„Prince Charming“ Nicolas Puschmann: „Liebe kennt kein Geschlecht“

  • „Prince Charming“ ist die erste Gay-Dating-Show Deutschlands, Nicolas Puschmann (28) sucht in der Sendung seinen Traummann.
  • Ab diesem Montag ist das Format nun auch im Fernsehen zu sehen.
  • Ein Interview über die große Liebe, Dates vor der Kamera und sein Outing.
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Nicolas Puschmann (29) aus Köln geht in „Prince Charming“ auf die Suche nach der großen Liebe. In acht Folgen buhlen 20 Singlemänner um seine Gunst. Die Show, die zuerst nur auf TVNow zu sehen war, startet an diesem Montag (20. April), ab 22.10 Uhr, auf Vox nun auch im Fernsehen. Im Interview spricht er über die Teilnahme, sein Outing und Aufklärung.

Herr Puschmann, wie ist man auf Sie als „Prince Charming“ aufmerksam geworden?

Ich wurde in Köln auf der Straße angesprochen. Ich war am Abend mit einem Freund unterwegs. Anscheinend wurde ich zuvor ein bisschen beobachtet. Und dann sprach man mich an, ob ich denn Interesse hätte, an einem Fernsehformat mitzuwirken.

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Haben Sie lange überlegt, ob Sie mitmachen oder nicht?

Ich habe des Öfteren gegrübelt, ob das wirklich richtig für mich ist. Die ganze Aufmerksamkeit und Dates vor einer Kamera, das kann ja im ersten Moment schon abschreckend wirken. Ich habe viel mit meiner Familie und meinen besten Freunden gesprochen. Alle waren sehr hilfsbereit, um meine Entscheidung zu treffen.

20 Männer gleichzeitig daten, das klingt nach einer ziemlichen Herausforderung. Was war für Sie am schwierigsten daran?

Die Schwierigkeit für mich waren nicht die 20 Männer, sondern jedem dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken, dass sich niemand übersehen fühlt. Es kann schnell passieren, dass man unbewusst jemandem nicht diesen einen Blick zuwirft, es aber gar nicht beabsichtigt hat. Ich musste mich schon sehr konzentrieren und auch während den Gesprächen mit einzelnen Teilnehmern die anderen gut im Auge behalten.

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Die Folgen sind ja schon abgedreht und liefen bereits bei TVNow. Wie hat sich Ihr Leben bisher durch die Show verändert?

Mein Leben hat sich in der Tat durch „Prince Charming“ verändert. Ich werde auf einmal auf der Straße erkannt und fremde Personen interessieren sich für mein Leben und gehören praktisch ein wenig dazu. Shows, die ich sonst nur aus dem Fernsehen kenne, fragen mich zur Teilnahme an, das ist schon ziemlich verrückt, aber auch einfach wunderschön. Ansonsten habe ich meinen Vollzeitjob halbiert und bin bereit für die Medienlandschaft.

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Ist man mit 28 Jahren nicht noch viel zu jung für die große Liebe?

(lacht) Hat denn die große Liebe zu treffen ein definiertes Alter? Auf dem Land wird ja manchmal schon mit 24 Jahren geheiratet. Da denke ich, ist es okay, mit 28 Jahren sein Leben allmählich planen zu wollen, und das natürlich nicht mehr allein. Im fortgeschrittenen Alter ist es meiner Meinung nach eher schwieriger, die große Liebe zu finden. Man eignet sich mit der Zeit doch viele Eigenschaften an, die schwer wieder aufzubrechen sind.

Ein Hoch auf die Liebe und auf die erste Gay-Dating-Show.

Nicolas Puschmann

Haben Sie auch schon vergleichbare Formate wie „Der Bachelor“ geschaut?

Ich habe tatsächlich noch nicht eine Folge „Bachelor“ geschaut. Warum? Ich weiß es nicht. Ich habe es auch nach der „Prince Charming“-Zusage nicht mehr nachgeholt. Man hätte es natürlich als Vorbereitung nutzen können. Der Vorteil war letzten Endes für mich, dass ich so ganz unvoreingenommen und ohne Erwartungshaltung an das Format rangehen konnte.

Woran haben Sie spontan als Erstes gedacht, als sie den Namen „Prince Charming“ gehört haben?

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Ich habe ganz zuerst an Trash und Kitsch gedacht. Man urteilt als „Unwissender“ ja leider sehr schnell. Ich muss sagen, inzwischen finde ich den Namen super und weiß, welch fantastische Sendung und welche Menschen dahinterstecken. Ein Hoch auf die Liebe und auf die erste Gay-Dating-Show.

Warum ist es Ihrer Meinung nach jetzt Zeit für eine schwule Datingshow?

