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Panagiota Petridou: „Ich habe Schlaf­anzüge, die mein Bruder vor 30 Jahren schon trug“

In der neuen RTL-II-Sendung „Die Retourenjäger“ moderiert Panagiota Petridou die Versteigerung zurückgesandter Onlineartikel.

Sie ist die bekannteste Auto­mobil­verkäuferin Deutschlands: Über zehn Jahre motzte Panagiota Petridou in der Vox-Doku „Biete Rostlaube, suche Traumauto“ Gebrauchtwagen kostengünstig auf, um sie anschließend gewinn­bringend zu verkaufen und mit dem Erlös ein neues Auto für ihren Auftrag­geber oder ihre Auftrag­geberin zu erwerben. Mitte Januar ging das Format nach 15 Staffeln und 127 Folgen zu Ende, doch der zugrunde­liegende Nachhaltig­keits­charakter treibt die Tochter griechischer Einwanderer weiter um: Am Mittwoch, 16. Februar (20.15 Uhr), startet die neue Doku „Die Retourenjäger“ auf RTL II. In vier Folgen sollen fünf Händlerinnen und Händler unbekannte Waren ersteigern. Bei den angebotenen Produkten handelt es sich um Retouren aus dem Onlinehandel. Wie skurril die zustande gekommenen Deals mitunter waren, verrät die 42-Jährige im Interview.

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Wann haben Sie zuletzt einen Artikel online bestellt?

Das ist eine gute Frage … Was habe ich online bestellt? (überlegt) Ich bin gar nicht so die Online­bestellerin, weil ich hier sehr vieles direkt um mich herum in meiner Umgebung habe. Aber manchmal, wenn ich zum Beispiel Klamotten brauche, dann bestell ich schon online. Gerade jetzt, in Corona-Zeiten, ist es häufiger der Fall. Eigentlich liebe ich es aber, mich inspirieren zu lassen, wenn ich irgendwo bin: Ich muss die Sachen sehen und anfassen können, denn fünf Größen und drei Farben auf einmal zu bestellen mag ich nicht. Zum Glück habe ich mich seit 20 Jahren körperlich nicht verändert, sodass mir meistens noch dieselbe Größe passt (lacht).

Würden Sie Shopping als ein Erlebnis bezeichnen?

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Ja, ich bin da ein bisschen altmodisch. Am liebsten gehe ich im Ausland shoppen, weil ich da über Märkte gehen und Klamotten angucken kann, die es hier in Deutschland nicht unbedingt gibt. Irgendwann hat man viele Sachen auch einfach zu Hause. Ich horte gerne und schmeiß nicht alles weg, weil die meisten Sachen irgendwann wieder modern sind. Wir sind drei Geschwister, wissen Sie, das heißt, wir vererben Sachen auch immer weiter: Ich habe Schlafanzüge, die mein Bruder vor 30 Jahren schon trug.

„Wir mussten viel lachen, weil jemand sehr viel Geld für Hunderte Kilo Käse zahlte“

Wenn Sie online bestellt haben, was hat Sie zu Ihren Retouren bewegt?

Manchmal denkt man sich: Wow, das ist ein total schönes orange­rotes Kleid! Das passt perfekt zu meinen Schuhen! Und dann kommt es an und sieht braun aus. Ich glaube, das hat jeder einmal erlebt. Deswegen bin ich persönlich auch nicht so der mega Onlineshopper. Denn wenn etwas nicht passt, dann musst du es natürlich zurück­bringen. Das kann dann aber nicht an der gleichen Poststelle zurück­gegeben werden, sondern muss zu einer anderen, die aber nur bis 14 Uhr geöffnet ist. Also fährt das Paket am Ende 14 Tage im Auto mit, bis die Rück­gabe­frist überschritten ist … Wobei, manchmal sind die falschen Artikel dann auch einfach eine gute Geschenkidee für jemand anders.

Bei „Die Retourenjäger“ ersteigern fünf Händlerinnen und Händler ganze Paletten mit zurück­gesandter Ware, die sie nicht näher kennen. Welcher der dabei zustande gekommenen Deals ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben und warum?

