Sandra Maischberger: “Ich habe mir über Diversität nie Gedanken gemacht”

  • Moderatorin und Journalistin Sandra Maischberger ist bekannt für ihre Talkshow.
  • Nun startet sie auch einen Podcast, in dem sie bekannte deutsche Persönlichkeiten zu Gast hat.
  • Im RND-Interview spricht sie über die Gästeauswahl, die Kritik an einer Sendung, die sich unter anderem mit Rassismus beschäftigt hat, und den Zeitdruck im Fernsehen.
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Ihre Talkshow “Maischberger – die Woche” sehen jede Woche viele Zuschauer im Ersten. Nun geht die Moderatorin und Journalistin Sandra Maischberger (54) auch unter die Podcaster: “Der Sandra Maischberger Podcast” ist ab dem 18. September wöchentlich auf Spotify zu hören. Darin spricht sie mit bekannten deutschen Persönlichkeiten wie Drogeriemarktgründer Dirk Roßmann, Gesundheitsminister Jens Spahn, Politikerin Manuela Schwesig, Impfstoffforscherin Marylyn Addo, Bayerns Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Regisseur Werner Herzog oder Borussia-Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Sandra Maischberger, Sie starten heute mit Ihrem Podcast. Wenn Sie es sich komplett frei aussuchen könnten: Hätten Sie einen Wunschgast?

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Es gibt immer Menschen, auf die ich neugierig bin. Ich mache normalerweise keine Gästeanfragen über die Medien. Aber weil sie das hier nicht lesen wird: Mit Michelle Obama würde ich gern mal reden.

Welche Rolle spielt Diversität bei der Gästeauswahl für Sie?

Ich habe mir über Diversität nie Gedanken gemacht, sondern immer nach Menschen gesucht, die spannend sind. Dann kommt man ganz von allein auf eine große Vielfalt. Man muss aber zum Beispiel nach den Frauen ein bisschen stärker suchen, weil in der Generation, in der ich mich bewege, immer noch die Männer in Entscheidungspositionen stärker vertreten sind. Wir haben allerdings oft die Erfahrung gemacht, dass selbst wenn es genügend Frauen gibt, sie häufiger absagen als die Männer. Männer sagen immer gleich zu, fragen gar nicht, worum es geht, sondern gucken erst in den Terminkalender. Frauen fragen erst nach dem Thema, dann kommt eine lange Liste von Bedenken und die Frage, ob sie wirklich die beste Interviewpartnerin dafür sind; und dann gucken sie nach dem Termin.

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Glauben Sie, dass das Zweifeln bei den Frauen daran liegt, dass sie mehr Wert darauf legen, wirklich Expertin in dem Thema zu sein?

Frauen haben mehr Skrupel, was die eigene Selbstdarstellung angeht. Männer sind doch sehr viel leichter von sich überzeugt.

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Zuletzt gab es viel Kritik vor einer Sendung, in der es unter anderem um Rassismus gehen sollte und bei der zu dem Zeitpunkt nur Weiße auf der Gästeliste standen. Wie gehen Sie damit um?

Das Problem war, dass das eine komplette Falschmeldung war. Es wurde gesagt, wir haben ein Thema – Rassismus – und dazu fünf Gäste, und die sind weiß. Wir hatten aber fünf Gäste eingeladen zu fünf anderen Themen und keinen davon zu Rassismus. Das Thema Rassismus haben wir erst später recherchiert und besetzt, als die Situation in den USA eskalierte. Die erste Fehlkommunikation konnten wir aber leider nicht mehr einfangen. Ich habe versucht, die Dinge richtigzustellen, aber wenn das nicht gelingt, muss man das einfach – wie Helmut Schmidt immer sagte – mit Würde ertragen.

Bietet Ihr Podcast mehr Möglichkeiten als die Talkshow, weil Sie nur einen Gast statt mehrerer haben, zwischen denen Sie vermitteln müssen?

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Ich habe in unserer neuen Form auch in meiner TV-Sendung nur einen Gast im Gespräch – aber immer habe ich dabei die Uhr im Blick. Vor und nach uns läuft eine Sendung, ich habe mich minutengenau an den Sendeablauf zu halten. Im Podcast liegt die Chance, dass man auch länger miteinander spricht, ohne sklavische Zeitvorgabe. Das hilft mir dabei, dass ich besser zuhören kann. Im Fernsehen bin ich oft unter Zeitdruck, muss manchmal auch jemanden unterbrechen, weil ich sehe, dass die Sendezeit zu Ende geht.

Sie fordern Haltung von Ihren Gästen ein, sind dahingehend selbst aber sehr zurückhaltend. Warum?

Gut beobachtet. Ich halte mich zurück, weil es in der Sendung ja nicht um meine Meinung geht, sondern um die der Gäste. Ich habe zwar oft eine Meinung, aber ich will mir nicht die Möglichkeiten verbauen, mit meinen Gästen so offen wie möglich über die unterschiedlichsten Themen zu reden. Hätte ich eine zu klare eigene Position, wäre das nicht so leicht. Ich komme noch aus einer Generation von Journalisten, in der Neutralität das Maß aller Dinge war. Wir laden in “Maischberger – die Woche” immer Kommentatoren ein, die starke Meinungen haben und die auch hervorragend formulieren können. Ich würde dagegen nie einen Kommentar schreiben in einer Zeitung, weil das nicht meiner Rolle als Journalistin entspricht. Ich bin immer Fragezeichen, andere sind Ausrufezeichen.

In der Pilotfolge mit Dirk Roßmann sagen Sie an einer Stelle: “Ich hoffe, mein Sohn (13) hört jetzt nicht zu.” Ist das ernst gemeint? Schaut der sich Ihre Sendung eigentlich an?

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Interessanterweise findet mein Sohn meine Sendung auf seine Art und Weise – also wenn wir zum Beispiel auf Youtube verballhornt werden. Sein Medienkonsum ist ein ganz anderer. Er sieht vieles in kleineren Happen in anderem Kontext. Aber wenn ich ein paar seiner Youtuber interviewte, würde er sich sicher die ganze Sendung ansehen. Wenn ich zum Beispiel vor einem Jahr mit Rezo gesprochen hätte, hätte er das sicherlich live sehen wollen.

Was hat Ihr Sohn denn dazu gesagt, dass Sie jetzt einen Podcast machen?

Er fand das – wie sagt man heute? – nice.

“Staat, Sex, Amen”
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