Schauspielerin Esther Schweins: “Meine Kinder leben sehr bewusst”

  • Bekannt wurde Schauspielerin Esther Schweins in den Neunzigern mit Comedy bei “RTL Samstag Nacht”.
  • Im RND-Interview blickt sie auf die Zeit zurück, spricht über die Veränderungen in der Branche und ihr Leben auf Mallorca.
  • Außerdem erzählt sie von ihrer Rolle in der neuen “Die Kanzlei”-Staffel, die an diesem Dienstag (4. August) startet.
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Sie spielen in der neuen “Die Kanzlei”-Staffel die Staatsanwältin Barbara Geldermann, die ziemlich unsympathisch ist. Haben solche Rollen einen besonderen Reiz für Sie?

In diesem Fall ja, weil sie wirklich so herrlich unsympathisch ist. Es gibt bei dieser Figur überhaupt keinen Impuls, lieb gehabt werden zu wollen.

Die Figur ist teilweise unfreiwillig komisch, weil sie sich bemüht, so ernsthaft zu sein. Wie gehen Sie mit solchen Menschen um?

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Wahrscheinlich wie Sabine Postel (Anm. d. Red.: spielt in “Die Kanzlei” eine Anwältin) in ihrer Rolle – auch nach Jahren immer noch mit Kopfschütteln. (lacht) Und mit allergrößtem Humor. Mein Humorzentrum wird von solchen Charakteren getriggert.

Apropos Humor: Bekannt geworden sind Sie als Komikerin durch “RTL Samstag Nacht”. Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?

Das waren großartige, fast anarchistische Jahre. Comedy war ein so unbeackertes Feld in Deutschland, dass wir uns da herrlich ausprobieren und viele Wagnisse eingehen konnten.

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Glauben Sie, dass das heute schwieriger geworden ist?

Es wird doch weiterhin gemacht: die “heute-show” macht das hervorragend vor, die scheren sich um wenig und lieben es, Grenzen zu überschreiten. Das sehe ich sehr gern, dass das noch möglich ist.

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Der Staatsanwältin wird “Profilierung” vorgeworfen. Haben Sie in Ihrer Karriere schon mal mit Vorwürfen zu kämpfen gehabt?

Nein. Ein Profil bilden, sich abzeichnen, das kann für eine Schauspielerin in ihren Rollen doch nur ein Kompliment sein.

In einem Fall in der neuen “Kanzlei”-Staffel wirft Staatsanwältin Geldermann einer Mutter vor, ihr Kind vernachlässigt zu haben – sie war zwar anwesend, aber in ihr Handy vertieft. Sie haben selbst zwei Kinder: Merken Sie auch, dass Sie manchmal abgelenkt werden durch Smartphone und Co.?

Ich bin da nicht sehr anfällig, gerade wenn es um die Kinder geht. Und nur weil es zu allgemeingültigem Verhalten geworden ist, dass man abgelenkt wird durch Technik, macht es das nicht richtiger. Tatsächlich hat die Aufsichtspflicht auch mit Sicht zu tun – da muss man draufgucken. Dieser Pflicht komme ich nicht nach, wenn ich am Smartphone hänge und nicht sehe, was mit meinen Kindern passiert.

Sie setzen sich für ein nachhaltiges Leben ein, damit auch Ihre Kinder später noch auf einem lebenswerten Planeten leben können. Wie beeinflusst das Ihre Kinder?

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Meine Kinder leben sehr bewusst, nicht zuletzt auch durch die Schule, die sie besuchen und die einen ganzheitlichen Lernansatz hat. Das bedeutet, dass als übergeordnetes Wertesystem jede Thematik darauf abgeklopft wird, ob das nachhaltiges Handeln ist.

Sie wohnen mit ihren Kindern auf Mallorca …

Genau, das kommt meinen Kindern zugute, dass wir auf einer Insel leben. Die Thematik lässt sich dadurch auf einen begrenzten Raum reduzieren. Hier gibt es dann auch mal kein Wasser, wenn es viel zu wenig geregnet hat. Die Kinder erfahren die direkten Folgen.

Zurzeit gibt es wegen der Corona-Krise wesentlich weniger Flüge, die Menschen verreisen eher im eigenen Land. Glauben Sie, dass das einen längerfristigen Effekt haben wird?

Ich glaube, dass es keine Rückkehr dahin geben wird, wie es vorher war. Allen anderen Lebewesen auf dieser Welt geht es durch unseren Rückzug besser. Ich glaube, dass sich die Menschheit global auf einen Wandel einstellen kann.

Könnte das ein positiver Effekt der Krise sein?

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Ja, ich sehe schon jetzt, dass Diskussionen anders geführt werden. Es sind andere Experten, die gefragt werden. Ich denke, dass uns durch Corona unsere Verletzlichkeit oder die Verletzlichkeit des ganzen Systems klarer geworden ist.

Die neue “Die Kanzlei”-Staffel ist ab dem 4. August jeweils dienstags um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

“Staat, Sex, Amen”
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