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„Only Murders in The Building“: Drei Podcaster gehen bei Disney+ auf Mörderjagd

  • Popstar Selena Gomez geht in der Disney+-Serie „Only Murders in the Building“ (ab 31. August) mit Steve Martin und Martin Short auf Mörderjagd.
  • Gemeinsam will das Trio mit seiner Detektivarbeit einen True-Crime-Podcast-Hit landen.
  • Der Weg zum Erfolg ist kein leichter, ergibt aber eine der vergnüglichsten Serien des Streamingjahres 2021.
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Drei Helden hat die Serie „Only Murders in the Building“, und eins gleich vorweg: Man wird sie lieben – also die Serie und ihre Helden. In der ersten Szene flüchten die älteren Herrschaften Charles (Steve Martin) und Oliver (Martin Short) zu schnell für ihre Jahre und „Mein Gott! Mein Gott!” schreiend über eine Hintertreppe, während Mabel (Selena Gomez) mit blutbeflecktem Oberteil vor einem Toten kniet und uns anspricht: „Es ist nicht, was Sie denken.“ Ist es nie, und wir denken auch noch gar nichts. Ehrlich.

Dann wird die Uhr zwei Monate zurückgestellt: Drei Leute finden zusammen, die nichts gemein haben, außer dass sie das Arconia bewohnen, ein klassisches Apartmentgebäude in New York. Der Neunzigerjahre-Krimiserienstar Charles Hayden-Savage (Martin) wird auf der Straße längst nur noch von jungen Leuten angesprochen, die in ihm den Lieblingsstar ihres inzwischen leider dementen Vaters erkennen (weswegen sein eilfertiges Autogrammangebot denn auch prompt als unnötig zurückgewiesen wird).

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Musicalregisseur Oliver ist ein Floplieferant

Der Theaterregisseur Oliver Putnam (Short) ist eine Art Ed Wood der Musicalszene, hat seinen nach langer Loyalität abholden Gönnern noch nie mehr liefern können als denkwürdige Flops (im Swimmingpool von „Splash!“ etwa fehlte bei der Premiere das Wasser, weswegen die Sprünge des Ensembles eher nach „Splack!“ klangen, wie Zeitungen in ihren Überschriften vermerkten), und er steht kurz vor dem Rauswurf, weil er seit acht Monaten mit der Miete im Rückstand liegt.

Die Zeichnerin (und unsere Erzählerin) Mabel Moro (Gomez) schließlich bewohnt im Arconia derzeit die Wohnung ihrer toten Tante, wo sie seit ihrer Kindheit stets zwei Ferienwochen verbrachte und Freunde fand, mit denen sie bis in die Teenagerjahre den „Hardy Boys“ nacheiferte, den Helden einer beliebten US-Jugendkrimireihe, die zwischen den Zwanziger- und Siebzigerjahren entstand.

In dem Haus nun liegt ein toter junger Mann in seinem Blut. Und weil sich alle drei im Aufzug als Fans des True-Crime-Podcasts „All Is Not OK in Oklahoma“ outen, glauben sie, gemeinsam mit einem eigenen Produkt namens „Only Murders in the Building“ einen Publikumshit landen zu können. Denn – Traum eines jeden True-Crime-Podcasters – sie sind frisch vom Mord weg an der Geschichte dran.

Rätselhafter Kapuzenmann im Treppenhaus

Während die Polizei den Fall schnell als Selbstmord ad acta legt, haben die Podcast-Senioren und ihre junge Kollegin einen Kapuzenmann treppauf gehen sehen, als alle Bewohner eines Feueralarms wegen auf die Straße strömten. Danach war Tim Kono (Julian Cihi) tot, der, wie sich herausstellt, bei den Bewohnern des Arconia über alle Maßen unbeliebt war.

Fortan vergnügt man sich an den Versuchen des frischgebackenen Medientrios, seine Sendung technisch und finanziell zu stemmen, als Amateurdetektive genug Inhalt zu generieren und gegenseitige Abneigungen in den Griff zu bekommen. Das hätte wahrscheinlich schon als Klamauk eine der unterhaltsamsten Serien des Jahres abgegeben.

Ruckediguh – Blut klebt am Schuh!

Aber „Only Murders …“ hat mehr zu bieten als eine für den Podcast anberaumte Mieterversammlung „in memoriam Tim Kono“, deren Teilnehmer den in derselben Nacht erfolgten Tod der Katze Evelyn ihres untröstlichen Mitbewohners Howard weit mehr bedauern. Oder eine nächtliche Beweissuche in der Wohnung des mutmaßlichen Mordopfers, in der die Helden anhand ihrer merkwürdigen Schuhgeräusche feststellen müssen, dass das viele Blut des Toten noch nicht weggewischt wurde.

