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Rassismusvorwürfe: Bayerischer Rundfunk zeigt Blackfacing in Satiresendung

  • Der Kabarettist Helmut Schleich inszeniert sich in der BR-Satiresendung „Schleichfernsehen“ als schwarzer Diktator – inklusive Blackfacing.
  • Kritiker werfen dem Bayerischen Rundfunk daraufhin Rassismus vor.
  • Der Sender gibt an, sich der Problematik der Show durchaus bewusst gewesen zu sein.
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München. Es ist Gründonnerstag, der zweite Gründonnerstag im Lockdown. Kabarettist Helmut Schleich nimmt sich in seinem Programm „Schleichfernsehen“ im BR Fernsehen die Krise der Brauereien und die Corona-Regeln der Politiker vor. Als Maxwell Strauß, fiktiver Sohn von Franz Josef Strauß und Diktator eines fiktiven afrikanischen Staates, hält er eine Ansprache, die viel Kritik auslöst.

Der Grund: Helmut Schleich ließ sich schwarz anmalen, um den fiktiven afrikanischen Diktator darzustellen. Als Blackfacing wird eine als rassistisch empfundene Tradition westlicher Unterhaltungsshows bezeichnet, in denen sich weiße Schauspieler schwarz anmalen, um schwarze Charaktere abwertend darzustellen. Schleich verteidigte die Darstellung seiner Figur am Freitag gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Helmut Schleich reproduziert das Klischee eines korrupten afrikanischen Politikers

In seinem Sketch sagt Helmut Schleich als schwarz angemalter Maxwell Strauß unter anderem in Englisch: „Wir hier in Mbongalo brauchen kein Parlament, haben es noch nie gebraucht. Aber wir brauchen auch kein Infektionsschutzgesetz. Wir brauchen hier kein Virus, um die Leute zu regieren. Wir haben hier immer einen Lockdown und eine Ausgangssperre (Shutdown) und einen ‚Shut up!‘ (Sei leise!) für die Opposition.“

Der Sketch stößt nach der Ausstrahlung auf massive Kritik: „Deutschland ist ein Land, das schwarze Afrikaner*innen industriell vernichtet hat, das mehrere Kolonien besaß, Menschen ihrer Sprachen, Kultur und Leben beraubt hat, massiv vergewaltigt hat. Dennoch finden sie es lustig, im Fernsehen völlig grundlos Afrikaner*innen zu verhöhnen“, kritisiert der Journalist Malcolm Ohanwe bei Twitter.

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Der SPD-Politiker Liban Farah schreibt, dass es schön wäre, „wenn ich einmal einen öffentlich-rechtlichen Sender wie den BR einschalten könnte, ohne Angst zu haben, dass meine Vorfahren und ich rassistisch beleidigt werden.“ Afrika sei nicht nur Korruption, Diktatur, Bananenrepublik und Blackfacing.

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Einige Nutzer haben eigenen Angaben zufolge bereits Programmbeschwerden beim Bayerischen Rundfunk eingereicht. „Ist das schlecht gemacht, kein einziger echter Witz, Blackfacing, dieses Wording und die unterschwellige ‚Kritik‘… da wird einem übel“, schreibt ein Nutzer.

Andere werfen dem BR vor, den Clip mit dem Blackfacing bewusst ausgestrahlt zu haben, um Aufmerksamkeit zu generieren. Doch gibt es auch Stimmen, die die Freiheit von Satire und Humor verteidigen – und durch die Kritik Einschränkungen in der Redefreiheit befürchten.

Bayerischer Rundfunk: Problematik war der Redaktion bewusst

Dem BR war die Problematik des Beitrags eigenen Angaben zufolge bewusst. Auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) teilte der Sender am Freitagnachmittag mit: „Die Diskussionen zum Thema ‚Blackfacing‘ und der damit verbundenen Problematik waren der Redaktion bewusst und deshalb wurde im Vorfeld der Sendung über diesen Beitrag intensiv mit Helmut Schleich diskutiert. In einem Satireformat muss dem Künstler aber auch ein bestimmter Freiraum für satirische Überhöhungen zugebilligt werden. Die künstlerische Freiheit ist ein hohes Gut, lotet aber manchmal auch Grenzen aus.“

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Der Sender betont, dass es sich bei der Figur von Maxwell Strauß um eine Karikatur von Franz Josef Strauß handele. „Als Kunstfigur ist diese nicht losgelöst vom Text zu beurteilen: Inhalt des Solos ist das autoritäre Machtverständnis der Kunstfigur Maxwell Strauß“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Die Thematik des absolutistischen Machtdenkens werde im Laufe der Sendung mehrmals aufgegriffen und sei somit Bestandteil der Gesamtdramaturgie.

Kabarettist Helmut Schleich: „Was soll das, dass sich da jetzt manche versuchen reinzuwaschen?“

Ähnlich wie der BR äußerte sich am Freitag auch Helmut Schleich auf Anfrage des RND: „Die gesellschaftliche Debatte über ‚Blackfacing‘ ist mir durchaus bewusst. Allerdings handelt es sich um Satire, und als Kabarettist ist es meine Aufgabe, Dinge überspitzt darzustellen. Ich habe mich schon vor längerer Zeit bewusst dafür entschieden, diese Strauß-Parodie so anzulegen“, ließ er über den Bayerischen Rundfunk mitteilen. Gerade durch einen erfundenen Sohn Maxwell Strauß zeige er den Import neokolonialer Strukturen aus dem globalen Norden nach Afrika auf.

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Über seine Figur Maxwell Strauss, die immer mal wieder in seinen Sketchen vorkommt, hatte sich Schleich vor Kurzem auch im Gespräch mit dem „Münchener Merkur“ geäußert. „Ich spiele in ‚Schleichfernsehen‘ immer wieder einmal die Figur des Maxwell Strauß, eines von mir erfundenen unehelichen Sohns von Franz Josef Strauß, der in Afrika Diktator ist. Und plötzlich fragst du dich, ob du diese Figur noch spielen kannst mit schwarz angemaltem Gesicht. Stattdessen einen sterilen Vortrag über Kolonialismus zu halten, ist ja beileibe nicht lustiger.“

Helmut Schleich entschuldigt sich – doch für einen ganz anderen Witz

Entschuldigt hat sich der Kabarettist in „Schleichfernsehen“ übrigens doch bei den Zuschauern – allerdings für einen ganz anderen Witz. Viele Brauereien müssten ihr Bier wegen der geschlossenen Kneipen nun wegschütten. „So gesehen könnte das Oktoberfest heuer in der Kanalisation eigentlich stattfinden“, sagte Schleich eingangs. Er lachte, hob die Hände und sagte: „‘Tschuldigung, nein, die Lage ist ernst.“ Die Hände von Schleich blieben nach dem Blackfacingsketch kurze Zeit später aber wenig entschuldigend unten – der Kabarettist ging gleich zum nächsten Thema über.

Erst vor wenigen Wochen war der WDR nach der Ausstrahlung der Sendung „Die letzte Instanz“ scharf kritisiert und mit Rassismusvorwürfen konfrontiert worden.

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