Podcast – Sender entschuldigt sich

  • In einem Podcast des öffentlich-rechtlichen Radiosenders Radio Eins spricht Komiker Serdar Somuncu stundenlang mit Moderator Florian Schroeder und bedient sich rassistischer und sexistischer Sprache.
  • Auf Kritik in sozialen Netzwerken gibt der Sender nun Fehler zu.
  • Man hätte die Sendung nach dem ersten Feedback überarbeiten sollen, so Radio-Eins-Programmchef Skuppin.
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Berlin. Frauenverachtende, sexistische und rassistische Sprache – damit provoziert Comedian Serdar Somuncu in seinem neuen Podcast, produziert von Radio Eins, einem Sender des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). An Menschen, denen an korrekter und nicht diskriminierender Sprache gelegen ist, lässt er kein gutes Haar. “Es geht mir am Arsch vorbei, ob das Zigeunerschnitzel heißt oder Mohrenwirt, das ist mir scheißegal”, holt der Comedian zum Rundumschlag aus und nutzt dafür auch Fäkalsprache.

Solange es nicht unter Strafe stehe, sage er das N*-Wort, so Somuncu. “Ich sag auch manchmal Bimbo, ich sag auch Farbiger, das ist mir scheißegal. Ich meine es nicht und es ist viel wichtiger, was ich meine, und nicht das, was ich sage.”

Der Podcast steht schon seit einer Woche online, das Presseteam des RBB hat ihn beworben. “Weltpremiere – die erste Folge ‘Schroeder & Somuncu’ ist jetzt online”, heißt es da auf Twitter. Das war am 7. September. Genau eine Woche später entdeckt der Journalist Malcolm Ohanwe den Podcast und teilt entsetzt einen zweiminütigen Ausschnitt des mehr als drei Stunden langen Podcasts: “Deutsche Comedy, 2020. Bin sprachlos.”

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Frauen, die Sexismus anprangern, seien “schlecht gebumste, miese, hässliche Schabracken”

Nicht nur rassistische Begriffe, die Somuncu reproduziert – und sich dabei offenbar gut fühlt –, stehen in der Kritik. Im weiteren Verlauf des 190-minütigen Podcasts arbeitet er sich vor allem an Frauen ab – und jenen, die Rassismus anprangern. Das seien “meistens Frauen. (...) , miese, hässliche Schabracken”, sagt Somuncu, während Florian Schroeder mehrfach lauthals lacht. Jeder, der Kolumnen dieser Frauen lese, wisse, dass man diese nicht einmal mit einer Pinzette anfassen wollen würde.

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Somuncu tobt sich weiter aus, immer wieder nutzt er Schimpfwörter, Fäkalsprache und beleidigende, diskriminierende Begriffe. Frauen könnten nie gleichberechtigt sein. Frauen und Männer seien auf natürliche Art nicht ebenbürtig. Es sei in der “DNA einer Frau”, Kinder zu bekommen, und Frauen, die behaupten, keine Kinder haben zu wollen, seien “Lügner”. Männer hingegen seien dafür gemacht, mehrere Sexualpartnerinnen zu haben.

Radio-Eins-Chef: Der Beitrag hätte redaktionell überarbeitet werden sollen

Auf Anfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschland sagte Radio-Eins-Programmchef Robert Skuppin, dass die Inhalte als Comedy und Satire vorgesehen und auch dementsprechend gekennzeichnet seien. Die beiden Satiriker würden Stilmittel nutzen und in ihren parodistisch ausgelegten Rollen auch extreme Positionen vertreten. “Das ist ausdrücklich das Konzept des Podcasts”, sagte er.

“Die veröffentlichten Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen und können ohne Kontext nicht verstanden und bewertet werden. Auch der veröffentlichte Podcast-Ausschnitt ist als satirische Überspitzung zu sehen, eine gezielte Provokation, die im besten Fall beim Publikum einen Denkprozess in Gang setzt. In diesem Fall war die Idee, zu zeigen, wie in einer verkürzten Medienöffentlichkeit wenige Äußerungen ausreichen, um Menschen zu provozieren, was im Podcast zuvor auch thematisiert wurde”, so Skuppin weiter.

Entschuldigung vom Sender – auch im Namen von Schroeder und Somuncu

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Dennoch gibt der Sender auch Fehler zu: Die Inszenierung sei nicht aufgegangen und man hätte bereits nach der Liveausstrahlung auf Kommentare von Hörern reagieren müssen. “Bei vielen Zuhörern und Zuhörerinnen des Podcasts hat sich offenbar der Eindruck verfestigt, der Radio-Eins-Podcast wolle rassistische und sexistische Klischees zementieren."

Man hätte den Podcast redaktionell bearbeiten müssen, “die missverständlichen Passagen einordnen beziehungsweise herausnehmen müssen”, sagte Skuppin. Er entschuldigte sich für die Missverständnisse. "Radio Eins übernimmt dafür die Verantwortung und entschuldigt sich auch im Namen der beiden Protagonisten bei all den Menschen, die sich deshalb beleidigt oder herabgewürdigt fühlen. Wir hatten niemals die Absicht, rassistische oder sexistische Stereotypen zu befördern.”

Während sich viele Menschen in den sozialen Netzwerken empören – hauptsächlich über Somuncus als Satire bezeichnete verbale Ausfälle, aber auch über das Lachen von Schroeder –, reagieren andere souverän. Hatice Akyün, Journalistin beim “Tagesspiegel”, anwortet via Twitter. Dabei nutzt sie genaue jene Wortwahl, der Feministinnen häufig ausgesetzt sind. Sie bezeichnet Somuncu als “armselig” und findet, Schroeder hätte Somuncu sagen sollen, er solle “die Fresse halten”.

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Micky Beisenherz schätzt Somuncu eigentlich als “intelligenten Mann mit klugen Beiträgen”

Politikwissenschaftlerin und Autorin Natascha Strobel ist entsetzt, wie schnell er von Rassismus auf Sexismus komme. “Von Holterdipolter-ich-bin-so-edgy-und-lasse-mir-das-Wort-nicht-verbieten zu detaillierten Überlegungen zum Sexualleben von Kolumnistinnen. Was für eine ganz tief sitzende Frauenverachtung, wow”, twitterte sie. Fernsehsatiriker Micky Beisenherz bedauert den “seltsamen Pseudo-Perspektivwechselkurs” eines “sehr intelligenten Mannes, der Talkshows stets mit klugen Beiträgen bereichert hat”.

Andere hingegen verteidigen den Satiriker – jede Minderheit habe das Recht auf Diskriminierung. Somuncu sei bekannt für seine polarisierenden Worte. Andere wiederum finden, die Kritiker hätten die Aussage seines Podcasts nicht verstanden.

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