„Reporter ohne Grenzen”: kaum noch Journalistinnen in Afghanistan

  • Die Behauptung der Taliban, Journalistinnen weiterhin arbeiten zu lassen, sind nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen” falsch.
  • In der afghanischen Hauptstadt Kabul arbeiten demzufolge bereits jetzt nur noch wenige Dutzend Frauen für die acht größten Medienunternehmen - vor der Machtübernahme durch die Taliban seien es Hunderte gewesen.
  • Die Organisation berichtet zudem von Gewalt und Schikanen gegen Journalistinnen.
Anzeige
Anzeige

Berlin. „Reporter ohne Grenzen“ warnt vor einer afghanischen Medienlandschaft ohne Journalistinnen. Die vergangenen Tage hätten erneut gezeigt, dass die Behauptung der Taliban, die Pressefreiheit respektieren zu wollen und Journalistinnen weiterhin arbeiten zu lassen, nicht wahr seien, erklärte die Organisation am Mittwoch in Berlin. In der Hauptstadt Kabul sei die Zahl der Frauen, die für die acht größten Medienunternehmen arbeiten, von 510 auf 76 gesunken. 39 von ihnen seien journalistisch tätig.

Ähnlich sieht es den Angaben nach in den Provinzen Kabul, Herat und Balkh aus. Dort hätten mit dem Vormarsch der radikal-islamischen Taliban fast alle privaten Medienunternehmen schließen müssen. Nur eine Handvoll der mehr als 1700 Journalistinnen, die in diesen Regionen 2020 tätig waren, schafften es, mehr oder weniger von zu Hause aus zu arbeiten.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".
Anzeige

Gewalt und Schikanen gegen Journalistinnen

Die Organisation berichtet zudem von Gewalt und Schikanen gegen Journalistinnen. So sei eine Reporterin der unabhängigen Nachrichtenagentur Pajhwok während der Berichterstattung in der Nähe des Kabuler Flughafens von Taliban-Kämpfern geschlagen worden. Andere Journalistinnen seien durch Taliban-Wachen daran gehindert worden, Mediengebäude zu verlassen und zu berichten.

Die Lage für Medienschaffende in Afghanistan hatte sich bereits während des Vormarschs der Miliz zunehmend zugespitzt. Ende August baten 150 Journalistinnen und Journalisten in einem offenen Brief die internationale Gemeinschaft um Schutz für sich und ihre Angehörigen. Mehrere Menschenrechtsorganisationen forderten vereinfachte Visa-Verfahren und weitere Rettungsaktionen.

RND/epd

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen