Schauspieler Heino Ferch: “Ich denke, ich bin ein Gentleman”

  • Heino Ferch ist am Samstag im Film “Liebe verjährt nicht” als Blender Piet zu sehen.
  • Im RND-Interview erzählt er, warum ihm gute Manieren wichtig sind und was er dafür macht, dass die Liebe zu seiner Frau nicht verjährt.
  • "Ich habe gute Manieren, also bin umsichtig, aufmerksam, halte Frauen die Tür auf, verschenke Blumen, vergesse den Hochzeitstag nicht", erzählt Ferch.
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Heino Ferch (56) ist unter anderem durch seine Rollen in “Der Untergang”, “Vincent will Meer” und “Der Baader Meinhof Komplex” bekannt. Er ist mit der Reiterin Marie-Jeanette Steinle verheiratet und hat drei Kinder, eins aus einer früheren Beziehung. Am Samstag, 28. März, ist er ab 20.15 Uhr im Ersten in der romantischen Komödie “Liebe verjährt nicht” als Blender Piet zu sehen. Am Montag, 30. März, sollte eigentlich außerdem der Film “Spur der Mörder” im ZDF zu sehen sein, in dem Ferch den SOKO-Chefermittler Ingo Thiel spielt und einen spektakulären Mordanschlag der Mafia in Duisburg aufklären muss. Doch die Ausstrahlung wurde wegen der aktuellen Ereignisse auf den Herbst verschoben.

Mehr Schein als Sein: Piet (Heino Ferch) macht im Film "Liebe verjährt nicht" immer noch auf Erfolgstyp. © Quelle: ARD Degeto/Christine Schröder

Heino Ferch, die Figur Piet, die Sie in “Liebe verjährt nicht” spielen, ist ein Blender, der seiner Ex Vero vorspielt, nicht arbeitslos zu sein und im Luxus zu leben. Wie versetzen Sie sich in so eine Figur hinein?

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Ich gebe der Figur erst mal Recht und gehe nicht mit Kritik an sie heran, sondern mit der Energie, die jemand braucht, der seine Deckung nicht aufgeben will. Der hat ja was zu verbergen und will bei seiner Ex etwas wieder gut machen und sich selbst in ein besseres Licht rücken. Er ist ein eitler Typ, der noch in der Vergangenheit lebt.

Die beiden Hauptfiguren in dem Film trampen nach Venedig. Wohin ging Ihre verrückteste Reise?

Getrampt bin ich nur selten. Eine meiner verrücktesten Reisen war, als wir ohne Drehgenehmigung, mit versteckter Kamera, mit dem Zug von Sankt Petersburg nach Berlin gefahren sind. Das war Mitte der 80er-Jahre, also vor dem Mauerfall. Die Zugfahrt ging glaube ich über 56 Stunden und wir haben 20 Minuten Filmmaterial geschossen. Alle haben Tag und Nacht Sachen vor Schaffnern, Polizisten und Zollbeamten versteckt.

Apropos Reisen: Sie haben nicht nur den Film “Liebe verjährt nicht” gedreht, sondern auch “Spur der Mörder” und zwar in Kalabrien. Der Film nimmt Bezug auf die Mafiamorde von Duisburg 2007. Was ist das für ein Gefühl, wenn man da dreht, wo die Mafia an der Macht ist?

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Das ist nicht so ganz ohne, zumal zwei oder drei Wochen bevor wir in Kalabrien waren, länderübergreifend eine große Razzia war, bei der ’Ndrangheta-Mitglieder verhaftet wurden. Da habe ich auch gedacht: Jetzt fahren wir genau da hin und drehen noch die italienischen Bilder eines Films, in dem es genau um die ’Ndrangheta geht. Da sind schon alle mit einem etwas mulmigen Gefühl hingefahren.

Mafiosi haben oft den Ruf, trotz ihrer Gewalttaten Gentleman und “ehrbare” Gangster zu sein – bei deutschen Verbrechern würde man nie diese Verbindung ziehen. Was meinen Sie, woran liegt das?

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Ich könnte mir vorstellen, dass durch Italo-Kitsch und die Heroisierung von Mafia in großen Filmen so ein Bild der Mafiosi kreiert wurde. Wenn man sich den “Paten” anschaut, das hat eine gewisse Eleganz und Sexappeal. Ich denke, dass unser aller Bild von Korruption, Verbrechen und mafiösen Familienstrukturen in Italien stark durch Filme geformt wurde.

Würden Sie sich selbst als Gentleman bezeichnen?

Ich denke doch, dass ich ein Gentleman bin. Ich habe gute Manieren, also bin umsichtig, aufmerksam, halte Frauen die Tür auf, verschenke Blumen, vergesse den Hochzeitstag nicht ... Ich denke, dass das die gute alte Schule ist und mittlerweile wird man da auch nicht mehr vor den Kopf gestoßen. Es gab das eine Zeit lang, dass manche Frauen einen kritisiert haben, wenn man sowas gemacht hat, weil sie das selbst können.

Freuen Sie sich auch, wenn eine Frau Ihnen die Tür aufhält?

Na klar, wenn ich gerade vielleicht was in der Hand habe. Jeder freut sich doch, wenn an öffentlichen Orten die Leute vor einem mal kurz nach hinten gucken und mal eine Sekunde warten, um zu helfen.

Zurück zu “Liebe verjährt nicht”: Piet und Vero bringen einem älteren Ehepaar das Streiten bei. Wie wichtig ist Streiten für Sie in Ihrer Beziehung?

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Wir würden glaube ich alle am liebsten ohne Streit auskommen. Aber ich glaube, dass Streiten auch wichtig sein kann. Aber es sollte vielleicht eher eine offene Diskussion sein.

Der Film heißt “Liebe verjährt nicht”. Was machen Sie in Ihrer Ehe, um sie lebendig zu halten?

Aufmerksam sein, offen und umsichtig. Zuhören ist in einer Beziehung ganz wichtig. Und die gelebten Rituale nicht als selbstverständlich zu akzeptieren, sondern sie immer wieder neu zu beleben.

RND

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