Niedergeschossener Kriminalreporter in Amsterdam: Wer ist Peter R. de Vries?

  • Bei einem Anschlag in Amsterdam ist der Kriminalreporter Peter R. de Vries schwer verletzt worden.
  • Der 64-Jährige kämpft um sein Leben.
  • Wer ist der Mann, um dessen Zustand viele Menschen zittern?
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Amsterdam. Der prominente niederländische Kriminalreporter Peter R. de Vries ist beim Verlassen eines TV-Studios auf der Straße niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Er sei mit einem Kopfschuss ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei mit. Der Mordanschlag auf den bekannten Journalisten hat für Entsetzen gesorgt. Doch wer ist der Mann, um dessen Leben Menschen in ganz Europa bangen?

De Vries ist Experte für Kriminalität

De Vries gilt als Experte auf dem Feld der organisierten Kriminalität. Der 64-Jährige begann seine Karriere direkt nach der Schule und dem Militärdienst bei der Zeitung „De Telegraaf“ in Den Haag. Dort entdeckte er sein Faible für den Kriminaljournalismus. International bekannt wurde der Reporter 1987 mit seinem Bestseller über die Entführung des Bierbrauers Freddy Heineken. Im Laufe der Jahre schrieb der Journalist weitere True-Crime-Bücher.

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„Anschlag auf freien Journalismus“: Kriminalreporter in Amsterdam niedergeschossen
1:26 min
Der bekannte Kriminaljournalist Peter R. de Vries wurde am Dienstag im Zentrum von Amsterdam durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt.  © Reuters

Auftritt als Dragqueen

Nachdem er für die mittlerweile eingestellte Wochenzeitung „Aktueel“ arbeitete, präsentierte de Vries von 1995 bis 2012 seine eigene Krimisendung im Fernsehen. Darin stellte er bekannte Kriminalfälle vor. 2008 gewann de Vries einen Emmy Award für seine Reportagen über den Fall von Natalee Holloway. Die Amerikanerin war 2005 auf Aruba verschwunden und vermutlich von einem Niederländer getötet worden.

Auf der Social-Media-Plattform Twitter folgen mehr als 300.000 User dem Reporter. Zudem ist de Vries immer wieder Gast in TV-Shows. Mitte Mai 2021 nahm der Journalist als Dragqueen an einem Format des niederländischen Fernsehsenders RTL4 teil. Außerdem tritt er regelmäßig als Sprecher von Opfern oder Zeugen bei Prozessen auf.

Peter R. de Vries ist Vertrauensperson des Kronzeugen Nabil B. im Prozess gegen die Marengo-Bande. Seit Mitte März läuft in Amsterdam das Hauptverfahren in dem Mordprozess, der zu einem der größten in der Justizgeschichte der Niederlande gehört. Der Prozess findet im Hochsicherheitsgefängnis De Bunker statt. © Quelle: imago images/ANP

Derzeit ist der 64-Jährige die Vertrauensperson des Kronzeugen Nabil B. im Prozess gegen die Marengo-Bande. Seit Mitte März läuft in Amsterdam das Hauptverfahren in dem Mordprozess, der zu einem der größten in der Justizgeschichte der Niederlande gehört. 16 mutmaßliche Mitglieder einer Bande der Rotterdamer Drogenmafia müssen sich unter anderem wegen sechsfachen Mordes und mehrerer Mordversuche verantworten. Hauptverdächtiger ist der 43 Jahre alte Ridouan Taghi.

Zwei Verdächtige

Beim Mordanschlag auf Peter R. de Vries verdächtigt die Polizei derweil zwei Männer. Es gehe um einen 35-jährigen Mann mit polnischer Staatsangehörigkeit aus dem Ort Maurik im Südosten des Landes sowie einen 21-Jährigen aus Rotterdam, wie die Amsterdamer Polizei am Mittwoch mitteilte. Ein am Dienstagabend festgenommener Mann wurde freigelassen. Er habe nichts mit der Tat zu tun.

Nicht nur in den Niederlanden hat der Anschlag auf den Reporter für Entsetzen gesorgt. Die Bundesregierung hat den Mordanschlag auf das Schärfste verurteilt. Die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz sprach am Mittwoch in Berlin von einem „hinterhältigen Anschlag“. Wenn sich bestätige, dass de Vries aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit angegriffen worden sei, sei dies ein klarer Angriff auf die Pressefreiheit. „Das ist inakzeptabel.“

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Schock bei Politik und Königshaus

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sprach in der Nacht zu Mittwoch ebenfalls von einem „Anschlag auf den freien Journalismus“. Das niederländische Königspaar reagierte „tief geschockt“. „Journalisten müssen ohne Bedrohung und frei ihre wichtige Arbeit tun können“, schreiben König Willem-Alexander und seine Frau Máxima auf Facebook.

Niederländische TV-Sender berichteten in Sondersendungen über die Tat. Premierminister Mark Rutte und Justizminister Ferd Grapperhaus waren mit der Antiterrorismusbehörde zusammengekommen. Auch Politiker mehrerer Parteien und Journalistenverbände reagierten entsetzt.

RND/max/dpa

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