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Neues Saarbrücken-Duo: “Den Zuschauer interessiert am ‘Tatort’ der Mord”

  • Die Schauspieler Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer bilden das neue Saarbrücker “Tatort”-Duo.
  • Am Ostermontag ermitteln sie als Kommissare Leo Hölzer und Adam Schürk in ihrem ersten Fall.
  • Im RND-Interview sprechen sie über ihr Kennenlernen und darüber, warum “Tatort”-Kommissare oft einen “psychischen Knacks” haben.
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Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer bilden das neue Saarbrücker “Tatort”-Duo. Als Kommissare Leo Hölzer und Adam Schürk ermitteln sie am Ostermontag (ARD, 20.15 Uhr) in ihrem ersten Fall “Das fleißige Lieschen”, der sie in das Geflecht einer Industriellenfamilie führt.

Der in Russland geborene Vladimir Burlakov (32) hat seit seinem Schauspielstudium einige große Rollen übernommen – unter anderem in “Im Angesicht der Verbrechens” und im Kinofilm “Scherbenpark”. Der bisher vor allem im Theater verortete Daniel Sträßer (32) gehörte unter anderem zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. Zuletzt wurde er für den Kinofilm “Exil” engagiert.

Wir führen das Interview per Skype statt persönlich. Was hat sich bei Ihnen im Leben als Schauspieler durch die Corona-Krise noch verändert?

Daniel Sträßer: Zum ersten Mal wurde eine Produktion, die ich begonnen habe, nicht zu Ende gedreht. Ich habe Anfang März in Köln angefangen, eine Komödie zu drehen, und vor zwei Wochen (Anmerkung der Redaktion: Mitte März) haben wir abgebrochen.

Vladimir Burlakov: Schauspieler sein ist einer der Berufe, bei dem Homeoffice keine Option ist. Wir können zurzeit nicht viel machen.

Wegen der Corona-Krise musste RND-Redakteurin Hannah Scheiwe (oben rechts) das Interview mit den neuen “Tatort”-Kommissaren Daniel Sträßer (links) und Vladimir Burlakov (rechts) per Skype führen. © Quelle: Screenshot/Skype
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Reden wir über den fertigen “Tatort: Das fleißige Lieschen”. Ihre beiden Kommissare verbindet eine Freundschaft aus Jugendtagen. Kannten Sie sich schon vorher?

Burlakov: Nein, wir kannten uns nicht. Wir sind uns das erste Mal vor dem Casting begegnet. Ich war aufgeregt, Daniel, glaube ich, auch, aber wir haben beide versucht, sehr cool zu sein. (lacht) Beim Casting haben wir gemerkt, wie gut wir zusammenarbeiten. Das ist nicht die Regel, beim Casting sofort mit einem Kollegen so toll zu funktionieren. Da haben wir uns kennen und lieben gelernt und sind gut befreundet.

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Sträßer: Das stimmt. Es macht Sinn, dass wir die “Tatort”-Kommissare geworden sind, weil die Chemie gestimmt hat.

Sie haben nun gemeinsam gedreht: Haben Sie da Macken beim anderen festgestellt?

Sträßer: Die Liebe ist so groß, dass man da sanftmütig drauf schaut. (lacht) Vladimir hat ein extrem hohes Energielevel. Er kann sich wahnsinnig reinsteigern in Dinge, während ich oft der ruhigere Part bin. Vielleicht ist Vladi auch manchmal von meiner Lethargie genervt.

Burlakov: Ja, unsere Figuren sind sehr unterschiedlich, was die Mentalstruktur anbelangt, und wir auch. Aber im “Tatort” ist es genau entgegengesetzt, da ist Leo Hölzer, meine Figur, der ruhige, und Adam ist impulsiv.

Und wer ist bei Ihnen der größere Morgenmuffel?

Sträßer: Ich meinte das mit Liebe nicht so, dass wir jetzt im selben Bett schlafen. (lacht) Ich bin morgens eigentlich gut drauf. Aber ich bin auch Vater eines kleinen Kindes und das frühe Aufstehen mehr gewohnt als Vladimir.

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Burlakov: Ich bin aber auch nie ein Morgenmuffel gewesen, egal wie früh ich aufstehe. Ich kann sofort anfangen zu labern, das geht auch morgens um sechs (lacht).

Sträßer: Und das hört auch bis abends um sechs nicht auf. (lacht)

Kommissar Adam Schürk wurde als Jugendlicher von seinem Vater gequält. Müssen “Tatort”-Kommissare immer einen psychischen Knacks haben?

