Stasi-Vergangenheit von Verleger Holger Friedrich: Bärendienst für die Redaktion

  • Der neue Besitzer des Berliner Verlags, Holger Friedrich, war inoffizieller Mitarbeiter der Stasi.
  • Das disqualifiziert ihn nicht automatisch als Verleger der Zeitung, kommentiert Imre Grimm.
  • Der Redaktion erweist er aber einen Bärendienst.
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„Erfolg ist ein großartiges Deodorant“, hat Elizabeth Taylor einmal gesagt – „es entfernt alle Gerüche der Vergangenheit“. Manchmal aber kommt es vor, dass die Schatten von gestern die Zukunft bedrohen. Der private Unternehmer Holger Friedrich, der mit seiner Frau Silke gerade unter viel Applaus den Berliner Verlag mit der „Berliner Zeitung“ übernommen hat, war Stasi-Spitzel. Eine biografische Unschönheit, die er erst öffentlich machte, als die Enthüllung durch die „Welt am Sonntag“ drohte.

Nun disqualifiziert sich nicht jeder, der einst in der DDR einen Spitzelvertrag unterschrieb, automatisch für ein höheres Amt. Die Gemengelage aus Druck, Angst, Bedrohung, Courage und Erpressung war zu komplex für Schwarz-Weiß-Denken. Im Falle von Friedrich aber festigt sich das Bild eines Mannes, der ein zumindest seltsames Verständnis von der Verantwortung eines Verlegers zu haben scheint.

Wes Geistes Kind ist Friedrich?

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In einem schlingernden, wirren Essay hatte das Ehepaar Friedrich bereits Verständnis für Wladimir Putins Expansionspolitik gezeigt und mehr Dankbarkeit gegenüber Egon Krenz dafür gefordert, dass er an der DDR-Grenze zuletzt nicht mehr schießen ließ. Und mehr noch: Die „Berliner Zeitung“ druckte eine lobende Titelstory über eine Biotechfirma, an der Friedrich als Aktionär und Aufsichtsrat selbst beteiligt ist.

Gewiss ist es aushaltbar, wenn ein gewisser verlegerischer Idealismus das Profitinteresse flankiert. Der Redaktion aber erweist das Paar einen Bärendienst. Die „Berliner Zeitung“ hat 30 Jahre gebraucht, um den klebrigen Ruf als DDR-Verlautbarungsorgan abzustreifen. Wes Geistes Kind ist Friedrich? Es wäre traurig, wenn der reich gewordene Hipster doch nicht der weiße Ritter wäre, als der er gefeiert wurde.