Nicht mehr als ein laues Frösteln: Jo Nesbøs Verfilmung „Schneemann“

  • Dunkle Seele gesucht:
  • ProSieben zeigt am Samstag den Serienkiller-Film „Schneemann“ nach Jo Nesbø.
  • Doch der Thriller bräuchte mehr als Stars, tolle Kamera und vielsagende Andeutungen, um eine richtige Eishölle zu bereiten.
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Raschen Schrittes durchquert eine junge Frau bei Nacht die winterlichen Straßen Oslos. Da trifft ein Schneeball ihre Schulter. Als sie sich daraufhin umdreht, wirkt sie weder ängstlich noch ärgerlich, sondern neugierig - und sogar so, als ob sie etwas Vertrautes wiedererkannt hätte. Sehr bald ergibt sich, dass dem nicht so ist. Sie gerät in die Fänge eines Serienkillers. „Schneemann“ (2017) ist eine Verfilmung des gleichnamigen Thrillers aus der Feder von Jo Nesbø. Waren die Bücher Welterfolge, haperte es mit deren Kinoumsetzung gewaltig, wovon sich die TV-Zuschauer bei ProSieben nun erneut überzeugen können.

Bei den ersten Schneefällen in Oslo verschwinden junge Frauen, die als zerstückelte Leichen wieder auftauchen. Der Mörder scheint sich für junge Mütter zu interessieren, die ihren Männern Kuckuckskinder unterschieben, und kommuniziert mit der Polizei über Schneemänner, die Kleidungsstücke der Ermordeten tragen.

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Unter großem Druck seiner Vorgesetzten soll Kommissar Harry Hole (Michael Fassbender) zusammen mit seiner neuen Kollegin Katrine Bratt (Rebecca Ferguson) den Täter möglichst rasch dingfest machen. Er vermutet, dass ein nicht gefasster Serienkiller vergangener Jahrzehnte wieder am Werk ist, und versenkt sich in alte Akten. Dabei kommt ihm der Verdacht, dass Katrine mehr als nur ein professionelles Interesse an dem Fall mitbringt ...

Besser beim Buch bleiben

Beginnend mit dem Schneeballwurf in dunkler Nacht schmeißt der Film mit Rätseln verschwenderisch um sich. Das zieht zunächst in den Bann. Die Erzählweise des renommierten Regisseurs Tomas Alfredson („Dame, König, As, Spion“) und seiner Drehbuchautoren ist lange behutsam, die Kamera unaufdringlich beunruhigend, der Geräuscheinsatz sehr wirkungsvoll.

Und doch geht das Kalkül nicht auf. Der Krimifan errät den Täter bereits sehr früh. Das ist schon bei Nesbø so. Aber sein Buch fesselt mit der dunklen Seele seines Personals, die er freilegt wie den weitaus größeren Teil eines Eisbergs, der sonst unter der Wasseroberfläche bleibt. Davor kneift der Film, der ohne echte Sensibilität für zentrale Themen der Vorlage irgendwann nur noch effektgetragen vor sich hin stolpert. „Schneemann“ geht in lauem Frösteln unter.

RND/Teleschau

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