Sträßer: Ich glaube nicht, dass die Kommissare eine psychische Störung haben müssen. Aber in dem Fall ist es eine interessante Konstellation, diese beiden Kommissare und das Geheimnis, das sie verbindet. Natürlich interessiert den Zuschauer am “Tatort” der Mord, weil wir in unserem privaten Leben nicht oft mit einem Mord zu tun haben. So interessieren uns an Geschichten eben auch Extreme – und es gibt leider genug Kinder, die früh Gewalt erleben. Natürlich schraubt man Geschichten hoch, um es spannend zu machen. Aber auch um etwas über eine Gesellschaft zu erzählen.

Burlakov: Ich glaube, dass es gilt, zu differenzieren, inwieweit sich das auch durchzieht. Es ist ja meistens so, auch bei den Teams, die, wie Sie sagen, einen “Knacks” haben, dass das nur in den ersten zwei bis drei Folgen erzählt wird. Danach spielt es oft immer weniger eine Rolle.

Die Kommissare gehen unterschiedlich mit ihrer Vergangenheit um. Schürk ist vor 15 Jahren abgehauen und verdrängt alles, Hölzer will eher darüber reden. Welcher Typ sind Sie persönlich eher?

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Sträßer: Ich suche in Konflikten gern die Flucht nach vorn und stelle mich meinen Problemen, auch wenn das unangenehm ist.

Burlakov: Ich bin ein sehr direkter Mensch und ein Fan von ehrlichen Worten, auch wenn sie mal wehtun. Aber nicht nur in einer Streitsituation, sondern auch, um Stellung zu beziehen. Dass man nicht geleitet wird von einer Angst, dass es einem auf die Füße fallen könnte, sondern einfach seine Meinung sagt. Nichtsdestotrotz habe ich oft Situationen, wenn es mir zu viel in einem Streit wird, in denen ich aus der Wohnung stürme und die Tür zuknalle. Dann gehe ich einmal um den Block und komme wieder.

Wie haben Sie sich auf Ihren ersten Dreh als “Tatort”-Kommissare vorbereitet?

Sträßer: Es gab Einweisungen der Polizei Saarbrücken, die sehr nah mit dem “Tatort” zusammenarbeitet. Ansonsten ist es viel interessanter, sich inhaltlich mit den Figuren auseinanderzusetzen und wie man sie spielen will.

Burlakov: Ich finde, dass eine ausgiebige Vorbereitung extrem wichtig ist. Man guckt immer nach Amerika und bewundert die Hollywoodfilme – aber was für eine immense Arbeit dahintersteckt, wie viele Monate die sich im Vorfeld auseinandersetzen mit der Figur, davon könnte sich Deutschland eine Scheibe abschneiden. Wenn man mit Kollegen im Auto sitzt und die auf dem Weg zum Set erst den Text lernen, finde ich das respektlos den Kollegen und dem Beruf gegenüber.

Sträßer: Das hat aber auch mit den Mitteln zu tun. Natürlich muss man einem Schauspieler, um sich ein Jahr auf eine Rolle vorzubereiten, die Mittel an die Seite stellen, dass er auch ein Jahr kein anderes Geld zu verdienen braucht. Hier ist es ja oft so, dass Schauspieler in zwei Projekten gleichzeitig sind. Das wäre in Amerika undenkbar.

Daniel Sträßer, Sie kommen aus dem Saarland. Wie fühlt sich das an, als “Tatort”-Kommissar in die Heimat zurückzukehren?

Sträßer: Das ist ein Heimspiel. Es ist cool, eine Stadt, in der man 20 Jahre gelebt hat, noch mal in einem anderen Kontext zu sehen. Ich war dort Schüler, Zivildienstleistender, Student und jetzt komme ich zurück und meine frühere Jugendwelt und eine Filmwelt treffen aufeinander.

Mit wem und wo schauen Sie sich Ihre erste “Tatort”-Folge an?

Burlakov: Isoliert allein zu Hause. (lacht)

Sträßer: Ich habe einen Beamer zu Hause und hatte mir immer vorgestellt, dass man das mit vielen Freunden schaut. Das geht jetzt nur im engsten Kreise. Aber ich finde, Vladi, wir müssten schon überlegen, ob man sich das nicht zusammen ansieht – ich habe eine große Couch, wir könnten 1,5 Meter entfernt sitzen.

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