Dokumentation bei RTL

Guttenberg bei RTL: Früherer CSU-Politpopstar versucht sich an Putin-Porträt

Der frühere Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sitzt nach einem Interview, während des Ludwig-Erhard-Gipfels, am Tegernsee. (Archivbild)

Der frühere Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sitzt nach einem Interview, während des Ludwig-Erhard-Gipfels, am Tegernsee. (Archivbild)

Er sei einmal „der beliebteste Politiker Deutschlands“ gewesen. Doch mit Politik hat der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nichts mehr zu tun. Dies bekennt der 50-Jährige zu Beginn seiner Reportage „KT Guttenberg - Auf den Spuren der Macht: Der Fall Putin“. Der einstige CSU-Politpopstar, der 2011 über eine Plagiatsaffäre stolperte, versucht sich nun in neuer, journalistischer Rolle.

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Bei RTL moderiert Guttenberg dieses Jahr nicht nur den Jahresrückblick (gemeinsam mit Thomas Gottschalk!), sondern widmet sich bereits jetzt einem Mann, der das Weltgeschehen in diesem Jahr mit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine maßgeblich bestimmt hat: Wladimir Putin.

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Porträt liefert wenig Neues

Wer ist dieser Mensch, dessen Machthunger grenzenlos scheint und der dafür Schreckliches in Kauf nimmt? Wie wurde Putin vom Hoffnungsträger zum Kriegstreiber? Um Fragen wie diese zu beantworten, reiste zu Guttenberg um die Welt. Das Ergebnis, ein versuchtes Psychogramm Putins, gibt es ab sofort beim Streamingportal RTL+ zu sehen. Allerdings: Wer im zurückliegenden Dreivierteljahr regelmäßiger die Nachrichten gelesen hat, wird darin wenig Neues erfahren.

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„Es gab die Hoffnung, dass er das Staatsoberhaupt sein könnte, das Russland und den Westen zusammenbringen könnte“, umreißt der ehemalige CIA-Direktor David Petraeus das Stimmungsbild Anfang der 2000er-Jahre. Eine Rede Putins im Bundestag 2001 in deutscher Sprache habe „eine Art Kennedy-Effekt“ entfaltet, zieht Ex-CSU-Chef Theo Waigel Parallelen zu Kennedys berühmten Worten „Ich bin ein Berliner.“ Doch wie viel an Putins Gesten von damals war bereits von dem Kalkül durchsetzt, seine Macht aufrechtzuerhalten und auszubauen?

Wenn man den ehemaligen Weggefährten und Beobachtern, die in der 90-minütigen Reportage zu Wort kommen, Glauben schenken darf, sehr viel. Michail Chodorkowski war einst der reichste Mann Russlands, landete aber zehn Jahre im Straflager, nachdem er das Wort gegen Putin und sein korruptes System erhoben hatte. „Wenn sie nicht korrupt sind, werden sie nicht in den inneren Kreis aufgenommen, weil es keine Möglichkeit gibt, Druck auf sie auszuüben“, erklärt Chodorkowski im Gespräch mit Karl-Theodor zu Guttenberg.

„Verräter müssen getötet werden“

Für Putin, so die Reportage, gäbe es Schwarz und Weiß, aber nichts dazwischen. Opponenten räumt er ohne Rücksicht auf Verluste aus dem Weg. „Putin unterscheidet seine Gegner in Feinde und Verräter. Feinde respektiert er, aber Verräter müssen getötet werden“, bringt es Marina Litwinenko drastisch auf den Punkt. Ihr Mann Alexander diskreditierte den russischen Inlandsgeheimdienst FSB öffentlich und wurde später vergiftet.

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Für Dietmar Schumann, ehemals Russland-Korrespondent, ist die Sache klar: „Ich gehe fest davon aus, dass der russische Präsident die Liquidierung von Verrätern anordnet.“ Er sei „ein Spieler, der immer gewinnen will, ein Meister im Tarnen und Täuschen, ein Meister im Fabrizieren von Lügen“.

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Auf eine Lüge geht womöglich auch der Moment zurück, in dem sich Putin „in die Herzen der Russen“ (Schumann) gebombt hat: der Tschetschenienkrieg 1999. Der damalige Ministerpräsident entsendete als Reaktion auf mutmaßliche Attentate tschetschenischer Terroristen in Moskau Truppen. Nach heutigen Erkenntnissen liegt es nahe, dass die Terroranschläge eine Inszenierung des FSB unter dessen damaligem Chef Wladimir Putin gewesen sein könnten. „Er hat Kriegsverbrechen angeordnet. Ein Menschenleben ist diesem Mann nichts wert“, befindet Schumann in der RTL-Reportage.

„Politik hat alle Augen zugemacht“

Und doch hat Putin den Westen immer wieder um den Finger gewickelt, gerierte sich als vorwärts denkender Reformer, ging als gewiefter Manipulator zwischenmenschlicher Regungen vor. „Du bist hier als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland, nicht als Putins Kumpel“, habe sich auch die einstige SPD-Größe Sigmar Gabriel bei Treffen mit dem Machthaber klarmachen müssen. Am hochrangigen Posten seines ehemaligen Parteifreundes Gerhard Schröder beim russischen Gas-Unternehmen Gazprom unmittelbar nach dessen Ende als Bundeskanzler übte er derweil leise Kritik: „Egal, wie lange Sie in einem solchen Amt [d. Red., das des Bundeskanzlers] waren, Sie sind ihrem Land verpflichtet.“ Gesprächsversuche seitens Gabriels habe Schröder damals „brüsk abgelehnt“.

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Eine „fast verbrecherische Dimension“ habe die Abhängigkeit mancher europäischen Länder von russischer Energie angenommen, stellt der österreichische Publizist Robert Misik fest. „Unsere Politik hat alle Augen zugemacht, um die Geschäfte in Russland nicht zu gefährden“, fügt Dietmar Schumann hinzu.

„Unglaublich viele Leichen“

Putin als Manipulator, als absoluter Machtmensch, der vor keinem Mittel zurückschreckt, sich aber durch seinen Einfluss aus beinahe allem herauswinden kann: „KT Guttenberg - Auf den Spuren der Macht: Der Fall Putin“ zeichnet das Bild eines scheinbar unantastbaren Diktators. Während er in Russland ein Schreckensregime voller Korruption und der bedingungslosen Verfolgung Andersdenkender durchsetzte, lancierte der 70-Jährige im Ausland gezielt Desinformationskampagnen, destabilisierte binneneuropäische Verhältnisse und machte sich mit Europas Rechten gemein.

Seit 24. Februar ist Putin das Gesicht des Angriffskrieges auf die Ukraine. Der Krieg sei „eine Tragödie für die ganze Welt“, schlägt Vitali Klitschko, der frühere Boxer und heutige Bürgermeister von Kiew, Alarm. Sein Bruder Wladimir erinnert sich gegenüber zu Guttenberg an „unglaublich viele Leichen“ und „die komplette Zerstörung“ in Butscha. Trotzdem kämpfe die Ukraine weiter für Freiheit und „unser Land“, versichert Vitali Klitschko.

Im Falle eines Sieges würde wohl auch Garri Kasparow, einstiger Schachweltmeister, in seine Heimat zurückkehren. Als Teil der Opposition landete er sogar im Gefängnis, ging dann ins Exil. „Wenn ich wieder in Russland landen darf, heißt das, Russland ist frei.“ Dann könnte er auch endlich das Grab seiner verstorbenen Mutter besuchen. Es wäre ihm zu wünschen.

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RND/Teleschau

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