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Schauspielerin Caroline Peters: „Ich schaue selbst nicht gerne Krimis“

Schauspielerin Caroline Peters, bekannt aus "Mord mit Aussicht", ist wieder als Polizei-Ermittlerin im TV zu sehen.

Als Bühnendarstellerin tritt Caroline Peters gleich in zwei der besten deutschsprachigen Theater auf: dem Wiener Burgtheater und der Berliner Schaubühne. Peters ist seit dem Ende ihrer Kultserie „Mord mit Aussicht“ 2014 viermal zur „Schauspielerin des Jahres“ gewählt geworden, zweimal in Deutschland und ebenso oft in Österreich. Die Trophäe gilt als wichtigste Auszeichnung für Theaterschauspielerinnen und Theaterschauspieler im deutschen Sprachraum.

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Dennoch identifizieren sie die meisten - trotz weiterer feiner Kino- und TV-Rollen - immer noch mit der lustig-widerborstigen Kommissarin Sophie Haas aus „Mord mit Aussicht“. Eine Serie, die von der ARD in diesem Jahr mit neuem Cast fortgesetzt wird. Dazu äußert sich Peters im Interview mit der Nachrichtenagentur Teleschau.

In der neuen Krimireihe „Kolleginnen - Das böse Kind“ (Samstag, 29. Januar, 20.15 Uhr, ZDF) spielt sie an der Seite von Natalia Belitski nun aber auch selbst wieder eine Polizei-Ermittlerin. Was für eine, verrät sie ebenfalls im Interview.

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Nach „Mord mit Aussicht“ spielen Sie wieder eine Kommissarin. Die „Farbe“ der geplanten neuen Reihe ist aber eine ganz andere, oder?

Ja, das kann man wohl sagen. „Kolleginnen“ ist ganz klar Drama - und keine Komödie. Wobei mir zwei Dinge gefallen haben. Zum einen steigt die Geschichte am Tiefpunkt des Lebens meiner Figur ein. Normalerweise entwickelt man sich im Drama ja erst zum Tiefpunkt hin (lacht). Außerdem ist die Figurenkonstellation doppelbödiger, als es das Klischee normalerweise vorsieht.

Caroline Peters und Samuel Finzi bei einem gemeinsamen Auftritt in Wolfsburg.

Caroline Peters und Samuel Finzi bei einem gemeinsamen Auftritt in Wolfsburg.

Sie meinen die Idee, dass sich Ihre neue Ermittlungspartnerin als frische Liebe ihres Ex-Mannes herausstellt?

Ja, da würde man ja normalerweise denken: Sie hasst ihren Mann, sie hasst ihre Kollegin, und daraus ergeben sich die zu erwartenden Verwicklungen. Hier ist es aber so, dass beides nicht zutrifft. Dass alle um einen guten, menschlichen Umgang miteinander kämpfen - die klassische Erwartung, dass Frauen sich gegenseitig fertigmachen, wird unterlaufen.

„Normalerweise lautet mein Dogma: Sei nicht dogmatisch!“

Im ersten Fall geht es in der Tat viel um Psychologie und Beziehungsgeflechte, sowohl bei den Ermittelnden als auch im Fall. Ist das der Ton der Reihe?

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Na ja, ob es eine Reihe wird, müssen wir erst abwarten. Zunächst mal haben wir gerade einen zweiten Film abgedreht. Das waren vor Ausstrahlung des Debütfalles schon mal tolle Vorschusslorbeeren. Im zweiten Fall geht es weniger um die Ermittler, da steht stärker der Fall im Vordergrund. Es ist von der Geschichte her eine ganz andere Art Film, würde ich sagen. Aber ich habe noch nichts gesehen, noch nicht mal einen Rohschnitt.

Haben Sie sich nach „Mord mit Aussicht“ eine Weile bewusst von Krimi- oder gar Kommissarinnen-Rollen ferngehalten?

Die Rolle in „Mord mit Aussicht“ war irgendwie prägend für die Art, wie ich wahrgenommen werde. Tatsächlich habe ich danach viele Komödien gespielt, was daran liegt, dass ich Komödien sehr liebe. Ich bin allerdings auch sehr ehrgeizig, was Komödien betrifft. Vor allem in Sachen Drehbuch. Dadurch wurde die Auswahl oft klein. Normalerweise lautet mein Dogma: Sei nicht dogmatisch! Und dann musste ich feststellen, dass ich fast nur noch Komödien spiele. Deshalb fand ich eine eher dunkle Krimi-Rolle wie in „Kolleginnen“ auch sehr reizvoll.

Dass man Ihre neue Kommissarin dann doch wieder mit der ja ebenfalls mit dem Leben unzufriedenen Sophie Haas aus „Mord mit Aussicht“ vergleicht, davor hatten Sie keine Angst?

Gefühlt 80 Prozent aller im deutschen Fernsehen angebotenen Hauptrollen sind Kommissarinnen. Zumindest, wenn man nach interessanten Rollen sucht. Insofern ist es ziemlich schwer, diesem Vergleich zu entgehen. Er macht aber auch wenig Sinn. Denn die Kunst ist es ja, innerhalb des Krimis interessante Geschichten über Menschen zu erzählen. Wenn es dafür den Krimi braucht, dann ist es eben so. Das Genre ist nach wie vor und ungebrochen beliebt. Auch wenn ich das nicht ganz nachvollziehen kann, denn ich selbst bin weder Krimi-Leserin noch Zuschauerin.

