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Schauspielerin Mavie Hörbiger: “Ich kann ganz schlecht mit mir alleine sein”

  • Theaterstar Mavie Hörbiger spielt im ZDF-Drama “Ich brauche euch” (11. Mai) eine Frau, die ungewollt zur Ersatzmutter wird.
  • Darin wird das Leben von Silvi (Mavie Hörbiger) durch die Ermordung ihrer Schwester völlig auf den Kopf gestellt.
  • Ein Gespräch über Emanzipation und große Namen.
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Mavie Hörbiger wurde am 14. November 1979 in München in eine Schauspielfamilie geboren. Ihr Vater war Thomas Hörbiger, sie ist die Enkelin von Paul Hörbiger. Ihre Karriere startete 1996 im Fernsehen, seit 2001 ist sie vor allem viel im Theater zu sehen. Das Familiendrama “Ich brauche euch” ist am Montag, 11. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen. Darin wird das Leben von Silvi (Mavie Hörbiger) durch die Ermordung ihrer Schwester völlig auf den Kopf gestellt.

Frau Hörbiger, wie würden Sie reagieren, wenn wie im Film “Ich brauche euch” zwei Kinder einer verstorbenen Verwandten vor der Tür stünden?

Ich würde “hereinspaziert” sagen. Bei uns sind ohnehin so viele Menschen, da fallen zwei weitere kaum auf. Heißt der Film echt “Ich brauche euch”? Ich kannte bislang nur den Arbeitstitel, aber der hier klingt leichter, als der Film ist.

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Wer genau braucht denn in dieser Geschichte einer beruflich erfolgreichen Singlefrau, die plötzlich die Kinder ihrer toten Schwester aufnehmen muss, wen?

Schwer zu sagen. Ich habe ihn noch nicht gesehen, wie ich überhaupt selten mal Filme mit mir anschaue, insgesamt vielleicht vier.

Jetzt kokettieren Sie!

Für Kokettieren bin ich zu alt. Es ist doch für alle Menschen eine Qual, sich von außen zu betrachten. Eigentlich müsste der Film “Wir brauchen dich” heißen, womit die Kinder gemeint wären. Aber was braucht man schon wirklich? Das ist gerade in dieser merkwürdigen Zeit schwer zu beantworten. Am Ende brauchen wir alle Zuneigung.

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Wobei die Kernaussage des Films darin besteht, dass Ihre Figur nichts und niemanden braucht außer ihrer Arbeit und der dazugehörigen Unabhängigkeit.

Aber das funktioniert halt nicht und falls doch, ist es oft Autosuggestion. Die Weltliteratur ist am Ende voll davon, auf gar keinen Fall alleine sterben zu wollen. Das gilt also auch für dieses Drehbuch hier. Einsamkeit ist unser schlimmster Feind.

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Heißt das, Silvi macht sich nur vor, ihr Berufserfolg mache sie glücklich?

Absolut. Aber wer sich diese Illusion nur oft genug vorbetet, kann damit trotzdem einigermaßen zufrieden leben. Wobei ich selbst der genaue Gegenbeweis dieser These bin. Ich brauche immer möglichst viel Trubel, je mehr, desto besser. Ich kann ganz schlecht mit mir alleine sein.

War es da schwierig, sich in so eine völlig anders gelagerte Figur, die dennoch der Realität entspringt, hineinzudenken?

Überhaupt nicht, das ist ja mein Beruf. Und er wird umso schöner, je weiter die Aufgabe von mir entfernt ist.

Meinen Sie, die Rolle der Silvi hätte ebenso gut Silvio sein können, also ein Mann?

Tja. Muss ich kurz nachdenken. Warum sollte es nicht funktionieren?

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Weil Autonomiebestreben, Bindungsunfähigkeit, Berufsfokussierung trotz aller Emanzipation bei Männern immer noch als Regelfall gilt, bei Frauen hingegen als Ausnahmezustand, der sich besser fürs Dramatisieren eignet.

Können Sie das nicht einfach genau in den Worten als meine Antwort verkaufen? (lacht)

Ist Silvi demnach eine Emanzipationsverliererin?

Auf keinen Fall! Weil ich nicht finde, dass die Emanzipation Verliererinnen hervorbringt, niemals. Gleichstellung schafft ausschließlich Gewinnerinnen, selbst wenn hier nicht alles rundläuft. Ich glaube, Silvi sucht auch nach Geborgenheit, hat aber einfach keinen Bock auf klassische Familienkonstellationen.

Silvi ist durch einen Vater geprägt, der extrem viel von seinen Töchtern erwartet. Kennen Sie diesen Druck als Schauspielerin mit dem Namen Hörbiger auch?

Bestimmt. Wobei meine Eltern, die ja leider schon beide tot sind, mit dem Beruf der anderen Hörbigers wenig zu tun hatten. Die Leute haben da definitiv härter bei mir hingeguckt als bei anderen ohne derart bekannten Namen, aber davon habe ich mich mittlerweile befreit.

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War der Name Hörbiger eher Hilfe oder Hindernis?

Letzteres. Als Hilfe hab ich ihn nie empfunden. Deshalb hat auch mein Vater frühzeitig mit dem Schauspiel aufgehört. Immer dann nämlich, wenn ein sehr großer, dunkelhaariger Mann gesucht wurde, der sehr kurze, sehr steife Sätze sagen sollte, könnte das mein Vater gewesen sein. Er konnte sich einfach nie aus dem Schatten seines eigenen, sehr genialen Vaters Paul Hörbiger befreien und hat deshalb lieber ein paar Clubs und Diskotheken eröffnet.

Auch ein ziemlich schillerndes Teenagerleben.

Ich fand’s in der Tat richtig cool.

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