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Schrecker, lasst nach! Die Animationsserie „Monster bei der Arbeit“ bei Disney+

  • Die Serie „Monster bei der Arbeit“ (ab 7. Juli bei Disney+) setzt einen Tag nach den revolutionären Ereignissen von Pixars Kultfilm „Monster AG“ (2001) ein.
  • Aus den Kinderschrecks von einst sollen Kinderbespaßer werden.
  • Doch nicht alle „Schrecker“ taugen zu „Scherzern“.
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Sogar die Filmmusik ist dieselbe. Der näselnde Jazz der Trompeten und Saxofone, der schon den Filmtitel „Monster AG“ Lügen strafte, juckelt einem wieder quirligst ins Ohr. Eher klang der Score damals vor 20 Jahren, als wäre er für eine Komödie mit Jack Lemmon und Walter Matthau komponiert worden. Was auch passt, denn irgendwie sind die Monster Mike und Sully ja auch – wie Hollywoods klassisches Buddygespann –ziemlich beste Freunde, die sich schrecklich auf die Nerven und auch schon mal (etwa nach einer unerwarteten Verbringung in den Himalaya) an die Gurgel gehen konnten.

Der Film „Monster AG“ (2001) erzählte von Monstropolis, einer Stadt in einem Paralleluniversum, in der – nach unseren Maßstäben – physiognomisch seltsame Wesen lebten, die ihre stets wackelige Energieversorgung durch Schreie von Menschenkindern sicherstellten. James P. „Sully“ Sullivan war auf der „Schrecketage“ der König der „Schrecker“, der Helden von Monstropolis, die als Nachtmahre in Kinderzimmer eindrangen und dort „Schreikraft“ einsammelten.

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Und der einäugige, grüne Monsterball Mike Glotzkowski war sein Assistent und bester Freund. Beide glaubten (wie eigentlich alle Monstropolis-Einwohner) die Propagandamär, dass es nichts Tödlicheres für Monster gebe als Menschen – speziell deren Kinder. Und beide entdeckten dann ein monströses Komplott, dass Menschenkinder nicht nur nett und ungiftig sind, sondern dass man mit einem Kinderlachen sogar ein Vielfaches des Stroms erzeugen konnte wie mit einem Angstschrei. Happy End.

Denkste. Ab heute (7. Juli) erklingt Randy Newmans munterer Sax-Jazz nun also für „Monster bei der Arbeit“, die erste CGI-Serie aus dem Haus mit der Stehlampe. Die macht uns wieder einmal klar, dass – wie Hermann Hesse es formulierte – jedem Ende ein neuer Anfang innewohnt, dass gute Enden immer nur Zwischenstände sind auf dem Weg in ein Morgen neuer Sorgen (und neuer Abenteuer).

Dass Kinder von den Monstern ab sofort erheitert statt traumatisiert werden sollen – prima Sache. Und dass Sully und Mike schon am Tag nach der Ablösung des verbrecherischen Firmenchefs Henry J. Waternoose III in der Hierarchie von Monsters Incorporated an die Spitze rücken – ein feuchter Beförderungstraum.

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Tylor heuert an - aber seinen Traumjob gibt es nicht mehr

Aber was um Himmel willen soll aus Tylor Tykmon werden, dem stierhörnigen violetten Jahrgangsprimus, der frisch von der Uni kommt und Waternooses inzwischen nutzlos gewordenes Anstellungsschreiben als „Schrecker“ in der Tasche hat. Die heißersehnte „Schrecketage“ wurde über Nacht zum „laugh floor“ umgewidmet (zur Sichtung gab es Episoden im englischsprachigen Original, in dem die wunderbaren John Goodman und Billy Crystal die Rollen von Sully und Mike sprechen).

Man steckt Tylor in der Not erst mal in den Keller zu den „Mifters“ (Monsters Inc. Facilities Team), den Mechanikern, deren Kampfruf „Wrench the nut!“ heißt – „Reiß’ den Drehmomentschlüssel!“

Monster sind nun mal keine geborenen Komödianten

Problem: Wie Tylor sind die meisten Monster keine geborenen Comedians. Dass der wie immer euphorische Mike den Betrieb mit Slogans („It’s laughter, we’re after!“), Seminaren und Regelwerken umstellen will, ist theoretisch toll, praktisch ein Sisyphusjob. Es ist wie mit Charlie Chaplin im Stummfilm „Der Zirkus“ (1928): Tausend hinreißende Missgeschicke passierten dem vor der Polizei in ein vollbesetztes Zirkuszelt fliehenden Tramp, aber als der Zirkusdirektor den Witzbold beim spontan arrangierten Casting aufforderte, komisch zu sein, fiel dem außer ein paar schalen Grimassen und Tanzschritten nichts mehr ein. Auf Monstropolis bezogen: Ein lahmes „Hey there, ha-ha-ha!“ eines zum „Scherzer“ ernannten „Schreckers“ macht der Stadt noch keine einzige ihrer gelben Energiepatronen voll.

Es wird von der ungerechten Arbeitswelt erzählt, wenn Held Tylor vom Theorieolymp der Hörsäle an seinem Traumjob vorbei in die Keller der Malocher mit ihren Loyalitäten und Konkurrenzen fällt. Und dort auf herzliche Aufnahme der flauschigen Val Little wie auf strikte Ablehnung des um seinen Vizeposten fürchtenden Flederfroschs Duncan stößt.

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Humor ist nichts exklusiv Akademisches

Unfassbar, dass ein vermeintlich debiles, allein durch Spuck- und Bratzgeräusche sich artikulierendes Lippenmonster namens Winchester an Tylor vorbei zum „Scherzer“ aufsteigt. Gefragt sind Generalisten, nicht Spezialisten, und Humor ist, worüber gelacht wird – nichts exklusiv Akademisches. Grausam.

Showrunner Bobs Gannaway hat Pixars Übernahme des Haribo-Prinzips gleichzeitiger Frohmachung von kindlichen und erwachsenen Konsumenten deutlich besser verinnerlicht als zuletzt Regisseur Enrico Casarosa im ebenfalls beim Streamingdienst Disney+ gestarteten, auf ein reines Kinderpublikum ausgerichteten Pixar-Film „Luca“.

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Der Esprit stimmt - jedenfalls im englischsprachigen Original

Und war das Filmprequel „Die Monster-Uni“ (2013) vom Erheiterungslevel eher bescheiden im Vergleich zum Originalfilm, so lässt sich nach den in gewohntem Disney-Geiz nur zwei bereitgestellten 25-Minuten-Episoden immerhin schon mal sagen, dass der Witz und Esprit der großen Pixar-Streifen hier fröhliche Urständ feiern (wie gesagt, im englischsprachigen Original).

Neben den Marvel-Serien „Wanda Vision“, „The Falcon and the Winter Soldier“ und „Loki“ sowie den „Star Wars“-Serien „The Bad Batch“, „The Mandalorian“ und der letzten Staffel von „The Clone Wars“ hat jedenfalls auch diese Disney+-Serie Kinokaliber – nicht nur optisch.

Könnte das Vergnügen des Streamingpublikums direkt nach Monstropolis geleitet werden, gehörten Stromausfälle dort für immer der Vergangenheit an.

„Monster bei der Arbeit“, zehn Episoden, von Bobs Gannaway, Animationsserie (ab 7. Juli bei Disney+)

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