RTL-Reporterin bejubelt Hamburg-Wahlergebnis: Darf sie das?

Die Logos der Fernsehsender RTL und N-TV in Köln.

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Hamburg. Wie neutral sollten Journalisten von Wahlabenden berichten? Diese Frage wirft gerade der “Münchner Merkur” auf, dem ein kleines Detail auf der Instagram-Seite der Reporterin Heike Boese aufgefallen ist.

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Boese, die am Sonntag für N-TV und RTL von der Bürgerschaftswahl in Hamburg berichtete, postete auf ihrem privaten Instagram-Profil eine kleine Lobhudelei an die Hamburger: “Hamburg, bist ’ne Perle! Gut gewählt”, schrieb Boese. Und ihr Sender N-TV? Der markierte den Post der Journalistin mit einem Herzchen.

Dürfen die das? Das fragt sich nun auch die Zeitung, die das Statement der Reporterin als “alles andere als politisch neutral" und “ziemlich irritierend” wertet – zumal unklar bliebe, wie genau das Statement von Boese gemeint sei.

“Bezieht sie ihre Freude lediglich auf das schwache Abschneiden der AfD, die um den Wiedereinzug in die Hamburger Bürgerschaft bangen musste? Oder meint die RTL-Reporterin damit auch das Debakel von CDU und FDP, die offenbar wegen Thüringen abgestraft wurden?”, fragt der Autor.

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Reporterin löscht Post

Einige Twitter-Nutzer stimmen gleich in die Kritik mit ein: “Reporterin Heike #Boese von #ntv und #RTL reagiert nicht neutral”, posaunt etwa der Twitter-Nutzer “Roter Ritter”, der in der Journalistin offenbar einen glühenden SPD-Fan sieht.

Auch Heike Boese scheint die Sache inzwischen zu heikel geworden zu sein. Auf ihrem Instagram-Profil ist der Jubelpost mittlerweile nicht mehr zu finden – offenbar wurde er gelöscht.

Aber wäre das wirklich nötig gewesen? Der Fall um Heike Boese reiht sich ein in eine ganze Reihe von Missverständnissen zum vermeintlichen Neutralitätsgebot von Journalisten – denn die Diskussion ist keineswegs neu. Dass Journalisten keine Meinung haben dürften und ständig ihre Neutralität verletzten, ist ein großer Mythos – und eine beliebte Propagandamasche von Rechtspopulisten.

Klar ist das erlaubt

Selbstverständlich darf Boese so einen Kommentar posten – zumal dieser auf ihrem privaten Instagram-Profil erschien, und nicht im Rahmen ihrer Berichterstattung auf N-TV oder RTL. Also klar abgegrenzt von der ausgewogenen Berichterstattung.

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Zum anderen gab es bei der Hamburg-Wahl am Sonntagabend eine ganz entscheidende Besonderheit: Boese postete ihren Jubel wenige Minuten nach der ersten Hochrechnung – als nämlich klar wurde, dass die AfD um ihren Sitz im Parlament bangen muss. Es ist davon auszugehen, dass sie sich aus genau diesem Umstand zu ihrem “Gut gewählt” hinreißen ließ. Und das schien auch der Mitarbeiter in der N-TV-Redaktion so zu sehen, der ihren Post likte.

AfD bedroht die Demokratie – und den Journalismus

Warum auch das völlig okay ist? Weil die AfD eine demokratiefeindliche Partei ist – und wir als Journalisten dem schon per se nicht neutral gegenüberstehen können. Denn der einzige Grund, warum Journalismus überhaupt existiert, ist die liberale Demokratie. Wird diese angegriffen (und genau das tut die AfD tagtäglich), dann darf man gerade als Journalist und auch als großer Nachrichtensender sehr wohl eine Meinung dazu haben.

Es ist völlig klar, dass ein solcher Meinungsbeitrag nichts in einer Wahlberichterstattung zu suchen hat – aber genau da hat er ja auch nicht stattgefunden. Es hätte Heike Boese und ihrem Sender gut gestanden, hätten sie den Post auf Instagram einfach stehen gelassen.

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Noch besser aber wäre es wahrscheinlich gewesen, hätten sie sich dort etwas genauer erklärt. Denn jeder Tag, an dem die AfD (fast) nicht in ein Parlament kommt, ist ein guter Tag. Und das kann man eigentlich nicht oft genug so sagen.

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