Nicole Ernst über ARD-Telenovela „Rote Rosen“: „Große Träume, große Gefühle“

  • Nicole Ernst ist die neue Hauptdarstellerin in der ARD-Serie „Rote Rosen“.
  • Im Interview spricht sie über ihr Talent für Dialekte, die Besonderheiten des Genres und das Erfolgsrezept der Telenovela.
  • „Die Zuschauerinnen und Zuschauer wollen mitfühlen. Sie wollen sich freuen, aber auch mitleiden“, sagt Ernst.
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Eingefleischte Fans werden sich noch an sie erinnern: 2015 spielte Nicole Ernst schon einmal eine Episodenrolle in der ARD-Daily „Rote Rosen“. Als Kunstexpertin Nicole Grote machte sie dabei vor allem Gunter Flickenschild (Hermann Toelcke) und Justus Hillebrand (Norman Kalle) das Leben schwer. Nun kehrt die inzwischen 49-Jährige in einer neuen Funktion ans Lüneburger Set zurück: In der 19. Staffel (ab Dienstag, 19. Oktober, montags bis freitags um 14.10 Uhr im Ersten) spielt sie die Hauptrolle Katrin Zeese, die nach sieben Jahren aus dem Koma erwacht und feststellen muss, wie viel sich um sie herum verändert hat. Im Interview erinnert sich die gebürtige Bielefelderin, wie es war, nach sechs Jahren zurück ans Set zu kommen. Und sie plaudert über ihre Lieblingsserien und ihren im kommenden Jahr anstehenden 50. Geburtstag.

Laut einer Castingseite sprechen Sie 14 Akzente und zehn Dialekte. Das ist erstaunlich...

Ich selbst hätte das nie Akzent oder Dialekt genannt. Sondern ich hätte eher gesagt: Ich kann Sprachfärbungen anbieten. Diese Option gibt es aber auf den Plattformen nicht. Ich gab meine Fähigkeiten dann so im Rahmen der Möglichkeiten an, weil ich dachte: Es wäre doch wirklich sehr schade, wenn mir ein Drehbuch oder eine Rolle deswegen nicht angeboten würde. Allerdings behaupte ich persönlich nicht von mir, dass ich zum Beispiel wirklich einen bayerischen Dialekt sprechen kann.

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Sie sind also nicht so sprachbegabt, wie es auf den ersten Blick scheint?

Es gibt eine gewisse Begabung, aber es handelt sich eben nicht um komplexe Dialekte, die ich sprechen kann. Ehrlich gesagt, war ich selbst ein bisschen erschrocken, als ich das dann gedruckt sah (lacht). Es gibt ein paar Sachen, die krieg ich schon hin: Bei der „SOKO Wismar“ zum Beispiel spreche ich meine Figur mit einem leicht nordischen Einschlag. Aber ich habe zu großen Respekt vor der Sprache, als dass ich mir anmaßen würde zu behaupten, ich könne Dialekte, geschweige denn so viele, sprechen.

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Werden Sie der Katrin bei „Rote Rosen“ einen Dialekt verleihen?

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Nein.

Über das Genre und seine Besonderheiten

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Katrins Einstieg bei „Rote Rosen“ verläuft äußerst turbulent: Sie erwacht nach sieben Jahren aus dem Koma, ihr Mann ist inzwischen mit ihrer besten Freundin liiert, und das Familienhaus ist abgebrannt. Ist das nicht etwas viel Drama auf einmal?

Wir sind ja nicht beim Dokumentarfilm (lacht)! Natürlich ist es viel. Aber eine gewisse Portion Dramatik braucht dieses Genre ja auch.

Wie viel Bezug zur Realität muss ein Format wie „Rote Rosen“ haben: Gibt es Unterschiede zu anderen Genres aus dem fiktionalen Bereich?

Ich glaube schon, dass es einen Unterschied gibt. Der Realitätsbezug eines Formates wie „Rote Rosen“ liegt darin, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer emotional mit den Figuren mitgehen können. Genau das meinte ich, als ich sagte: „Wir machen ja keinen Dokumentarfilm.“ Bei Dokumentationen oder auch komplexen Spielfilmen wird sehr viel genauer geguckt: Wie verhalten sich Figuren? Woher kommen sie? Was passiert? Und was ist reell und möglich? Unser Format ist – zumindest äußerlich betrachtet – eher an ein Märchen angelehnt: Die Figuren haben große Träume. Es gibt große Gefühle. Dennoch glaube ich, dass das, was sich zum Publikum transportiert, das Wichtige ist: Die Zuschauerinnen und Zuschauer wollen mitfühlen. Sie wollen sich freuen, aber auch mitleiden. Im Moment des Zuschauens ist das ihre Realität.

Welches Genre bevorzugen Sie privat als Zuschauerin?

Aktuell habe ich gar keine Zeit, fernzusehen (lacht). Tatsächlich bin ich aber ein sehr großer Fan von gut gemachtem Drama: Ich liebe diese skandinavischen Serien, zum Beispiel „Die Brücke“ oder „Kommissarin Lund“. Ich war in diesem Sog der Serie, dann war sie plötzlich zu Ende, und ich dachte: „Oh Gott, was mach ich jetzt?“ Glücklicherweise hat genau diese dänische Produktion, die Regie und die Autoren, dann eine Koproduktion mit dem ZDF und ARTE gemacht, in der mir eine Rolle angeboten wurde. Dazu bekam ich sieben Bücher geschickt. Ich las das und dachte: „Großartig, das ist genauso gut! Die gleiche Tiefe und die gleiche Brisanz und so tolle Figuren ...“ Die Rolle habe ich natürlich angenommen. Ansonsten schau ich aber auch sehr gerne Historiendramen wie „Downton Abbey“, „The Crown“ und andere.

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Über die Rückkehr ans Set und die Schönheiten von Lüneburg

Die Rolle der Katrin ist nicht ihr erstes Engagement bei „Rote Rosen“: Bereits 2015, in der elften Staffel, waren Sie in einigen Folgen in der Rolle der Kunstexpertin Nicole Grote zu sehen. Wie fühlt es sich an, nach sechs Jahren an das Set zurückzukehren?

Super! Großartig! Natürlich hatten es die Kolleginnen und Kollegen in der Zwischenzeit mit vielen Gesichtern zu tun: Es gibt viele, die so wie ich damals nur eine Episodenrolle spielten, dann gibt es die Staffelhauptrollen ... Trotzdem hat sich der eine oder die andere noch an mich erinnert. Es war ganz süß, als sie zu mir kamen und sagten: „Hey, du warst du schon mal da!“ Das war ein schönes Wiedersehen.

Lüneburg kennen Sie ebenfalls von damals. Gibt es Lieblingsplätze, die Sie nun gerne wieder besuchen?

Hm, eigentlich hatte ich damals gar nicht so viel Zeit, um die Stadt zu entdecken. Aber es gab in der Tat in der Galerie auf meinem Handy ein Foto von einem Haus in der Einkaufsstraße Am Sande. Das ist so ein ganz markantes, schwarzes Kachelgebäude mit Giebeln. Das hat mich damals schon so beeindruckt, dass ich es fotografiert habe. Vor ein, zwei Jahren fand ich dieses Bild dann wieder und fragte mich: Wo war bloß dieses Haus? Als ich dann zum ersten Mal wieder durch Lüneburg ging, entdeckte ich: Hier war es! (lacht)

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Und dieses Haus ist nun einer ihrer Lieblingsplätze?

Na ja, mein Lieblingsplatz ist es nun nicht. Ich habe es eben wiedererkannt. Richtig schön finde ich den Kurpark mit dem Gradierwerk und den kleinen schönen Eckchen.

Normalerweise wohnen Sie in Berlin. Ist die Umstellung von der Großstadt auf die doch eher kleine Stadt groß?

Hm, nein. Ich bin in Bielefeld aufgewachsen. Während der Corona-Zeit, über die zwei Lockdowns, habe ich wieder längere Zeit am Stück bei meiner Familie dort verbracht. Da habe ich wieder erlebt, wie es ist, in einer etwas ruhigeren Stadt zu leben. Ich mag diese Gegensätze gerne: Ich genieße es, aus dieser lauten, irgendwie auch dreckigen Großstadt in so einen kleinen ruhigen Ort zu kommen. Dort fahre ich dann ein bisschen runter, bis ich es irgendwann wieder schön finde, zurück in die große Hauptstadt zu fahren, wo es summt und brummt und nicht alles so geordnet ist.

„Ich fand die 40 schon super“

Am 14. August feierten Sie Ihren 49. Geburtstag. Macht sich Ihr fortschreitendes Alter in den Rollenangeboten bemerkbar?

Nein, allerdings kann ich auch nur aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen. In diesem Format ist es zum Beispiel so, dass meistens zwei Frauen und ein Mann besetzt werden. Damit ist die Ausgangssituation schon ein bisschen anders als gemeinhin: Üblicherweise ist der Männeranteil größer als der der Frauen. In meiner Karriere hat sich das aber nicht so dargestellt. Es lief eigentlich immer relativ kontinuierlich weiter. Gerade im letzten Corona-Jahr hatte ich mit der „SOKO“ großes Glück. Generell ist das sicher ein Thema, und ich bin froh, dass es bei mir nicht so ist.

Machen Sie sich angesichts der sich nähernden 50 Gedanken?

Nö, gar nicht. Ich fand die 40 schon super! Ich nehme einfach jeden Tag so, wie er kommt.

RND/Teleschau

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