Vorgehen gegen russisch-orthodoxe Kirche

Selenskyj, der „Antichrist“? Russische Propaganda fällt über ukrainischen Präsidenten her

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (M) besucht die Großstadt Cherson im Süden der Ukraine. (Archivbild)

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (M) besucht die Großstadt Cherson im Süden der Ukraine. (Archivbild)

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist einmal mehr zum Ziel wirrer Behauptungen der russischen Propaganda geworden. In einer Polittalkshow im russischen Staatsfernsehen behaupteten Gäste der Sendung, Selenskyj sei der „Antichrist“.

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Hintergrund dieser schweren Vorwürfe gegen den ukrainischen Staatschef ist offenbar dessen Vorgehen gegen die russisch-orthodoxe Kirche in der Ukraine. Selenskyj will den Einfluss des Moskauer Patriarchats auf das geistliche Leben in seinem Land stoppen.

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Die Ukraine müsse ihre Unabhängigkeit auch auf religiösem Gebiet verteidigen, sagte der Staatschef in einer am Donnerstagabend in Kiew verbreiteten Videobotschaft. „Wir werden niemals irgendjemandem erlauben, ein Imperium innerhalb der ukrainischen Seele zu bilden.“ Das Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche hat traditionell starken Einfluss in der Ukraine und beansprucht dort zahlreiche Heiligtümer.

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Russischer Politikanalyst: „Er ist offiziell der Antichrist“

Politikanalyst Wasil Wakarow sagte im Staatskanal Rossija 1, dass er nicht gedacht hätte, dass Selenskyj „so satanisch“ werden würde. „Es ist völlig richtig, dass sie Satanismus anbringen“, pflichtete ihm der Moderator Dmitri Kulikow bei. „Diese Dinge können nur von jenen gemacht werden, die jemand anderen anbeten, den Feind der Menschheit“, fügte Kulikow hinzu. Wakarow sagte zudem, dass dies nur wegen der US-Unterstützung der Ukraine passieren könne. Es sei eine „Katastrophe“.

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Araik Stepanjan, ein ebenfalls als Politikanalyst vorgestellter Gast der Sendung, sagte, er glaube, die orthodoxe Kirche müsse offiziell verkünden, dass Selenskyj die „Ankunft des Antichristen“ sei. „Er ist offiziell der Antichrist“, rief Stepanjan den Diskussionsteilnehmern entgegen. Aus der Perspektive der Orthodoxie sei Selenskyj der „klassische Antichrist“. Stepanjan führte weiter aus: „Wir sollten den Nachnamen Selenskyjs vergessen. Wir sollten Selenskyj einfach Antichrist nennen.“ Der ukrainische Präsident habe einen „Pakt mit dem Teufel“ geschlossen und erfülle seine daraus hervorgehenden Pflichten.

„Antichrist“ oder doch nur „ein kleiner Dämon“?

Es dürfe mit ihm keine Diplomatie geben, forderte Stepanjan. „Wir müssen anerkennen, dass die Zerstörung und Entwurzelung der Orthodoxie stattfindet“, ereiferte sich der Talkshowgast. Ein weiterer Teilnehmer widersprach Stepanjan. Selenskyj als „Antichrist“ zu bezeichnen, würde ihm schmeicheln, sagte der Politikwissenschaftler Alexander Kamkin. „Er ist nur ein kleiner Dämon, nicht mehr als das. Ja, er dient dem Antichristen.“

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Ein Friedhof bei Lyman (links) und die Gleisanlagen im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in Polen.

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Stepanjan jedoch wollte das nicht gelten lassen: „Es gibt so viel Blut, ein Meer aus ukrainischem Blut, eine Spaltung der Kirche“, sagte der Politikanalyst. „Das könnte nicht von einem kleinen Dämon vollbracht werden“, widersprach er. „Er ist definitiv der Antichrist.“ Und der „Antichrist“ sollte „fertig gemacht“ werden.

Geheimdienst führt Razzien bei ukrainisch-orthodoxer Kirche durch

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat nach Selenskyjs Aussagen über die orthodoxe Kirche erneut mehr als ein halbes Dutzend Klöster und Kirchen der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats durchsucht. Die Hausdurchsuchungen seien Teil von Gegenmaßnahmen gegen Sabotagetätigkeiten russischer Geheimdienste, teilte die Behörde am Freitag beim Nachrichtenkanal Telegram mit. Die Kontrollen in den westukrainischen Gebieten Schytomyr, Riwne und Transkarpatien wurden dabei von Polizei und Nationalgarde unterstützt.

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Zuvor hatte der SBU bereits in der vergangenen Woche Objekte beim Hauptheiligtum der orthodoxen Kirche im zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Höhlenkloster in der Hauptstadt Kiew durchsucht. Razzien gab es ebenso in den westukrainischen Gebieten Bukowina, Iwano-Frankiwsk und Ternopil.

Selenskyj will religiöse Organisationen mit Sitz in Russland verbieten

Parallel dazu hat der von Präsident Wolodymyr Selenskyj geleitete Sicherheitsrat das Kabinett angewiesen, ein Gesetz zum Verbot religiöser Organisationen mit Zentrum im benachbarten Russland auszuarbeiten.

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats hat sich zwar nach dem russischen Einmarsch vom Februar deutlich von Moskau distanziert. Ihr Verbot wird von Nationalisten jedoch seit Langem gefordert. Stattdessen solle die 2018 mit staatlicher Unterstützung gegründete Orthodoxe Kirche der Ukraine gefördert werden. Der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kirill unterstützt den Krieg von Kremlchef Wladimir Putin gegen das Nachbarland. Selenskyj betonte, dass die subversiven Versuche russischer Einflussnahme etwa auch durch Moskaus Geheimdienste verhindert werden müssten.

RND/sic/dpa

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