Anfällig für „Verführungen“: Roland Kaiser spricht in ZDF-Doku offen über „wilde“ Zeit

  • Von seiner leiblichen Mutter wurde er als Baby ausgesetzt, heute gehört er zu Deutschlands erfolgreichsten Sängern.
  • In dem Porträt „Mensch Roland Kaiser!“ erinnern sich Zeitzeugen, Weggefährten und der Star-Sänger selbst.
  • Sie blicken auf eine Karriere mit schweren Krisen, kuriosen Wendungen und mancher Ausschweifung.
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„Der ist ein bisschen komisch. Der meint, er wird ein Schlagerstar.“ - So warnte man Frau Rotter-Ross damals, Mitte der 1970er-Jahre, kurz bevor im Autohaus eine Probefahrt mit Ronald Keiler anstand. Einen riesigen Schal soll er getragen haben, daran erinnert sich die Kundin von damals noch. Wenige Jahre später sah sie ihn dann in der „ZDF Hitparade“. Ach schau, das ist er doch!

Der Weg von Ronald Keiler zu Roland Kaiser und dann an die Spitze der Hitparaden: In dem „ZDFzeit“-Porträt „Mensch Roland Kaiser! Vom Findelkind zur Kultfigur“ wird er spannend wie selten nachgezeichnet. Zeitzeugen, Weggefährten und Kaiser selbst erinnern sich an die Höhepunkte und an die Brüche einer außergewöhnlichen Karriere.

Als Kind hatte Roland Kaiser eine „Schunkel- und Polonaise-Phobie“

Die Startbedingungen, sie hätten für Ronald Keiler kaum schlechter sein können. Von seiner leiblichen Mutter, einem mutmaßlichen Milieu-Mädchen, wurde er als Baby auf den Stufen des Berliner Paul-Gerhardt-Stifts abgelegt. Ein paar Nonnen waren die ersten Gesichter, die er sah. Der Junge kam zu einer Pflegemutter, einer Reinigungskraft, die wenig hatte und Ronald trotzdem viel bot.

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„Eine sehr liebevolle, geradlinige, ehrliche Frau, die mir die Werte von Recht und Unrecht vermittelt hat“, so beschreibt der Sänger seine Adoptivmutter Ella Oertel. Ein bisschen Musik gab es damals auch, wenn die Familie zusammen feierte. Aber nichts für den jungen Ronald: eine regelrechte „Schunkel- und Polonaisephobie“ habe er damals entwickelt. Er, der spätere Schlagerstar.

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Roland Kaiser im Musikunterricht: „Keine Note, da kein Gehör“

Im ruppigen Umfeld von Berlin-Wedding wuchs Ronald Keiler zu einem kleinen Rabauken auf, auf eine musikalische Laufbahn deutete zunächst nichts hin. Zu viel Volksmusik im Schulunterricht, Ronald sang absichtlich schief. Der Musiklehrer habe ihn irgendwann gebeten, nicht mehr mitzusingen. Im Zeugnis am Schuljahresende: „Keine Note, da kein Gehör“. „Damit war Musikunterricht für mich eine der schönsten Unterrichtsformen, weil ich frei hatte.“

Dass er dann doch Musiker wurde, hatte Ronald Keiler letztlich auch seiner großen Klappe zu verdanken. Drei Minuten singen, ohne umzufallen, so wie er es in der „ZDF Hitparade“ sah, das könne er auch, tönte er im Jux mit Freunden. Ein Kumpel mit Kontakten in die Musikbranche nahm ihn beim Wort, es kam zu einem Probesingen, und man erkannte Keilers Talent. Nur musste man hier und da noch ein bisschen feilen, um aus dem jungen Automobilkaufmann einen Star zu machen.

Gerhard Kämpfe, Keilers erster Produzent, erinnert sich. Man habe „optisch ein paar Dinge ändern“ müssen, bevor es losgehen konnte. Ein bisschen abnehmen sollte der ambitionierte Nachwuchssänger. Und einen neuen Namen gab‘s auch gleich. Aus Ronald Keiler wurde Roland Kaiser - „das fließt besser im Deutschen“, so erinnert sich der Sänger an die Überlegungen von damals. „Und seitdem heiß' ich halt so, ne.“

„Für die erste Ehe war ich noch deutlich zu jung“

Im März 1976 hatte Roland Kaiser, von Dieter Thomas Heck als „der Junge aus Berlin“ angekündigt, seinen ersten Auftritt in der „ZDF Hitparade“. 1980 landete er mit „Santa Maria“ seinen bis heute größten Hit. Die Herzen flogen Roland Kaiser nur so zu, vor allem die der weiblichen Fans. „Man muss es sich nicht so vorstellen, dass plötzlich zehn nackte Frauen vor der Tür standen“, erklärt Kaiser. Aber ein paar werden es schon gewesen sein.

