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Schauspielerin Anja Kling: „Beerdigung und Humor müssen sich nicht ausschließen“

Die Schauspielerin Anja Kling.

Anja Kling wurde 1970 in Potsdam geboren und begann später ihre Filmkarriere in der ehemaligen DDR. 1995 erhielt sie die „Goldene Kamera“ als „Beste Nachwuchsschauspielerin“. Kling spielte in vielen Serien und Filmen. Ihr komödiantisches Talent bewies sie in „Bully“ Herbigs „(T)Raumschiff Surprise“, wofür sie 2001 den „Deutschen Comedypreis“ erhielt. Die Serie „Das Begräbnis“ mit Kling startet am Dienstag, 25. Januar, um 22.50 Uhr in der ARD.

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Frau Kling, nirgends wird so viel gelogen wie bei Beerdigungen, heißt es. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Ich habe auf Beerdigungen schon Reden gehört, die über den Verstorbenen kaum etwas ausgesagt haben, sodass ich gedacht habe, das hat mit dem Menschen, den ich gekannt habe, überhaupt nichts zu tun. Das macht die Trauer über den Verlust des Menschen, den man da gerade zu Grabe trägt, dann noch größer.

„Das Begräbnis“ wird im Impro-Stil mit viel Humor und Situationskomik erzählt. Ist das auch eine Abrechnung mit unserer Trauerkultur?

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Ich finde, dass Beerdigung und Humor sich nicht komplett ausschließen müssen. Natürlich kann ich nur für mich sprechen. Für meine eigene Trauerfeier würde ich mir wünschen, dass die Gäste möglichst heitere Geschichten erzählen, die sie mit mir erlebt haben. Es würde mir wenig gefallen, wenn alle in Schwarz flüsternd vor sich hin weinen würden. Dass man trauert, ist doch klar. Aber für die Hinterbliebenen muss das Leben dennoch weitergehen, und da wäre es doch schöner, wenn man nach der anfänglichen Trauer schnell zu den heiteren Momenten zurückfinden würde.

Haben wir im Gegensatz zu manchen Naturvölkern einen verklemmten Bezug zum Sterben?

Das ist nun mal unsere Kultur, man will der Trauer Raum geben und Zeit lassen. Mich persönlich ängstigt nicht der eigene Tod, sondern der Gedanke an Krankheit, und Siechtum und den Verlust geliebter Menschen um mich herum. Wir vergessen oder verdrängen in unserer Kultur den Tod viel zu oft. Jeder weiß, dass man sterben muss, ganz egal, wie viele gute Taten man vollbringt oder ob man jeden Tag zehn Äpfel isst. Man weiß es, bloß den Zeitpunkt kennt man nicht. Also tabuisieren wir den Tod so lange wie möglich, werden aber dann, wenn jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis stirbt, völlig aus der Bahn geworfen.

Lassen Sie uns über den Impro-Stil sprechen: Wie schwierig ist es für jemand, der eine Rolle sonst über das Drehbuch und den vorgegebenen Text entwickelt, eine Figur nun ausschließlich anhand des Rollenprofils mit Leben füllen zu müssen?

Das ist nicht schwieriger oder leichter, sondern einfach etwas völlig anderes. Es gibt Schauspieler, die brauchen ihren Text, um die jeweilige Situation genau ausloten zu können. Für diese Kolleginnen und Kollegen ist Impro möglicherweise nichts. Und dann gibt es solche, für die das ein einziges, großes Abenteuer ist. Eins, bei dem man nicht weiß, worauf man sich einlässt, und ins kalte Wasser springen muss. Ich mag das sehr gern.

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Was macht das mit der Schauspielerin oder dem Schauspieler?

Wenn man nach zehn Stunden mit dem Dreh durch ist, ist man buchstäblich fix und fertig. Man ist komplett durchgeschwitzt und am Ende seiner Kräfte. Und man hat keine Ahnung, was aus der Sache wird. Die verschiedenen Auftritte werden ja nicht nacheinander gefilmt, wie bei einem normalen Dreh, sondern alles läuft gleichzeitig ab. Da kann es sein, dass während ich einen Dialog führe, im Hintergrund aber jemand schreit, ich aber nicht weiß, was dort buchstäblich gerade gespielt wird. Das erfahren wir erst, wenn der Film fertig ist.

Wie muss man sich diese Gleichzeitigkeit vorstellen, als koordinierten Irrsinn?

Das ist wirklich total verrückt. Alles geschieht in Echtzeit, wie das Leben, nur das eben überall Kameras sind. Die werden allesamt in einem Raum via ebenso vieler Monitore überwacht, sodass man immer weiß, wo welcher Schauspieler sich gerade befindet. Passiert es, dass man sich, etwa beim Dialog, an eine Stelle bewegt, an der keine Kamera steht, werden von diesem Raum aus sofort Kameraleute dorthin geschickt. So zu arbeiten ist ziemlich abgefahren.

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