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„Only Murders …“ ist auch eine große Komödie: Die Autoren Steve Martin und John Hoffman („Grace & Frankie“) erzählen darin die tragikomische Geschichte der großstädtischen Einsamkeiten, des Fremdbleibens in der Masse. Oliver lächelt sich die Verzweiflung über ein lebenslanges Versagen und die näher rückende Obdachlosigkeit sowie das Weigern aller alten Anlaufstellen, ihn noch zu unterstützen, mit scheinbar unverzagtem Optimismus vom Leib. Charles redet in einem fort in Dialogzeilen seines einstigen Krimihits „Brazzos“, wohl um noch ein leises Echo seiner „glory days“ zu hören. Er kommt nie zu den Partys im Haus, schickt stattdessen Autogrammkarten, weshalb Oliver vermutet (zu recht, wie sich bald herausstellt), Charles sei noch unbeliebter im Block als der Ermordete.

Allmählich enthüllt sich dem Zuschauer Mabels Geheimnis

Und Mabel hegt ein trauriges Geheimnis, das sie in eine ganz besondere Beziehung zu dem Fall setzt, ein Geheimnis, das sich den Zuschauern allmählich enthüllt, während Mabels Co-Podcaster auch diesbezüglich erst einmal im Dunkeln tappen. Selena Gomez, in erster Linie als Sängerin bekannt, und wie Martin und Short eine der ausführenden Produzentinnen und Produzenten von „Only Murders …“, ist in ihrer ersten Serienrolle seit „Die Zauberer vom Waverly Place“ (2007–2012) ihren männlichen Kollegen ebenbürtig.

Statt Schablonen sind hier gut entwickelte Charaktere zu sehen. Für Steve Martins Charles bahnt sich sogar eine Romanze an. Als er zögert, schubst ihn Mabel mit einem forschen „Ach ja, 70 ist das neue 40“ aus den Zweifeln in die Liebe.

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„Only Murders …“ ist Krimi- und Medienparodie, nimmt aber den zu examinierenden Todesfall so ernst, dass die Serie sich auch der Abteilung „Krimi“ zuschlagen lässt. Darin ist es so verblüffend doppelbödig wie „Jane, The Virgin“, die hinreißende Parodie auf die Daily-Soap-Welt, die aufs Köstlichste mit den Stilmitteln des Genres spielte. Oder die Komödie „Galaxy Quest“, die sich über Science-Fiction-Serien und ihre Besetzung lustig machte und zugleich ein vortrefflicher Science-Fiction-Film war.

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Unter Mordverdacht: Popstar Sting spielt sich selbst

Es gibt immer wieder hübsche Gimmicks – belebten Zeichentrick oder Auftritte kultiger Cartoonfiguren. Der überraschendste Gast: Sting spielt sich selbst, eine Popikone, die zurückgezogen im Arconia lebt, bis ihm die hausinterne Sherlock-Reserve auf die Pelle rückt.

„Ist das der Typ von U2“, blufft Mabel, um dann mit Fachwissen aufzuklären, dass der Police-Song „Every Breath You Take“ eben nicht „einer der größten Liebeslieder aller Zeiten“ ist, wie Oliver behauptet, sondern eher das Gegenteil. Jedenfalls: Sting könnte Tim umgebracht haben, Grund genug hätte er gehabt.

Ein Comeback für Steve Martin als Autor und Darsteller

Steve Martin hat man länger nicht mehr so richtig wahrgenommen. Aber es gibt so einiges aus seinem Oeuvre, womit er heute noch zu erheitern vermag. Natürlich mit Carl Reiners auch mit der formal umwerfenden Film-noir-Hommage „Tote tragen keine Karos“ (1982) an der Seite eingeschnittener Hollywoodlegenden wie Bogart, Cagney und Ava Gardner, mit der Cyrano-Parodie „Roxanne” (1987) oder mit „Bowfingers große Nummer“ (1999), wo er den erfolglosesten Filmproduzenten Amerikas spielte (also quasi eine Variante der Martin-Rolle in „Only Murders …“).

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„Der rosarote Panther 2“, das Reboot-Sequel von Blake Edwards’ klassischem Räuber-und-Gendarm-Spaß, war 2009 das letzte, was Martin vor „Only Murders …“ geschrieben hat (und war um Längen vergnüglicher gewesen als der erste Teil). Fällt Ihnen sonst noch was ein?

„Die nackte Kanone“? Nicht Ihr Ernst! Sorry, aber das war der andere weißhaarige Witzbold – Leslie Nielsen.

„Only Murders in the Building“, zehn Episoden, von Steve Martin und John Hoffman, mit Steve Martin, Selena Gomez, Martin Short (ab 31. August bei Disney+)

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