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“Polizeiruf 110: Der Tag wird kommen” aus Rostock: Perfekter Zeitpunkt für einen Ausstieg

  • Im ausgezeichneten neuen “Polizeiruf 110” aus Rostock ist Kommissarin König komplett neben der Spur.
  • “Der Tag wird kommen” (Sonntag, 14. Juni) ist ein starker Krimi und wäre laut RND-Autor Tilmann P. Gangloff der perfekte Zeitpunkt für einen Ausstieg des Duos.
  • Doch der ist aktuell nicht geplant.
Tilmann P. Gangloff
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Viele Jahre lang haben sie es nicht wahrhaben wollen, aber nun können sie ihre Gefühle füreinander nicht mehr verleugnen: Selbstverständlich ist es Liebe; das hat sich schon im ersten Film (2010) angedeutet, als Katrin König dem Rostocker Kripo-Kommissar Alexander Bukow auf die Finger schauen sollte.

Zwischenzeitlich hat er seine Karriere aufs Spiel gesetzt und sie mit einer Falschaussage gedeckt. Seit die LKA-Beamtin mithilfe manipulierter Beweise dafür gesorgt hat, dass der Vergewaltiger und Mörder Guido Wachs für eine Tat ins Gefängnis musste, die er gar nicht begangen hat (“Für Janina”, 2018), bewegt sich die Beziehung des Duos auf einer neuen Ebene: Wachs schickt der Kommissarin regelmäßig Briefe, um an ihr schlechtes Gewissen zu appellieren. Bukow ist auf diese Weise in eine Beschützerrolle gewachsen, in der er sich sichtlich wohlfühlt. In einer Szene nimmt er die entkräftete König kurzerhand auf die Arme, um sie in ihre Wohnung zu tragen. Ein zutiefst berührender Moment – wie King Kong und die weiße Frau.

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Regisseur ist wieder der Schöpfer des Rostocker “Polizeiruf”-Duos

Regisseur von “Der Tag wird kommen” (Sonntag, 14. Juni, 20.15 Uhr, ARD) ist wieder Eoin Moore. Der Schöpfer des “Polizeiruf”-Duos hat nicht nur die meisten Episoden mit Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner inszeniert, sondern auch die besten. Deshalb klappt nun, was beim letzten Mal nicht funktioniert hat: In “Söhne Rostocks” (ausgestrahlt im Januar) war der alte Fall mit den gefälschten Indizien nur eine Nebenhandlung, aber wesentlich spannender als die eigentliche Ermittlung.

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Das Drehbuch zur 22. Episode ist von Florian Oeller. Er gehört wie Moore zu den Stammautoren der Krimis aus Rostock (dies ist sein fünfter Beitrag) und hat zuletzt den interessanten Furtwängler-“Tatort” über junge Neonazis (“National Feminin”) sowie die Politthriller-Trilogie “Tödliche Geheimnisse” geschrieben (alle ARD).

Geschickte Verknüpfung dreier Ebenen

Oellers Geschichte ist eine äußerst geschickte Verknüpfung dreier Ebenen, die anscheinend nichts miteinander zu tun haben: Beim Morgenjogging am Hafen sieht König, wie zwei zwielichtige Typen eine junge Frau bedrohen. Sie mischt sich ein, wird niedergeschlagen, wacht im Krankenhaus wieder auf und bekommt gerade noch mit, wie auch die sterbende Frau eingeliefert wird.

Für Bukow gibt es keinen Zweifel, dass die beiden Schläger sie auf dem Gewissen haben, aber König spürt, dass mehr dahintersteckt. Die Kommissarin hat jedoch eine Gehirnerschütterung erlitten und scheint nicht mehr ganz zurechnungsfähig zu sein. Tatsächlich stimmte schon vorher was in ihrem Kopf nicht: Sie kann nicht schlafen, hört Stimmen und leidet unter einem rätselhaften Ausschlag. Als sie Wachs im Gefängnis besucht, schlägt ihr der Mörder einen Deal vor: Sie gesteht seine Unschuld an dem Mord, für den er verurteilt worden ist, er gibt dafür die viele Jahre zurückliegende Tat zu.

Kollege Pöschel ist einem großen Fall auf der Spur

Die dritte Ebene führt in eine völlig andere Richtung. Kollege Pöschel (Andreas Guenther) bewirbt sich für die Leitung des Rauschgiftdezernats und ist einem großen Fall auf der Spur: Ein Drogenhändler ist in die Stadt zurückgekehrt und bittet Bukows Vater um Hilfe. Veit Bukow (Klaus Manchen) war einst eine echte Unterweltgröße, ist aber nun ein alter Mann und zudem unheilbar krank. Offenbar will er es noch einmal wissen und hat keine Ahnung, dass er bloß eine Figur in einem teuflischen Komplott ist, das Katrin König um den Verstand bringen soll.

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Der Reiz des Films liegt ohnehin in der Raffinesse, mit der Oeller die Geschichte ausgeklügelt hat. Der letzte Akt sorgt für diverse Verblüffungen und mündet schließlich in ein Finale, bei dem Bukow den Widersacher regelrecht zerschmettert, ohne ihm ein Haar zu krümmen.

König wird mehr und mehr zur wandelnden Leiche

Dank Sarnau und Hübner waren selbst die wenigen weniger sehenswerten Episoden aus Rostock sehenswert. Hier setzen beide noch eins drauf: Es ist nicht nur das Make-up, das König mehr und mehr zur wandelnden Leiche werden lässt; und Hübner hat eine grandiose Szene, als Bukow die zwei Ganoven mit einer wunderbaren Showeinlage zum Reden bringt.

Trotzdem ist Peter Trabner der heimliche Star des Films: Wie er den offenbar omnipotenten Strippenzieher Wachs gleichermaßen als reuigen Sünder wie als Narzissten verkörpert, ist großes Schauspiel. “Der Tag wird kommen” ist nicht nur ein außergewöhnlich guter Krimi, der Film markiert auch so etwas wie einen Endpunkt in der langen Geschichte zwischen Bukow und König. Im Grunde lässt sich die Beziehung kaum noch steigern; würde der NDR verkünden, dies sei der letzte Fall für das Duo aus Rostock, hätte der Sender den perfekten Zeitpunkt für den Ausstieg gefunden.

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