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Neuer Podcast „Paardiologie“ von Charlotte Roche: „Alles, was ich mache, ist sexuell“

Charlotte Roche startet ab diesem Freitag zusammen mit ihrem Mann Martin Keß den Beziehungspodcast „Paardiologie“. Im Interview erklärt die Autorin, warum sie eine offene Beziehung will – und wieso der Podcast für ihre Beziehung gefährlich werden könnte.

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Hamburg,. Ihre Karriere begann als Viva-Moderatorin: Heute ist Charlotte Roche (41) auch Autorin ("Feuchtgebiete", "Schoßgebete"), Schauspielerin und Hörspielsprecherin. Geboren wurde Roche in England, aufgewachsen ist sie in Deutschland. Die Autorin hat eine Tochter und ist seit 2007 mit Brainpool-Mitbegründer Martin Keß verheiratet. Mit ihm will sie in dem Podcast "Paardiologie" die eigene Beziehung sezieren, auf Spotify erscheinen die Folgen jeden Freitag ab Freitag, 21. Juni

Sexualität, Beziehung und Hygiene waren schon in Ihren Büchern ein Thema, jetzt auch in Ihrem Podcast. Was reizt Sie so daran?

Ich würde nicht sagen, dass Sexualität im Podcast wichtiger ist als Paartherapie oder Haushalt. Aber ich bin einfach ein Gegner davon, das auszuklammern. Es gibt Filme und Bücher, in denen dargestellt werden soll, wie Menschen zusammenleben, aber Sexualität wird ausgelassen. Das will ich nicht. Das gehört dazu, und dann denken viele: Die bricht wieder Tabus.

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Haben Sie keine Angst, im Podcast so viel von sich und Ihrer Beziehung der Öffentlichkeit preiszugeben?

Ich habe richtig Angst. Der Podcast ist ein echtes Experiment, bei dem nicht klar ist, dass es ein gutes Ende nehmen muss. Allein dass es bald losgeht, führt zu Streit. Wir machen etwas, das nicht nur für Außenstehende krass klingt, sondern für uns auch. Wir wollen den Leuten im Podcast ja nicht zeigen, wie toll wir alles hinbekommen – weil: Das ist richtig langweilig. Und das stimmt auch nicht. Das ist das, worauf ich mich am meisten freue – die Streite und das zu erzählen, wo es in der Beziehung überhaupt nicht funktioniert.

Was ist das größte Streitthema in Ihrer Beziehung?

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Im Moment streiten wir vor allem über den Podcast. Diese ganzen neuen Sachen … Wir machen zusammen Fotoshootings, und das ist aufregend, aber auch unangenehm, weil wir nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Und sonst haben wir wie jedes Paar den üblichen Streit über Haushalt, Ordnung und Onlineshopping, aber auch alte Wunden, wo man die Sachen nie geklärt hat, wovon ich auch denke, dass das in den Podcast muss.

In der Hörprobe zum Podcast haben Sie gesagt, dass Ihre Beziehung schon mal am Abgrund stand. Wie haben Sie es da herausgeschafft?

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Es war ganz klar die Paartherapie, die unsere Ehe gerettet hat. Dass wir überhaupt auf die Idee gekommen sind, dass wir fremde Hilfe brauchen. Wir haben zum Beispiel gelernt, Themen, die uns zerstören, zu Hause nicht mehr zu thematisieren, sondern nur noch im Beisein der Therapeutin.

Nehmen Sie sich außerhalb von Paartherapie oder Podcast mal einfach eine Stunde Zeit, um mit Ihrem Mann zu reden?

Wenn wir zum Beispiel zum Italiener gehen, unterhalten wir uns viel, während wir essen. Aber nicht mehr so wie früher, dass man sich einfach so unterhält, ohne zu essen. (lacht)

Im Podcast sollen auch SMS vorgelesen werden. Schreiben Sie tatsächlich noch SMS mit Ihrem Mann?

Die SMS sind noch vom Zusammenkommen, da gab es noch kein Whats­app. Wir haben alles dokumentiert von früher, weil das ja die romantischen Liebesbriefe der modernen Zeit sind. Wir hatten so Angst, dass unser Handy verloren geht, da haben wir alles abgetippt und ausgedruckt. Ich weiß gar nicht, wie unangenehm das wird, das vorzulesen, weil man sich ja in 15 Jahren Beziehung sehr verändert, auch in den Liebesbekundungen.

Im Trailer haben Sie scherzhaft erzählt, dass Sie eine offene Beziehung hatten – nur Ihr Mann nichts davon wusste. Ist das tatsächlich passiert?

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Es ist auf jeden Fall so, dass ich schon – sage ich mal – einige Moves gemacht habe und aufgeflogen bin. In dem Trailer klingt das lustig, aber jeder weiß, dass das damals überhaupt nicht lustig war. Aber wir haben es überlebt, verarbeitet und jetzt drüber gelacht. Das wird eine meiner Lieblingsfolgen: Fremdgehen.

Sie hatten also nie wirklich eine offene Beziehung?

Nein. Aber eins meiner Ziele im Podcast ist es, am Ende eine legitimierte offene Beziehung zu bekommen. Das alleroberste Ziel für jede Folge ist zu unterhalten, und wenn am Ende dabei herausspringt, dass ich eine offene Beziehung bekomme, dann raste ich aus vor Freude. Ich bin gespannt, wie mein Mann das aufnimmt.

Sie haben eine 16-jährige Tochter. Wenn die Ihren Podcast hören wird …

Soll sie nicht. Aber ich muss es ihr nicht verbieten, weil sie auch gar nicht will. Ganz sicher findet meine Tochter das so abstoßend, dass sie da niemals reinhören würde. Sie ist auf eine gesunde Art sehr anti meiner Arbeit gegenüber. Für sie bin ich diese langweilige Mutter, die immer zu Hause ist, ihr Geld gibt und sie von Partys abholt, und wenn Leute sie auf meine Bücher oder so ansprechen, sagt sie immer: „Lasst mich damit in Ruhe.“ Das ist ganz natürlich bei Kindern, die lehnen die Sexualität der Eltern ab. Und das ist ja meine ganze Arbeit – ich bin so eine Art Sexarbeiterin. Alles, was ich mache, ist sexuell, ich weiß auch nicht, was da schiefgelaufen ist. (lacht)

Von Hannah Scheiwe/RND

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