Eine Frau datet 20 Männer im TV, ein Mann datet 20 Frauen. Wie nun jeder weiß, gibt es nicht nur heterosexuell empfindende Personen auf dieser Welt. Wieso nicht also auch Mann und Mann? Die Sendung „Prince Charming“ zeigt eines ganz genau: Es gibt keinen Unterschied zum „Bachelor“-Pendant. Es sind die gleichen Emotionen, die gleichen Schmetterlinge im Bauch, dasselbe romantische Empfinden, derselbe Streit. Liebe kennt halt kein Geschlecht. Liebe ist Liebe.

Dass die Show es jetzt auch ins Fernsehen schafft, ist ein Erfolg für Sie und das Format. Es bringt Sie aber auch noch mal viel mehr in die Öffentlichkeit als zuvor. Haben Sie auch Angst vor Kritik oder Anfeindungen?

Bislang haben nur die TVNow-Premium-Kunden die Sendung verfolgen können und sich somit bewusst für das Format entschieden, hier habe ich viel positive und freundliche Resonanz erfahren. Ich bin gespannt auf die Eindrücke der linearen Fernsehzuschauer und freue mich auch über konstruktive Kritik. Letztendlich habe ich mich als „Prince Charming“ genauso präsentiert, wie ich bin, insofern bin ich fein damit. Dem einen gefällt es, der anderen Person aber wieder nicht.

Wurden Sie schon mal wegen Ihrer Homosexualität angefeindet?

Nein, ich habe noch absolut keine schlechte Erfahrung machen müssen.

Glauben Sie, dass das Format etwas an der Wahrnehmung von Homosexualität in der Öffentlichkeit verändert hat? Müsste aus Ihrer Sicht auch noch ein Pendant mit lesbischen Frauen ins Leben gerufen werden?

Ich würde es wirklich spannend finden, eine „Misses Charming“ zu sehen. Ich hätte Spaß daran, zu schauen, ob es konkrete Unterschiede geben würde, ob die Stimmung unter den Kandidatinnen eine andere wäre und wie 20 Damen um eine „Misses Charming“ buhlen würden. Mit meiner Teilnahme an der Sendung „Prince Charming“ wollte ich ein Zeichen setzen und die Öffentlichkeit ein wenig mehr sensibilisieren. In Bezug auf Homosexualität gibt es leider noch viele Vorurteile in der Gesellschaft, Aufklärung ist hier „das A und O“. Ich hoffe durch die authentische Debütstaffel mit ihren echten Emotionen aller Protagonisten, ein wenig für den Aha-Effekt gesorgt zu haben: Love is Love und jeder soll und darf sein Leben leben, wie er mag!

Ab wann wussten Sie, dass Sie auf Männer stehen?

Ich habe mich zum ersten Mal in der fünften Klasse einer Mitschülerin anvertraut. Insofern wusste ich es schon ziemlich früh. Aber was heißt schon wissen, in dem Alter kann man seine Gefühle selber nicht genau definieren und kennt das Schwulsein bewusst ja auch noch nicht wirklich. Und über Homosexualität wurde ich in der Schule leider nicht aufgeklärt. Das muss man alles mit sich selber ausmachen, das ist schon eine sehr prägende Zeit gewesen.

Wie haben Sie Ihre sexuelle Ausrichtung Ihren Eltern mitgeteilt?

An einem Abend hatte ich mich lange mit einer lesbischen Freundin unterhalten und mir ein bisschen Mut angetrunken. Ich war wieder einmal zu spät zu Hause, ich war 15. Meine Mutter hörte mich natürlich, kam aus dem Schlafzimmer. Sie fragte vorwurfsvoll, wie spät es denn sei. Ich antwortete nicht mit der Uhrzeit, stattdessen sagte ich: „Der Typ, mit dem ich immer telefoniere, ist nicht ein Freund, sondern mein Freund, ich bin schwul.“ Meine Mutter hat das ohne zu zögern akzeptiert. Bei meinem Vater dauerte es ein klein wenig länger.

Welchen Promi würden Sie sich für eine zweite Staffel der Show als „Prince Charming“ wünschen?

Eine zweite Staffel wurde nach Ausstrahlung der vierten Folge schon bestätigt, das macht mich wirklich stolz. „Prince Charming“ kommt also wieder, natürlich mit einem neuen Prince. Ich finde es ehrlich gesagt viel spannender, wenn die Kandidaten „Prince Charming“ nicht kennen und es sich nicht um eine prominente Persönlichkeit handelt. Das lässt viel mehr Freiraum, unvoreingenommen an das Kennenlernen zu gehen. Ob Promi oder nicht, ich wünsche dem neuen „Prince Charming“ viel Spaß, Authentizität, das gewisse Etwas, Ehrlichkeit, Fairness allen Kandidaten gegenüber und vor allem viel Erfolg auf der spannenden Liebesreise.

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