Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Patchworkchaos beim Corona-Dreh

Picco von Groote über ihre Schauspielkarriere: „Mein Papa hatte schlaflose Nächte“

Schauspielerin Picco von Groote.

Erst kümmert sie sich Vollzeit ums Kind, dann geht er in den Vorruhestand und übernimmt – so war die Abmachung zwischen Susa (Picco von Groote, 40) und ihrem Partner Paul (Heino Ferch, 58) im ARD-Film „Nie zu spät“ (Samstag, 26. Februar, 20.15 Uhr, im Ersten). Doch dann erhält der Pilot das Angebot, endlich den prestigeträchtigen Airbus 747-8 fliegen zu dürfen und will von der Abmachung nichts mehr wissen. Susa lässt ihn daraufhin kurzerhand mit dem fünfjährigen Sohn allein, dann stehen auch noch Pauls ältere Kinder aus Ex-Beziehungen vor der Tür, und das Chaos nimmt seinen Lauf.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Im Interview verrät Susa-Darstellerin Picco von Groote (die eigentlich Bettina heißt, aber seit ihrer Kindheit Picco genannt wird), ob sie „Paul“ auch ein wenig verstehen kann, welche eigenen Patchworkerfahrungen sie mitbringt und was es bedeutet, in Corona-Zeiten zu drehen.

Zuletzt waren Sie häufig in Krimis oder historischen Filmen zu sehen, bei „Nie zu spät“ ist der Stoff sehr „aus dem Leben gegriffen“, wenn auch vielleicht etwas überspitzt. Ist es das, was Sie an der Rolle der Susa gereizt hat?

Genau – tatsächlich werden mir häufig Krimis angeboten, insofern habe ich mich über diese Familiengeschichte mit ihren auch komödiantischen Elementen sehr gefreut. Und so überspitzt finde ich die Charaktere ehrlich gesagt gar nicht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Überspitzt ist wohl eher die Anhäufung der Probleme, aus denen sich ja auch die Dramaturgie entwickelt.

Klar, dass alle drei Kinder plötzlich gleichzeitig auf der Matte stehen, passiert im echten Leben so vielleicht nicht so häufig. Für die Story fand ich es aber sehr spannend zu sehen, wie die drei interagieren. Die wissen zwar: Okay, du bist mein Halbbruder, meine Halbschwester, aber im Grunde kennen wir uns gar nicht. Nur der kleine Franz scheint total auf dem Laufenden zu sein. (lacht) Beim Dreh hatten wir ja gar nicht so viele gemeinsame Szenen, insofern war es toll, die drei im Nachhinein miteinander zu sehen.

Der fünfjährige Franz hat die Bande irgendwie zusammengehalten.

Ja, der Junge, der ihn gespielt hat, war eigentlich ein bisschen älter und hochmotiviert, nicht zu bremsen! (lacht) Das merkt man, finde ich, auch. Ich war aber auch von den beiden älteren Kindern sehr begeistert.

„Ich komme selbst aus einer solchen Familie“

Das Thema Patchworkfamilie ist heutzutage ja sehr präsent. Haben Sie selbst Erfahrungen damit?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ich komme tatsächlich aus einer solchen Familie, meine Eltern haben sich getrennt, als ich zwölf war, und meine Mutter hat wieder geheiratet. Aber das ist so lange her und für mich einfach ganz normal, sodass ich darüber nicht mehr weiter nachdenke. Meine Eltern haben sich zum Glück auch immer gut verstanden, das hat es für mich und meine Schwester natürlich leicht gemacht, diese Zeit gut zu überstehen.

Heino Ferchs Rolle Paul benimmt sich dagegen nicht unbedingt vorbildlich als Vater. Konnten Sie diesen Paul dennoch ein bisschen verstehen?

Ja, schon! Also, in meiner Rolle als Susa vielleicht nicht, aber grundsätzlich: Da wird für den Mann ein Lebenstraum wahr, und den soll er zugunsten der Familie ablehnen! Natürlich kommt er da ins Schwanken! Schwierig finde ich aber, wie er damit umgeht: Anstatt das Gespräch zu suchen, die Karten auf den Tisch zu legen und gemeinsam mit Susa nach einem Kompromiss zu suchen, übergeht er einfach ihre Bedürfnisse und erwartet, dass sie sich für ihn mitfreut. Und dann sagt er noch diesen furchtbaren Satz, dass er ja nicht unbedingt noch ein Kind gewollt habe! Das geht natürlich gar nicht! Es hat Spaß gemacht, diese wirklich gut geschriebene Szene zu spielen, in der er so egoman agiert und seine Frau damit schockt. Insgeheim weiß sie aber, dass er nicht so sein will und eigentlich ein guter Vater sein möchte. Und das traut sie ihm auch zu.