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Caroline Peters (zweite von rechts) ermittelte mit Bjarne Mädel und Co. in der Serie „Mord mit Aussicht“.

Caroline Peters (zweite von rechts) ermittelte mit Bjarne Mädel und Co. in der Serie „Mord mit Aussicht“.

„Meine Theorie ist, dass in Deutschland immer jemand Schuld haben muss“

Haben Sie denn eine Theorie, warum der Krimi nicht totzukriegen ist und offenbar auch keinen zyklischen Schwankungen in Sachen Mode oder Bedürftigkeit der Menschen folgt?

Mir selbst ist die anhaltende Krimi-Begeisterung ein totales Rätsel. Ich schaue auch selbst nicht gerne Krimis.

Noch nicht einmal den „Tatort“?

Natürlich schaue ich da ab und zu mal rein. Allein, um zu wissen, was gerade so läuft oder was geschätzte Kollegen so machen. Ein echtes Interesse für Kriminalstoffe bringe ich privat aber nicht mit. Meine Theorie ist, dass in Deutschland immer jemand Schuld haben muss.

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Und es ist einfach total befriedigend, wenn am Ende eines Films so jemand gefunden wird. Das würde auch erklären, warum Krimis gerade hierzulande so ungeheuer populär sind (lacht). Ich glaube, mein Lieblingsdetektiv ist wahrscheinlich immer noch Humphrey Bogart als Philip Marlowe - aber das ist dann auch schon wieder eine etwas andere Welt als die unserer Fernsehkrimis.

Was schauen Sie denn lieber im Fernsehen als Krimis?

Ich schaue sehr gerne Komödien, vor allem wenn sie das Genre Familienserie berühren. „Modern Family“ oder „This is us“, wobei das eher ein Tränenzieher ist, aber auch ein ganz großer Wurf. Oder auch „Ted Lasso“, das beste Feel-Good-Programm in unserer Corona-Welt. Da schaut man Menschen zu, die sich entschieden haben, positiv zu leben und Hierarchien durch gute Energie zu ersetzen.

Eine Idee, die einerseits märchenhaft ist, die uns aber - tatsächlich umgesetzt - alle enorm weiterbringen würde. Komödien können mindestens genauso viel Wahrheit übers Leben transportieren wie Dramen.

„Mord mit Aussicht“-Fortsetzung: „Ja, das ist schon ein bisschen skurril“

Wird die Kraft von Komödien unterschätzt?

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Nicht nur unterschätzt, sie wird absichtlich „gedisst“. Unter deutschen Künstlern, Medienschaffenden und Intellektuellen ist es geradezu verwerflich zuzugeben, dass man sich gerne leichten Dingen widmet. Also Dingen, die ein gutes Gefühl verursachen.

Aber ist es nicht ein ganz alter Vorwurf, dass sich die Deutschen mit dem Leichten schwertun. Gibt es da denn keine Entwicklung über die Generationen?

Ich finde schon, dass es immer noch große Probleme damit gibt. Es werden viel zu wenig Komödien gedreht, und es wird immer noch unterschieden zwischen „Story mit Thema“ und Komödie. Sowie man ein starkes Thema behandeln will, muss dies eigentlich in Drama-Form passieren. Am besten noch historisch. Ich hingegen sehe da keinen Unterschied. Man kann jedes auch noch so ernste Thema des Lebens in Komödien verpacken.

Tobias Moretti und Caroline Peters während einer Probe zum Schauspiel "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal, das im August 2020 Premiere hatte.

Tobias Moretti und Caroline Peters während einer Probe zum Schauspiel "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal, das im August 2020 Premiere hatte.

Wir Deutschen denken immer noch zu sehr in Schubladen, wenn es darum geht, mit welchen Mitteln und Genres Stoffe im Fernsehen erzählt werden. Dass man sich zu Beginn einer Serienfolge vielleicht totlacht und am Ende derselben Folge heult, ist doch ein tolles Erlebnis.

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Kommen wir zum Abschluss noch mal zu „Mord mit Aussicht“ zurück. In diesem Jahr wird eine Neuauflage Ihrer alten Serie mit neuen Figuren und Darstellern im Ersten starten. Wie skurril finden Sie diese Idee?

Ja, das ist schon ein bisschen skurril, weil unsere alte Serie - für meinen Geschmack - noch nicht lange genug zurückliegt, um schon mit einer Neuauflage zu kommen. Okay, die Serie war sehr beliebt, deshalb kehrt sie nun wohl zurück. Aber man hätte ja auch einfach früher weiterdrehen können, dann hätte es diese merkwürdige mittellange Pause nicht gegeben.

Das heißt, sie halten nicht so viel von der Idee einer Neuauflage?

Das möchte ich damit nicht sagen. Ich kann mich inhaltlich nicht äußern zur neuen Serie, weil ich einfach viel zu wenig darüber weiß. Außer, dass sie ebenfalls am Handlungsort Hengasch spielt. Und die Figuren sind andere. Aber ich war durchaus überrascht von der Meldung.

RND/Teleschau

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