• Startseite
  • Medien & TV
  • Neuer Sendeplatz spätabends: Journalisten protestieren gegen „Weltspiegel“-Verlegung

Neuer Sendeplatz spätabends: Journalisten protestieren gegen „Weltspiegel“-Verlegung

  • Seit 58 Jahren flimmert der „Weltspiegel“ in der ARD über die Bildschirme.
  • Jetzt soll die Auslandssendung auf den späten Montagabend verlegt werden.
  • Bei den Korrespondentinnen und Korrespondenten sorgt das für Protest.
Anzeige
Anzeige

Frankfurt a.M.. Die Auslandskorrespondenten der ARD wehren sich gegen Pläne des Senderverbunds, den „Weltspiegel“ vom angestammten Sendeplatz am Sonntagabend vor der „Tagesschau“ im Ersten auf den späten Montagabend zu verschieben. Das Auslandsmagazin gehöre zum „Kernauftrag“ der ARD, schreiben 45 Korrespondenten und Auslandsredakteurinnen in einem Brief an die Intendantinnen, Direktoren und Chefredakteurinnen der ARD, der dem epd vorliegt. Die Pläne böten „keine guten Perspektiven für die Auslandsberichterstattung“.

Der „Weltspiegel“, der seit 58 Jahren am Sonntagabend um 19.20 Uhr gesendet werde, habe eine „ausgesprochen hohe Akzeptanz“, schreiben die Korrespondentinnen und Redakteure. Er erreiche am Sonntagabend derzeit im Schnitt 2,1 Millionen Zuschauer. Zu der nun von der ARD-Programmdirektion vorgesehenen Sendezeit am Montagabend um 22.50 Uhr würden im Schnitt nur 1,3 Millionen Zuschauer einschalten.

Crime Time Welche Filme und Serien dürfen Krimi-Fans nicht verpassen? Mit unserem Newsletter Crime Time sind Sie uptodate. Gleich kostenlos abonnieren und alle zwei Wochen eine neue Ausgabe lesen.
Anzeige

Die neue ARD-Programmdirektorin Christine Strobl arbeitet derzeit gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Florian Hager und dem ARD-Chefredakteur Oliver Köhr an einer neuen Programm- und Flottenstrategie für die ARD. Ziel ist eine Stärkung der ARD-Mediathek als Plattform für alle Inhalte der Landesrundfunkanstalten. In einem Papier zur „Programm- und Flottenstrategie Video“, das dem epd vorliegt, schreiben sie, dass der „programmliche digitale Umbau des Ersten zugunsten der ARD-Mediathek in den nächsten zwei Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag erfordert“. Bezahlt werden müsse der Umbau mit „den finanziellen Mitteln des Hauptabend- und Wochenendangebots“ des Ersten.

Anzeige

Nicht der erste Protest

Dafür sollen nach den bisher bekanntgewordenen Plänen Sendeplätze für die politischen Magazine und auch für den „Weltspiegel“ reduziert werden. Auch darüber zeigen sich die Korrespondenten in ihrem Brief besorgt: Vorgesehen seien jetzt nur noch 39 Ausgaben des Auslandsmagazins pro Jahr, derzeit seien es 44 oder 45. Auch die „Weltspiegel Reportage“ solle entfallen und möglicherweise auch das Format „Weltspiegel Extra“. Dies bedeute de facto eine „Halbierung der Auslandsberichterstattung“ im Ersten. „Das klingt so, als würden wir nicht in einer zunehmend vernetzten Welt leben, in der politische Krisen und Kriege, Pandemien, Klimawandel und andere globale Themen permanent und zunehmend unser Leben beeinflussen“, schreiben die Journalistinnen und Journalisten.

Anzeige

Vor zwei Jahren hatte es unter dem damaligen Programmdirektor Volker Herres Pläne gegeben, den „Weltspiegel“ am Sonntagabend früher zu senden. Auch damals hatten Redakteure und Korrespondentinnen dagegen protestiert. Das Auslandsmagazin behielt daraufhin seinen angestammten Sendeplatz. Damals sei der Auftrag an die ARD-Auslandsredaktionen ergangen, den „Markenkern zu stärken und ein umfassendes Digitalkonzept zu erstellen“, schreiben die Korrespondenten. Dem seien sie „mit großem Engagement und auch Erfolg nachgekommen“. Auch mit Hilfe der "Weltspiegel-Reportage sei es gelungen, die Reichweite der Auslandsberichterstattung in der Mediathek zu stärken.

Das Stream-Team Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. ‒ jeden Monat neu.

„Das ist doch nicht Euer Ernst?“

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, sagte, bei der Auslandsberichterstattung seien die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten „uneinholbar gut“. Der „Weltspiegel“ informiere seit 58 Jahren „fundiert und spannend über Politik, Kultur und Leben aus aller Welt“. Die Pläne für die Verschiebung nehme er mit Erstaunen zur Kenntnis und frage: „Das ist doch nicht Euer Ernst, liebe ARD?“

Der „Weltspiegel“ wird von den ARD-Auslandsredaktionen im Wechsel redaktionell verantwortet und präsentiert.

RND/epd

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen