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  • Rezo: Konter von der FAZ - Zerstörung der Presse sei “selbstverliebte Stimmungsmache”

“FAZ” kontert Rezo-Kritik: “Selbstverliebte Stimmungsmache”

  • Für sein Video “Die Zerstörung der Presse” hat Rezo viel Lob geerntet.
  • Doch nicht bei allen stößt seine Medienkritik auf Begeisterung.
  • Die “FAZ” hat das Video des Youtubers genauer auseinandergenommen und kommt zu dem Schluss: “Selbstverliebte, pseudosachliche Stimmungsmache”.
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Frankfurt. Der Youtuber Rezo hat Anfang Juni mit einem neuen “Zerstörungsvideo” Kritik an etablierten Medien erhoben. In dem Video beklagte er ein Grundmisstrauen gegenüber seriösen Nachrichtenangeboten – woran nicht zuletzt die “Presseszene” selbst schuld sei. Als Beispiele nannte er etwa den laxen Umgang mit Quellen, aber auch die fragwürdige Arbeit der Regenbogenpresse.

Rezos Einlass kam auch in der Medienbranche selbst gut an: Viele Journalisten äußerten sich auf Twitter und in eigenen Stücken angetan von der konstruktiven Medienkritik. “Was er sagt, stimmt alles, seine Recherchen sind tadellos”, hieß es beispielsweise beim “Spiegel”. “Das musste gesagt werden”, resümierte der SWR-Jugendsender “Das Ding”. Und RND-Kollege Jan Sternberg beschrieb Rezos Exkurs als “wichtige Lektion in Medienkompetenz”.

Auch Medienforscherin Johanna Haberer hatte den Youtuber im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland gelobt: “Ich finde, dass sich ein 27-Jähriger mit einer solchen Akribie und mit sehr vielen Belegen daranmacht, die unterschiedlichen Informations- und Nachrichtenkanäle nachzuvollziehen, und damit ein Bewusstsein dafür schafft, was Journalismus von Propaganda unterscheidet, was hochgejazzter Boulevard ist und wo Menschenvernichtung beginnt – das ist ein ganz wichtiger Beitrag zur Aufklärung.”

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“Pseudosachliche Stimmungsmache”

Doch nicht alle sind mit Rezos Kritik an der Medienbranche einverstanden. Die “Berliner Zeitung” verfasste bereits kurz nach Veröffentlichung eine Replik und unterzog Rezos Video einem Faktencheck. Das Ergebnis: Besonders bei seinem größten Kritikpunkt macht Rezo zweifelhafte Angaben.

Der Youtuber hatte Presseartikel aus dem vergangenen Jahr über seine eigene Person auf Falschbehauptungen untersucht und dazu eine Google-Tabelle mit Hunderten Artikeln und deren Bewertung veröffentlicht. Auch eine Liste der Zeitungen mit den angeblich meisten Falschbehauptungen enthält die Tabelle. Viele Texte der “Berliner Zeitung” seien hier aber gar nicht erfasst worden, die von ihm errechnete “Falschbehauptungsquote” sei demnach “falsch”, heißt es im Text.

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Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt nun auch ein anderes Medienhaus, nämlich die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (FAZ). Sie hatte Rezo in seinem Video, neben den Springer-Medien “Bild” und “Welt”, besonders hart angegriffen – und stellte der Zeitung sogar die höchste Falschbehauptungsquote aus.

In einem 30-minütigen Video kontert nun “FAZ”-Autor Constantin van Lijnden Rezos Kritik. Gleich zu Beginn geht es ans Eingemachte: Man wolle Rezos “selbstverliebte, pseudosachliche Stimmungsmache” mal “gründlich” auseinandernehmen, heißt es da etwa.

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Kritische Berichte kommen schlechter weg

In Rezos vermeintlichem “Faktencheck” seien von 186 in der “FAZ” erschienenen Texten, die das Wort “Rezo” enthalten, nur 70 erfasst und 15 untersucht worden. “Von den zehn angeblich fehlerhaften Texten können wir diesen Vorwurf nur in drei Fällen nachvollziehen, wobei es sich in allen Fällen um marginale Fehler handelt. Diese haben wir inzwischen korrigiert.”