Darum schickt sie ihn sozusagen ins einwöchige Papa-Bootcamp, in dem er sich beweisen muss. Glauben Sie, solche Filme können ein Stück weit die Gesellschaft verändern – oder sind sie umgekehrt eher das Abbild einer sich verändernden Gesellschaft?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Vermutlich beides. Ich glaube schon, dass Film oder auch Theater gesellschaftliche Strömungen aufgreifen oder Menschen einen Spiegel vorhalten können, was wiederum dazu führen kann, dass sich etwas bewegt. Eine Art Kreislauf.

„Durch Corona wurde beim Dreh vieles anders.“

Manche Veränderungen kommen ja auch unverhofft. Der Dreh fand schon während der Corona-Zeit statt.

Ja, im Januar letzten Jahres.

Hat sich dadurch sehr viel geändert am Set?

Es ist schon vieles anders. Wir wurden quasi rund um die Uhr immer wieder getestet – damals kamen, glaube ich, gerade die Schnelltests auf – zusätzlich ein- bis zweimal pro Woche gab es PCR-Tests. Auch liefen alle im Team plötzlich mit Masken herum, nur wir Schauspielerinnen und Schauspieler vor der Kamera konnten sie dann beim Drehen abnehmen, weil das ja wenig Sinn ergeben würde. Und dann hatten wir auch noch so einen Warnmelder, der sofort gepiept hat, wenn die Luftqualität zu schlecht wurde, ganz egal, ob wir gerade mitten in der Szene waren oder nicht. In kleinen Räumen wie dem Badezimmer konnte das sehr schnell passieren, da mussten wir dann alle paar Minuten die Fenster aufreißen und gut durchlüften. (lacht) Da waren die Außendrehs deutlich einfacher.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Immerhin sind auf diese Weise überhaupt Drehs möglich.

Ja, die Branche hat die Maßnahmen großartig umgesetzt, sodass wieder viel gedreht werden kann, dafür bin ich dankbar. Ich bekomme mitunter mit, dass Figuren aus Produktionen gestrichen werden müssen, um den Aufwand zu minimieren, was natürlich die Chancen senkt, an Rollen zu kommen – es ist eben keine einfache Zeit für uns alle.

Sie kommen ja ursprünglich vom Theater, da ging phasenweise sogar gar nichts mehr.

Allerdings! Dort wurde zwar bald wieder geprobt und vorproduziert, aber es ist schon schade, dass man dann, wenn überhaupt, nur vor halbleeren Häusern spielen darf. Als ich zum Fernsehen gewechselt bin, gab es Stimmen, die meinten: „Wie kannst du nur?“ Theater sei doch die eigentliche Kunst. Aber momentan bin ich wirklich froh darüber, wie es für mich gekommen ist.

„Ich hoffe immer auf gute Drehbücher“

Auch schon mit der Schauspielerei an sich – die zum Beruf zu machen, war ja zunächst gar nicht Ihre eigene Idee, sondern die Ihrer Mutter.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Richtig. Sie ist mit uns Kindern immer mal wieder in die Philharmonie, ins Kindertheater oder die Kinderoper gegangen, und brachte mich überhaupt erst auf den Gedanken, dass Schauspielerei mehr ist als eine Theater-AG an der Schule. Dass ich damit auch meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Sie meinte, sie könne sich mich in dem Beruf gut vorstellen.

Eher ungewöhnlich, die meisten Eltern wünschen sich für ihre Kinder ja doch eher „was Sicheres“.

Bei meinem Papa war das, glaube ich, auch so, der hatte sicher ein paar schlaflose Nächte. (lacht) Ich habe mich dann auch erst mal rangetastet, Praktika am Theater gemacht, Gespräche gesucht, in denen mir dann Mut zugesprochen wurde, mich doch mal an Schauspielschulen zu bewerben. Dort traf ich dann auch auf Menschen, die diesbezüglich ganz anders drauf waren, für die es gar keine Alternative zum Schauspielberuf gab. Ich war da vorerst offener und hätte mir auch etwas anderes vorstellen können, zum Beispiel einen Beruf im medizinischen Bereich. Und dann ging alles doch recht schnell, und ich wurde glücklicherweise angenommen.

Vielleicht, weil sie genau die richtige Lässigkeit mitgebracht haben.

Wer weiß, ja … Und mittlerweile kann ich mir auch nichts anderes mehr vorstellen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gibt’s denn noch die Traumrolle, auf die Sie hoffen?

Ich hoffe immer auf gute Drehbücher! (lacht) Ansonsten bin ich einfach sehr glücklich und dankbar dafür, dass ich immer wieder reizvolle Rollen angeboten bekomme und das Ganze mit dem Mamasein für meinen fünfjährigen Sohn unter einen Hut bekomme.

RND/Teleschau

Mehr aus Medien

 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.