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Queen Latifah auf Verbrecherjagd: Bei Sky ist „The Equalizer“ jetzt eine Frau

  • Die Schwachen und Unterdrückten von New York City können auf sie zählen.
  • Der dritte „Equalizer“ der Film- und Fernsehgeschichte ist eine Frau.
  • Queen Latifah und ein gut aufgelegtes Ensemble machen auf Sky (streambar ab 12. Juli) eine sonst eher formelhafte Serie sehenswert.
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Der Typ war lässig und überlegt, kein Potenzprotz für kreischende Bremsen und bellende Pistolen. Robert McCall, ein früherer CIA-Mann, half selbstlos Menschen in Not. Wie Batman – nur stiller, Gentleman-hafter und ohne Mummenschanz. Der 2009 verstorbene Brite Edward Woodward verkörperte den stilvollen „Ausgleicher“ in den Achtzigerjahren in der Fernsehserie „Der Equalizer – Der Schutzengel von New York“. New York war Babylon, das Verbrechen hatte die Oberhand, die Cops waren ohne Chance. McCall aber war in Rufweite, wo sich die Behörden taub stellten.

Und Denzel Washington wechselte 25 Jahre später als scheinbar harmloser Baumarktmitarbeiter Robert McCall im Kino wieder in den CIA-Kampfmodus, als er einer drangsalierten Prostituierten mit Agentenfertigkeiten beistand. Zwei Kinoauftritte gab’s mit einem diesmal in Boston angesiedelten McCall: einen guten und einen – nennen wir ihn routinierten Rachethriller. Beide unter Regie von Actionspezialist Antoine Fuqua, beide erfolgreich. Entscheidungshilfe, eine Serie mit dem Ex-Agenten in Angriff zu nehmen.

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Wobei: Nicht mehr Robert McCall, sondern Robyn. Aber das sollte ja nun kein Problem sein in Zeiten, in denen ein weiblicher Dr. Watson an der Seite von Sherlock Holmes der Deduktionsleidenschaft verfällt („Elementary“), in der im Superheldenfach weibliche Lokis und weibliche Thors den germanischen Götterhimmel neu gendern. Weiblich ist das neue mächtig. Und Queen Latifah („Scream“, „Star“) spielt die Robyn – mächtiger geht’s ja nun nicht.

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Das neue New York ist optisch auch keine hässliche, kranke Stadt wie noch zu Woodwards Zeiten. Die Verbrecher sind keine klassischen Krimitunichtgute mehr, sondern gut vernetzte Organisationen, geheimbündlerische Netze oder – wie in der Auftaktfolge – ein offiziell gut beleumundeter Mann mit dem Kontostand von Dagobert Duck (Michael Rady). Gerade bringt die junge Jewel (Lorna Courtney) nach der Spätschicht im Diner den Müll raus, als jemand ihr im Hinterhof ein „Lauf!“ zuruft, bevor er erschossen wird. Die beiden Terminatoren finden die Zeugin nicht – also wird sie via Videomanipulation zur Hauptverdächtigen gemacht.

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Die neue Ausgabe von McCall ist keine einsame Wölfin

Ein „elonmuskiger“ Milliardär, der einem hart arbeitenden Afro-Latin-Teenager das Dasein verleidet, nachdem dessen Mutter abgeschoben wurde – das finden Sie völlig unglaubwürdig? Wie man’s nimmt. Verbrecher mit einem Imperium machen eben, wozu immer sie gerade Lust haben. Pech für ihn indes, dass ausgerechnet McCall in den Fall verwickelt wird.

Die neue Ausgabe von McCall ist privat keine ganz so einsame Wölfin. Sie hat eine Tochter namens Delilah (Laya DeLeon Hayes), einen Teenager, der ordentlich aufs Dramapedal tritt, und bei dessen Erziehung Robyns Tante Vi (Lorraine Toussaint) Gewehr bei Fuß steht.

McCall macht platt, was sie plattzumachen versucht

Die Powerfrau Latifah schafft es, eine von Albträumen über missglückte CIA-Einsätze geplagte, in sich zurückgezogene Person zu spielen, die entsprechend bei ihren Einsätzen so unterschätzt wird wie weiland Inspektor Columbo oder wie zuletzt Matthew Rhys als Privatdetektiv Perry Mason in der gleichnamigen HBO-Serie.

„Und wer zur Hölle bist du jetzt?“, fragt der Anführer einer Bande von Galgenvögeln, die sich gerade Jewel vorknöpfen möchte. „Die Nachbarschaftswacht“, antwortet McCall. Und danach macht sie – zu fetten Hip-Hop-Beats – platt, was gerade noch versuchte, sie plattzumachen.

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Wie Woodward hat auch Latifah verlässliche Helfer, die mit ihr schon in Afghanistan durch dick und dünn gingen: Die Barchefin Mel (Liza Lapiro) und ihr Ehemann, der offiziell für tot erklärte Hacker Harry (Adam Goldberg). Dazu kommt Bishop („Sex and the City“) – und „Good Wife“-Star Chris Noth, der Chef eines Sicherheitsdienstes, der früher beim CIA McCalls Vorgesetzter war. Auftrag von CBS an den klar unterforderten Cast: Grabt nicht zu tief in euren Charakteren, grabt nicht mal drei Zentimeter, treibt lieber die Handlung voran!

Besser gesagt: die Handlungen. Denn McCall entscheidet sich nach dem Initiationsfall, ihre Dienste in der Stadt anzubieten – nicht mehr per Zeitungsanzeige wie in den Achtzigern, sondern anonym in einem Onlineforum: „Haben Sie ein Problem? Stehen die Chancen schlecht? Ich kann helfen.“ Natürlich gibt es auch den neugierigen Mann vom New York Police Department (Tony Kittles, „True Detective“, „Intruders“), der gern wüsste, wer in der Stadt, die nie schläft, den Job erledigt, den eigentlich seine Leute erledigen müssten.

Formelkrimi? – Ja, aber mit der großartigen Queen Latifah

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Klingt alles nach Formelfernsehen? Bingo! Aber für eine moderne Robyn Hood, die den Entrechteten beisteht, und ihre Dreiviertelstünder haben wir zuweilen etwas Zeit übrig, erst recht für Latifah, die bis 2009 unzweifelhaft beste Rap-Queen von allen.

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By the way – wie wäre es mit einer Serie über eine Frau Hood im guten alten Sherwood Forest, die zu Prinzessin Joanas‘ und Königin Ricarda Löwenherz‘ Zeiten in Nottingham aufräumt und sich in Lady Marian verliebt?

„The Equalizer“ – erste Staffel, zehn Episoden, von Andrew W. Marlowe und Terri Edda Miller, mit Queen Latifah, Chris Noth, Lorraine Toussaint, Liza Lapira, (ab 12. Juli bei Sky)

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