Neuer „Bild“-Chefredakteur Johannes Boie will Kultur grundlegend ändern

  • Im Frühjahr kamen erstmals Vorwürfe gegen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt zu Machtmissbrauch auf, inzwischen hat der Konzern einen Schlussstrich gezogen.
  • Reichelts Nachfolger Johannes Boie will die Kultur bei der Boulevardzeitung grundlegend ändern, wie er jetzt in einem Interview sagt.
  • „Wir werden keinen Millimeter Machtmissbrauch und Drangsalierung, Einschüchterung oder Schlimmeres dulden“, so Boie zur „Süddeutschen Zeitung“.
Anzeige
Anzeige

München. Der neue „Bild“-Chefredakteur Johannes Boie will sich eigenen Worten zufolge für eine grundlegende Änderung der Kultur bei der Boulevardzeitung einsetzen. Eine Kultur des Respekts müsse gestärkt werden, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag). Das bedeute ein empathisches Miteinander, „ohne die für ‚Bild‘ typische Härte - auch in der politischen Linie - nach außen zu verlieren“.

„Wir werden keinen Millimeter Machtmissbrauch und Drangsalierung, Einschüchterung oder Schlimmeres dulden“, betonte Boie, dessen Vorgänger Julian Reichelt Anfang vergangener Woche von seinen Aufgaben entbunden worden war. Zuvor hatte es Enthüllungen und Untersuchungen über Machtmissbrauch insbesondere im Umgang mit Mitarbeiterinnen durch den damaligen Chefredakteur in der „Bild“-Redaktion gegeben.

Johannes Boie ist neuer „Bild"-Chefredakteur. © Quelle: Susanne Schmidt/Axel Springer/dp
Anzeige

Der Kulturwandel werde aber „mindestens Monate“ dauern, erklärte Boie, der bislang Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ war. Er räumte ein, dass es bei „Bild“ in manchen Bereichen „ernsthafte Kulturprobleme“ gebe. „Das ist überhaupt nicht kleinzureden“, sagte er. Die Geschehnisse hätten viele mitgenommen. „Einige Kolleginnen und Kollegen haben sich, glaube ich, gefreut, dass ich gekommen bin“, sagte der 37-Jährige. „Andere sind eher traurig, weil sie gerne mit Julian Reichelt, der als Journalist starke Arbeit gemacht hat, zusammengearbeitet haben. Ich habe für beides Verständnis.“

Anzeige

„Der Boulevard bleibt unser Geschäft“

Gleichzeitig betonte er, dass der Schaden „an manchen Stellen auch gezielt größer gemacht wird, als er tatsächlich ist“. Angriffe würden „extrem hart und zum Teil auch inakkurat geführt“, sagte Boie, der bei der „Süddeutschen Zeitung“ arbeitete, bevor er 2017 zu Axel Springer kam.

Anzeige

Inhaltlich will der neue Chefredakteur nach eigenen Worten bei „Bild“ nichts grundlegend ändern. „Der Boulevard bleibt unser Geschäft“, sagte er. Er wünsche sich aber, „dass die Leser öfter lachen, wenn sie ‚Bild‘ lesen“. Er wehrte sich gegen den Vorwurf, dass die Zeitung gezielt Kampagnen betreibe und auf eine Spaltung der Gesellschaft hinarbeite. „Polarisierung ist ausdrücklich nicht Teil unseres Geschäftsmodells. Aber natürlich kommt es manchmal zu Polarisierung, weil wir keine Furcht davor haben, klar Position zu beziehen“, sagte Boie.

RND/epd

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen