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Nicht nur Böhmermanns Erbin: Ariane Alter übernimmt den Sendeplatz des Satirikers

  • Moderatorin Ariane Alter zieht mit „Late Night Alter“ ins lineare Fernsehprogramm ein.
  • Zu sehen sein wird ihre Show auf dem früheren Sendeplatz von Jan Böhmermann.
  • Doch davon lässt die toughe 34-Jährige sich nicht aus der Ruhe bringen.
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Über ihren Nachnamen wurden viele Witze gemacht, doch auch Heiratsanträge hat sie dafür schon bekommen. „Ich kannte ihn 20 Sekunden, es war am Ende des Tages ein sehr netter junger Mann“, sagt Ariane Alter dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) über einen Verehrer. Geheiratet hat sie ihn nicht, sich über ihren Namen ärgern tut die Moderatorin auch nicht mehr. „Mit dem Namen wird man entweder stark oder man zerbricht“, findet die 34-Jährige – und hat sich für Ersteres entschieden. So spielt auch der Name ihrer ersten eigenen Late-Night-Show im linearen Fernsehen damit: „Late Night Alter“ heißt die Sendung, die ab diesem Donnerstag (29. Oktober) wöchentlich jeweils um 22.15 Uhr auf ZDF neo zu sehen ist.

Moment mal. Da lief doch sonst immer Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“. Der Satiriker ist allerdings mittlerweile ins ZDF-Hauptprogramm gewechselt und macht Platz für eine junge Moderatorin, die weiß, was sie will, und sich durch dieses Erbe nicht aus der Ruhe bringen lässt. Alter, die sich zuvor schon in Formaten abseits des linearen Fernsehens behauptet hat, zuletzt unter anderem in „Gute Nacht, Alter!“ bei Funk, sieht den Sendeplatz selbst eher „ein bisschen wie eine Wohnung“: „Irgendwo muss man ja wohnen.”

Alter: „Das ist ein toller Sendeplatz und das war’s“

Als Erbin – „im Sinne von: Ich trete in seine Fußstapfen“ – fühlt sie sich nicht, macht die 34-Jährige mit den platinblonden Haaren klar. „Ich mache da meine Sendung und das ist ein toller Sendeplatz und das war’s.“ Sie sei vor allem froh, dass in diese schöne „Wohnung“ jetzt eine Frau gezogen ist – und natürlich noch mehr darüber, dass sie es ist.

So habe sie zuletzt entsetzt die Debatte um ARD-Programmdirektor Volker Herres verfolgt, der in einem Interview auf die Frage nach einer Moderatorin für eine Samstagabendshow gesagt hatte, ihm falle derzeit kein Pendant etwa zu Kai Pflaume ein, „der mit seiner Empathie und Zugewandtheit so große Mehrheiten für sich begeistert“. Dazu sagt Alter: „Es ist 2020, es kann nicht wahr sein; dieser Mann ist ja auch nicht derartig alt, der ist ja nicht aus längst vergangenen Zeiten. Es hat mich sehr schockiert, dass 2020 ein mächtiger Mann tatsächlich so was noch sagt und sich im Nachhinein wahnsinnig schlecht davon distanziert.“ Mittlerweile hat Herres bekannt gegeben, sein Amt vorzeitig zum 30. April 2021 abzugeben.

Wird Fernsehen nur für 70-Jährige gemacht?

Über die Frage, welchen Frauen sie gern eine Samstagabendshow geben würde, muss die schlagfertige Moderatorin aber dann auch kurz nachdenken. „Ich hätte gern jemanden, der wie Helga Hahnemann ist, aber am besten jung, nicht dem Schönheitsideal entspricht, laut ist, und wenn es richtig hart läuft, vielleicht noch lesbisch“, beschreibt sie ihre Wunschvorstellung. Die existiert offenbar noch nicht. Stattdessen nennt Alter nach kurzem Nachdenken Autorin und Moderatorin Sophie Passmann und Journalistin und Moderatorin Eva Schulz, die sie gern mal im linearen TV sehen würde. „Nicht, weil linear besser ist als Mediathek oder Youtube. Aber ich fände es als Zeichen gut dafür, dass die junge Generation im Fernsehen nicht abgeschrieben wurde und nicht nur Fernsehen für 70-Jährige gemacht wird.“

So würde auch sie nicht Nein sagen, sollte ihr irgendwann mal eine Show im Hauptsender zur Primetime angeboten werden. „Ich weiß, dass mein Leben auch ohne die Primetime ein schönes wäre und dass die Community, die ich jetzt habe, nicht unbedingt Primetime sehen würde.“ Aber wenn sie die Möglichkeit bekommen würde, würde sie es definitiv machen: „Ich fände es wichtig, dass mehr Frauen in der Primetime sind neben all den Jörg Pilawas dieser Welt.“

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Ariane Alter schreckt vor Peinlichkeit nicht zurück

Einen ersten Schritt in die Richtung macht Alter mit ihrer neuen Late-Night-Show auf ZDF neo, für die angekündigt wird, dass sie „von Diversität und Genderthemen über Gentrifizierung bis zur Klimakrise“ gesellschaftspolitische, aber auch popkulturelle und boulevardeske Themen der 25- bis 39-Jährigen aufgreifen will. Neu ist das für die Berlinerin, die – wie sie selbst sagt – anfängt zu berlinern, wenn sie ironisch wird, nicht. Damit hat sie sich schließlich schon in „Gute Nacht, Alter“ beschäftigt. Außerdem moderiert sie die Funk-Sendung „Das schaffst du nie!“ – stellte unter anderem mit Kollege Sebastian Meinberg mit einer 72-stündigen Show einen Weltrekord auf –, die Sendung „Puls“ auf Youtube und „Satire Battle“ auf 3sat.

Im BR-Podcast „Im Namen der Hose“ zeigt die Moderatorin außerdem, dass sie auch vor vermeintlich peinlichen Themen nicht zurückschreckt – da spricht sie mit Kevin Ebert unter anderem über das Aussehen von Vulven, Penisverletzungen und die Suche nach der eigenen Sexualität. Nichts treibt ihr die Schamesröte ins Gesicht, denkt man. Kann man natürlich nicht sehen, weil es ein Podcast ist. Und stimmt offenbar auch nicht: „Es gibt schon einige Berührungsängste, nur überwinde ich die, weil ich glaube, dass es wichtig ist und vielen Leuten ihre Angst nimmt, über ihre eigene Sexualität zu reden, mal Nein zu sagen, und sich so zu nehmen, wie sie sind“, erklärt Alter. Aus dem Grund hat offen über Sex und Sexualität zu reden für sie auch viel mit Feminismus zu tun. „Ich werde schon oft rot, aber ich ziehe es dann eben durch, und außerdem trage ich gar nicht so wenig Make-up, da sieht man es dann gar nicht“, ergänzt sie noch ironisch.

RND

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