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„Ein wilder Hund“ sei der Kaiser damals gewesen, erinnert sich Gerhard Kämpfe schmunzelnd. „Gewisse Umstände in dem Geschäft machten gewisse Dinge auch verhältnismäßig leicht.“ Gewisse andere Dinge, wie etwa Kaisers erste Ehe, litten darunter.

1980 heiratete Roland Kaiser seine Christina - es hielt nicht. „Für die erste Ehe war ich noch deutlich zu jung. Da war ich noch ein unsteter Mensch, was das Widerstreben von Verführungen angeht.“ Die zweite Ehe mit Anja Schüte scheiterte daran, dass Kaiser sich ab Anfang der 90er „überproportional“ seinem Job widmete, wie er rückblickend erklärt. Kaiser war damals nicht nur Sänger, sondern auch als Produzent tätig und „nur unterwegs in Richtung Arbeit“.

Mit der dritten Frau, Silvia, scheint er aber endlich die Richtige gefunden zu haben. Sie spielt seit 1996 die „Hauptrolle“ in seinem Leben, „sowohl vom Herzen als auch vom Verstand her“. Silvia begleitet Roland Kaiser oft bei seinen Auftritten, im Film zupft sie liebevoll seinen Anzug zurecht, zwei Kinder gingen aus der Beziehung hervor. „Wir sind ein gutes Team. In jeder Beziehung.“

„Man will das nicht zugeben, dass man angeschossen ist“

In dem 45-minütigen „ZDFzeit“-Porträt von Anne Kauth geht es schließlich auch um die wohl schwerste Krise in Roland Kaisers Leben. Bereits im Jahr 2000 erhielt er die Diagnose COPD. Durch die Atemwegserkrankung, die den Sauerstoffaustausch stark beeinträchtigt, wurden Auftritte zur Qual, doch Kaiser machte trotzdem weiter, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. „Man will das nicht zugeben, dass man angeschossen ist.“

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Aber die Öffentlichkeit merkte, dass etwas nicht stimmte. „Ganz lila im Gesicht - Was ist bloß mit Roland Kaiser los?“, titelte die „Bild“-Zeitung damals. Nach zehn Jahren voller Pein und Spekulationen erlitt Kaiser dann 2010 bei einem Konzert in Dortmund einen Kollaps. „Ich habe gemerkt: Du kannst jetzt machen, was du willst, du schaffst es nicht mehr.“ Der Sänger begab sich in Hannover in medizinische Behandlung, „high urgency, höchste Dringlichkeit“, sein Leben stand auf der Kippe, und die Karriere schien beendet. Und doch kam er wieder, mit neuer Lunge.

„So lange arbeiten, wie es möglich ist“

Nur acht Monate nach seinem Rückzug trat Roland Kaiser wieder im Fernsehen auf. „Ich habe immer gesagt, ich komme wieder und werde wieder auf die Bühne gehen können.“ Dieses Comeback machte Roland Kaiser endgültig zur „Kultfigur“, wie er im Sendungstitel bezeichnet wird. Ausverkaufte Konzerte, neue Hits (etwa „Warum hast du nicht nein gesagt“ mit Maite Kelly, 2014), sogar ein eigenes Festival hat er inzwischen - die jährliche „Kaisermania“ in Dresden.

Corona-bedingt wurde die „Kaisermania“ zuletzt zweimal abgesagt, dafür soll nun 2022, wenn Kaiser 70 wird, alles noch größer werden. Erstmals sind sechs „Kaisermania“-Auftritte hintereinander geplant, im Anschluss wird es eine große Geburtstagstour geben. Sich irgendwann von der Bühne zurückziehen? Derzeit kein Thema für Roland Kaiser (neues Album „Weihnachtszeit“), wie er im Film abschließend klarstellt. „Meine Absicht ist, so lange arbeiten zu können, wie es möglich ist. Das ist ja auch ein Stück Lebensfreude.“

RND/Teleschau

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