Premiere für neuen Bremen-„Tatort“ mit Jasna Fritzi Bauer: Das kann nur besser werden

  • Knapp 1,5 Jahre nach dem letzten Bremer „Tatort“ startet nun ein neues Ermittlerteam.
  • Unser Kollege Jan Freitag ist allerdings nicht begeistert von der Premiere.
  • Nur ein Darsteller hat ihn überzeugt.
Jan Freitag
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Bremen ist arm, Bremen ist grau, Bremen ist derb. Aus Sicht des noch ärmeren, graueren, derberen Bremerhavens mag die Partnerstadt zwar reich, bunt und zart sein. Aber als Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) von dort aus anreist, um Inga Lürsen im Bremer „Tatort“ zu ersetzen, gerät sie flugs an einen Fall, den die Schweizer Regisseurin Barbara Kulcsar nach Drehbüchern des Kölners Christian Jeltsch halt so vorstellen, beim Schlusslicht diverser Bundeslandrankings.

Doch worum geht’s überhaupt im ersten „Tatort“ des neuen Bremer Teams? Dealer Jannik liegt tot am Fuß einer Plattenbausiedlung. Suizid, glaubt Dienststellenleiter Harmsen und schickt den dänischen Exil-Cop Mads Andersen (Dar Salim) zum Fundort, wo er mit Moormann und BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram) erkennt, dass es Mord war. Und zwar als Teil einer Brennpunkttragödie, in der Alltagsgewalt und Alkoholismus, Babyraub und Beschaffungskriminalität tragende Nebenrollen spielen. Alles schwer verwahrlost – also dramaturgisch dick aufgetragen.

Übers schön fotografierte Pathos könnte man indes leichter hinwegsehen, wäre das Ermittlertrio originell oder inspirierend. Das ist es leider nicht. Im Gegenteil. Jasna Fritzi Bauers kindliche Gereiztheit wirkt in Gestalt des hartnäckigen Neuankömmlings Liv ähnlich selbstreferenziell wie Luise Wolframs soziopathische Spurenexpertin Selb, die Sätze wie „Verbrechen ist dreckig, aufklären noch mehr“ vom Blatt abliest und auch sonst mehr nervt als überzeugt.

Doch es gibt einen Lichtblick: Neben Episodendarsteller André Szymanski als gescheiterter Werder-Profi Stiehler überzeugt Exil-Cop Andersen – angenehm wortkarg gespielt vom „Game of Thrones“-Star Dar Salim – in dieser aufdringlich sozialkritischen Premiere eines „Tatort“-Trios, das den Fall allen Ernstes im Showdown auf dem Hochhausdach löst. Fazit: Das kann nur besser werden. Und wird es wohl auch – mit besserem Drehbuch zumindest.

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