Die von Rezo erstellte Liste der Falschbehauptungen sei demnach “im methodischen Ansatz unsinnig und in der Umsetzung tendenziös”. Rezo reiße einzelne Sätze aus dem Zusammenhang, stempele kritische Meinungsäußerungen der Autoren als angeblich unwahre Tatsachenbehauptungen ab.

“Es ist somit nicht verwunderlich, dass ausgerechnet diejenige Zeitung, die Rezo und sein CDU-Video 2019 wohl am häufigsten und heftigsten kritisiert hat, die höchste Quote solcher angeblichen ‘Fehler’ aufweist”, schreibt der Autor. In einem ausführlichen Dokument geht die Zeitung näher auf die kritisierten Artikel und ihre Einschätzung ein.

“Vermessen” und “größenwahnsinnig”

Tatsächlich ist Rezos Liste der vermeintlichen Falschbehauptungen mindestens krumm. Auch abseits von “FAZ” und “Berliner Zeitung” tauchen in der Liste klare Meinungsäußerungen auf, die Rezo als angeblich falsche Fakten klassifiziert. So wird hier beispielsweise ein Satz aus der “Welt” aufgeführt: “Während diese gemeinsam mit der Politik die Welt verbessern wollen, will der 26-Jährige nur zerstören.” Rezo führt den Satz als “Fehler” auf, dabei ist der Text eindeutig als Meinungsbeitrag gekennzeichnet und eine durchaus zulässige Interpretation der Autorin.

In derselben Zeitung findet sich folgender Satz: “Der Internetstar (nach eigenen Angaben 27) duzt, wie es ein Siebenjähriger tun würde, sämtliche Gesprächspartner, Gegenargumenten ist er kaum zugänglich.” Auch dieser Beitrag ist ein Kommentar – für Rezo jedoch eine Falschaussage: “Ich duze nicht sämtliche Gesprächspartner. Diesbezüglich gibt es zu viele Gegenbeispiele”, heißt es in der Tabelle.

Die “FAZ” resümiert: Rezos Analyse sei ein “haarsträubendes” Unterfangen, der Schluss von der Berichterstattung über eine Person auf “die Qualität einer Zeitung als Ganzes” sei “absurd”, “vermessen” und “größenwahnsinnig, dass mir die Worte fehlen”. Die “tendenziös durchgeführte Untersuchung” sei “vollkommen wertlos”.

Van Lijndens Fazit: “Der Youtuber Rezo verbrämt eine persönliche Abrechnung als aufklärerische Medienkritik und bedient sich dabei genau der manipulativen Techniken, die er zu entlarven vorgibt.”

Kritik an anderen Journalisten

Die Liste der angeblichen Falschbehauptungen ist jedoch nicht der einzige Kritikpunkt der “FAZ”. Van Lijnden wirft Rezo vor, mit Strohmann-Argumenten zu arbeiten, und weist auch auf seine Kritik im Bezug auf journalistische Standards zurück. Rezo hatte beispielsweise Suggestivfragen in Überschriften kritisiert – diese hält van Lijnden jedoch in vielen Fällen für zulässig. Gleiches gelte für ein Essay aus der “Welt”, das Rezo in seinem Video mit den Verschwörungstheorien eines Ken Jebsen gleichgesetzt hatte.

Grundsätzliche Kritik an Rezos Video wolle man allerdings nicht üben: “Teile von Rezos allgemeiner Medienkritik halten wir für berechtigt, und wir begrüßen es, wenn unethische oder unsaubere journalistische Methoden kritisch hinterfragt werden, auch wenn wir die an mehreren Stellen im Video erfolgte Gleichsetzung mit den Argumentationsmustern von Verschwörungstheoretikern für maßlos übertrieben und selbst vertrauensschädigend halten”, betont der “FAZ”-Redakteur.

Aber: Es falle schwer, “das angeblich noble Ziel des Videos ernst zu nehmen, wenn Rezo selbst manipulativ vorgeht, um eine persönliche Abrechnung als mediale Qualitätsanalyse zu verbrämen und rufschädigende Unwahrheiten zu verbreiten. Dass Medien, die in seinem Video sehr viel besser wegkommen, auf eine kritische Nachprüfung offenbar verzichtet haben und beispielsweise behaupten, es stimme alles, was Rezo sage, und seine Recherchen seien ‘tadellos’, nehmen wir erstaunt zur Kenntnis.”

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