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Kritik an Doku über Mörder Niels Högel: Polizeipräsident verurteilt TV-Interview

In der TVnow-Serie „Der Todespfleger“spricht der Patientenmörder Niels Högel über seine Taten. Nun übt der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg scharfe Kritik an der Serie.

Osnabrück. Im Streamingdienst TVNow ist ab Montag (20. September) eine Dokumentation namens „Der Todespfleger“ über den Patientenmörder Niels Högel zu sehen, in der dieser auch selbst in einem Interview zu Wort kommt. Daran übt der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) scharfe Kritik. „Es ist ein Schlag ins Gesicht der Opferangehörigen, ihn öffentlich sprechen zu lassen“, sagte Johann Kühme demnach. „Sein Motiv war die Geltungssucht, und jetzt darf er sich schon wieder als wichtig empfinden. Er ist im Fernsehen, es wird sogar mit ihm geworben. Das unterstützen wir als Polizei auf keinen Fall.“ Weil das Interview gegen einen Vertrag verstoße, habe er die Beiträge der Polizei aus der Doku entfernen lassen.

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Doku-Serie „Der Todespfleger“ ab Montag bei TVNow

Der RTL-Streamingdienst TVNow stellt ab diesem Montag die vierteilige Doku-Serie „Der Todespfleger“ bereit; beworben wird sie über das Interview mit dem Serienmörder, der bis 2005 mindestens 91 Patienten der Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst getötet hat. Kühme kritisierte auch die Vermarktung der Serie, die der Streamingdienst als „packendes Telefoninterview aus der JVA Oldenburg“ ankündigt. „Das ist ein Werbefaktor, und den finde ich sehr fragwürdig und problematisch“, sagte der Polizeipräsident der NOZ. „So nach dem Motto: Hier erfahren Sie, welche Sorgen er hatte und was seine Gründe waren. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, einen echten Mörder zu hören?“

Gerade bei dieser Mordserie, deren tatsächliche Opferzahl die bewiesene mutmaßlich deutlich übertreffe, verbiete sich so ein Marketing, so Kühme zu der Zeitung. „Högel hat unendliches Leid bei Opfern und den Angehörigen ausgelöst. Bislang hat Niels Högel überwiegend die Unwahrheit gesagt - und immer nur das eingeräumt, was wir ihm nachweisen konnten.“

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Oldenburger Polizei zieht geplanten Beitrag in Doku zurück

Die Oldenburger Polizei hat ihren Beitrag zur Dokumentation wegen des Interviews mit Högel demnach nun zurückgezogen: „Wir sind schon oft von verschiedenen Produktionsfirmen angefragt worden und haben das immer vertraglich geregelt: Sobald Niels Högel als Person in Erscheinung tritt - über Bild, Ton oder Telefon, wie auch immer -, dann machen wir nicht mit“, sagte Kühme. Auch in diesem Fall sei so ein Vertrag abgeschlossen worden. „Als wir später mitbekommen haben, dass ein Interview mit Högel stattgefunden hat, haben wir sofort auf den Vertrag hingewiesen - und darauf bestanden: Alles, was wir beigetragen haben, muss herausgeschnitten werden.“

Auch Karsten Krogmann, Sprecher des Opferhilfevereins Weißer Ring, argumentiert gegenüber der NOZ gegen eine Beteiligung des Täters an der Serie: „Högel ist nicht nur ein verurteilter Serienmörder, er ist auch ein gutachterlich diagnostizierter Lügner. Er hat der Polizei, den Richtern und vor allem den Angehörigen seiner Opfer immer wieder ins Gesicht gelogen“, so Krogmann demnach. „Mit jemandem wie Högel spricht man nicht, jedes weitere Wort von ihm ist ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen der vielen Toten.“ Krogmann hat den Fall Högel als Journalist begleitet und ein Buch darüber geschrieben; auch in der TVnow-Doku kommt er zu Wort.

RND/lka

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