Unterricht im Fernsehen: Öffentlich-rechtliche Sender weiten Angebot aus

  • Im Lockdown bleiben Schulen und Kitas geschlossen.
  • Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten weiten deshalb ihr Bildungsangebot aus.
  • Der Bundeselternrat warnt allerdings davor, Kinder „einfach so vor den Fernseher zu setzen“.
Katharina Hensel
Luisa Wellenbrock
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Berlin. Deutschland befindet sich weiterhin im Lockdown, Kindergärten und Schulen bleiben geschlossen. Um in der Krise Abhilfe zu schaffen, weiten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland ihr Bildungsangebot aus. Es gibt aber auch mahnende Stimmen.

Im Fernsehen sollen Bildungsangebote verstärkt auf ARD Alpha unter dem Titel „Schule daheim“ jeden Werktag zwischen 9 und 12 Uhr laufen. Das Programm ist vielfältig und wirkt fast wie ein bunter Stundenplan: beispielsweise Mittwoch, 9 Uhr, Englisch: Adjektive steigern; um 10 Uhr dann Chemie: Atommodelle. Auf dem Kinderkanal Kika von ARD und ZDF soll es ein angepasstes Angebot für Drei- bis 13-Jährige geben. Am frühen Vormittag gibt es dort Serien für die Jüngeren, die auf die Betreuung in Kitas verzichten müssen. Ab 10.25 Uhr gibt es mit „Das Dschungelbuch“ eine Verschnaufpause für Grundschulkinder nach der ersten Homeschooling-Einheit am Tag, so der Sender.

Unterricht im Fernsehen – Zusatzmaterial online

Die Wissensformate werden hingegen in der App Kika-Player und auf kika.de zur Verfügung gestellt. Die, die einen Internetzugang haben, haben also die Chance, zusätzlich eine Vielzahl von Bildungsangeboten zu nutzen. Denn auch bei der ARD-Mediathek gibt es unter der Rubrik „Zu Hause lernen“ und auf der ARD-Bildungsplattform „Planet Schule“ viel Material. Das ZDF bietet mit „Terra X plus Schule“ in ihrer Mediathek und auf Youtube jede Woche neue Erklärvideos zu den Fächern Erdkunde, Biologie, Chemie und Physik an. Die könnten im Unterricht eingesetzt werden oder als Ergänzung zum Lernen genutzt werden, so das ZDF.

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Das Wissenschaftsportal des MDR startet zudem Mitte Januar eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschungseinrichtungen in Mitteldeutschland. Den Auftakt soll am 18. Januar die Kinderuniversität der Universität Leipzig machen. Dort sollen dann neue Lernvideos fürs Netz gefilmt und so das bereits bestehende Homeschooling-Format #gernelernen fortgesetzt werden.

Die ARD fühle sich in der aktuellen Corona-Krise „Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern besonders verpflichtet“, so ARD-Vorsitzender Tom Buhrow. „Wir möchten in dieser Ausnahmesituation eine Unterstützung für den Alltag sein und den Familien mit unserem erweiterten Bildungsangebot zur Seite stehen.“

Bundeselternrat: Es kommt auf den Zeitpunkt an

Ein Problem bei diesen Bildungsformaten sieht Sabine Wetzel, stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrats, in den unterschiedlichen Lehrplänen der Länder. „Es ist immer eine Frage des Zeitpunkts: Wenn die einen bereits vor Wochen die Thematik im Unterricht hatten, einige gerade dabei sind oder die anderen das Thema erst Ende des Schuljahres durchnehmen, wird es schwierig“, sagte sie gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Ein weiterer Aspekt, den sie kritisch anmerkt: „Fernsehen verbindet man mehr mit Unterhaltung.“

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Aus Wetzels Sicht besteht die Möglichkeit, dass es eine Ergänzung zum Unterricht ist, es werde jedoch nicht für alle Kinder einer Jahrgangsstufe passen. Grundsätzlich warnt die stellvertretende Bundeselternratsvorsitzende davor, die Kinder „einfach so vor den Fernseher zu setzen“. Eltern sollten ihrer Meinung nach prüfen, was Kinder sich anschauen.

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Um britische Schulen während des neuen Lockdowns zu unterstützen, strahlt auch die BBC jeden Tag mehrere Stunden Unterricht aus. Von diesem Montag an würden jeden Tag drei Stunden Grundschulunterricht gesendet, dazu kämen mindestens zwei Stunden für Schüler weiterführender Schulen, teilte der Sender mit.

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