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Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es waren manchmal so lustige Sachen dabei, bei denen du dich fragst: Wer produziert das? Aber noch interessanter ist: Wer zur Hölle kauft denn das? Es waren so ulkige Waren, bei denen du dich oft genug fragst: Was ist das? Selbst die Händlerinnen und Händler wussten manchmal, nachdem sie etwas ersteigert haben, nicht, was das für Produkte sind. Wir mussten sehr viel lachen, weil jemand sehr viel Geld für Hunderte Kilo Käse zahlte. Aber es gab natürlich auch Sachen, die sehr interessant waren und mit denen man gut Geld verdienen konnte: zum Beispiel Kosmetik, Duschgels, Gießkannen, Lampen oder batterie­betriebene Alltags­objekte … Also, es waren alltägliche Sachen drin, aber auch sehr skurrile.

„Keiner schickt so viele Sachen zurück wie wir Deutsche“

Welche Produkte werden am häufigsten zurück­geschickt?

Tatsächlich wird alles zurück­geschickt. Deutschland ist Retouren­welt­meister: Keiner schickt so viele Sachen zurück wie wir Deutschen. Das ist natürlich eine sehr traurige Statistik. Wir werden ständig gelockt mit 100 Tagen Rück­gabe­recht oder kostenlosem Rück­versand. Das heißt, es wird dem End­konsumenten auch sehr leicht gemacht, Produkte unbedacht zu kaufen und anschließend zurück­zu­senden. Durch die Sendung wollen wir die Menschen auch ein bisschen für das Thema sensibilisieren. Wir wollen schauen, wo diese Retouren eigentlich landen. Können wir in Zukunft vielleicht cleverer, nachhaltiger und bewusster online bestellen?

Warum ist Deutschland der Retouren­welt­meister?

Ich denke, dass wir Deutschen sehr bequem sind. Wir sind ein wirtschafts­starkes Land. Wenn wir irgendetwas wollen, können wir es mal eben schnell bestellen und es wird manchmal noch am selben Tag geliefert. Das heißt, wir sind wahnsinnig gewöhnt an Schnelligkeit und an Verfügbarkeit. Es gibt Leute, die sich mal eben ein Glas Honig online bestellen, obwohl sie selbst jeden Tag im Supermarkt sind. Das ist natürlich auch für den Einzel­handel und für regionale Händler sehr, sehr bitter und traurig.

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Wobei man sich inzwischen auch im Supermarkt online bestellen und heimliefern lassen kann

Ganz genau! Es ist natürlich coronabedingt zu einem Riesenboom geworden. Denn alle Leute, die in Quarantäne sind oder Angst haben rauszugehen, müssen ja darauf zurückgreifen. Allerdings appelliere ich dazu, bei jedem Onlinekauf darüber nachzudenken: Ist das wirklich nötig, oder kann ich mir das vielleicht auch mitbringen lassen, wenn der Nachbar einkaufen geht? Oder kann ich vielleicht auch mal fünf Packungen zu Hause haben, anstatt fünfmal loszugehen? Aber es gibt noch mehr Probleme: Ich bestelle meine Zahnpasta zum Beispiel immer ohne Fluorid. Die ist im Einzelhandel schwierig zu bekommen. Also muss ich sie online bestellen. Kürzlich sah ich ein Angebot, dass ich mir die Zahnpasta als Abo bestellen könnte: Da bekäme ich dann jeden Monat eine Packung zugeschickt. Wer macht das? Man kann sich doch auch einfach mal zehn Packungen auf einmal bestellen. Die Tatsache, dass das monatliche Abo günstiger wäre, finde ich das absolut falsche Signal!

„Ich hoffe, dass wir in Zukunft gerne wieder zum Tante-Emma-Laden gehen“

Wie könnte man diesen Trend zum Onlinehandel nach der Pandemie wieder ein Stück umkehren?

Ich glaube, die Leute müssen sich der Probleme des Onlinehandels erst einmal bewusst werden. Ich hoffe, dass wir in Zukunft, wenn die Pandemie ein wenig eingeschränkt ist, auch gerne wieder zum Tante-Emma-Laden gehen und gerne regional beim Bauern unser Gemüse kaufen und dass wir uns freuen, anstatt online einzukaufen, Arm-in-Arm mit der Freundin shoppen zu gehen und die Sachen ohne Masken anzuprobieren. Denn ich glaube, wenn wir freier leben, dann gehen wir auch freier mit Waren um.

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Sie standen auch jahrelang für „Biete Rostlaube, suche Traumauto“ vor der Kamera. In der im Januar zu Ende gegangenen Dokusoap motzten Sie Gebraucht­wagen kosten­günstig auf. Wie wichtig ist Ihnen das Thema Nach­haltig­keit oder Lang­lebig­keit privat?

Nachhaltigkeit und Langlebigkeit sind Themen, die für mich auch privat eine Rolle spielen. Ob beim Auto oder im Alltag, die richtige Balance ist wichtig.

Seit Dezember regiert die Partei Bündnis 90/Die Grünen auf Bundes­ebene mit. Welche Wünsche haben Sie im Hinblick auf Nachhaltigkeit an die Politik?

Ich hoffe, dass wir mehr Förder­programme bekommen, um zum Beispiel Häuser nachhaltiger zu heizen, und dass wir günstigere Photo­voltaik­technologien bekommen. Die ganze Elektro­mobilität im Fahr­zeug­handel finde ich sehr vorbildlich. Nun müssen wir noch das Streckennetz weiter ausbauen. Außerdem müssten Elektro­fahr­zeuge günstiger werden. Andere wie zum Beispiel Skandinavien oder Holland vergeben riesige Förderprämien. Ein vergleichbares Modell wünsche ich mir von unserer neuen Regierung.

Über das Ende von „Biete Rostlaube, suche Traumauto“

Rund um den Jahres­wechsel 2021/2022 wurden die letzten Folgen „Biete Rostlaube, suche Traumauto“ ausgestrahlt. Warum wurde das Format nicht verlängert?

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Wir haben das elf Jahre lang gemacht. Wir hatten eine schöne Doppelfolge und ein Sommer­special, doch irgendwann war diese Geschichte auch ein bisschen auserzählt. Wir wollten die Show nie verändern, weil sie immer erfolgreich lief. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich sagte: Ich will jetzt auch mal wieder was anderes machen! Auch der Sender sagte: Wir haben die Sendung jetzt so lange gemacht, sie war immer gleich und wurde von so vielen anderen Sendern adaptiert. Vor zehn Jahren war die Geschichte neu, aber mittlerweile ist es – ähnlich wie die „Lindenstraße“ – einfach auserzählt.

Was ist Ihr Lieblings­moment aus den letzten elf Jahren?

Der beste Moment war natürlich immer dann, wenn die Leute entspannt wurden, weil es wirklich ein Auto gab. Denn in der ersten Zeit gibt es keine Informationen für den Rost­lauben­besitzer, ob der Verkauf gut läuft oder wie es enden wird. Somit war dieser letzte Moment einfach immer unglaublich emotional. Ich bekomme heute noch ganz viele Postkarten, wenn die Leute mit ihren neuen Autos in den Urlaub fahren. Andere bedanken sich über Social Media und schreiben: „Vielen Dank! Wir haben inzwischen ein Kind bekommen, und das Auto fährt immer noch.“ Das ist natürlich schön!

„Aufs Auto wird nicht verzichtet“

Glauben Sie, dass solche Formate, bei denen Autos im Zentrum stehen, in Zukunft überhaupt noch produziert werden?

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Ich weiß es nicht. Ich glaube, das Thema Auto ist mindestens so interessant wie der Onlinehandel in Deutschland. Fast jeder hat ein Auto, viele haben sogar zwei oder drei mittlerweile. Aufs Auto wird nicht verzichtet. Der Deutsche wäscht es auch sehr gerne, er pflegt es sehr gut. Es ist immer noch ein Statussymbol. Ich glaube, solange es Autos gibt, wird es auch Sendungen drumherum geben.

Also wird es nicht aussterben?

Nein. Jeder braucht ein Auto, gerne auch mehrere!

RND/Teleschau

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