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Neue „Sportschau“-Moderatorin Esther Sedlaczek: „Diese EM wird eine Wundertüte“

  • Die langjährige Sky-Moderatorin Esther Sedlaczek feiert zur Fußball-Europameisterschaft ihren Einstand bei der ARD.
  • Als neue „Sportschau“-Moderatorin ist sie mit Micky Beisenherz Gastgeberin des „Sportschau Clubs“ an ARD-EM-Spieltagen.
  • Im RND-Interview spricht sie über Frauenmangel im Fußball, die Verdienste von Bibiana Steinhaus, die deutschen EM-Hoffnungen und den Leidensweg von Hertha BSC.
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Frau Sedlaczek, der „Sportschau Club“ während der Fußball-Europameisterschaft wird nach knapp zehn Jahren bei Sky Ihr Einstand in der ARD als neue „Sportschau“-Moderatorin sein. Was kann schiefgehen?

Alles und nichts – das ist ja immer so bei neuen Projekten. Man nimmt sich viel vor und will alles zu 100 Prozent umsetzen. Aber es gibt immer Unwägbarkeiten und ein gewisses Risiko. Aber ich bringe ja eine gewisse Erfahrung im Fernsehen mit. Das ist jetzt anders als damals bei meinem Einstand bei Sky, als ich mit Ulli Potofski wirklich ins kalte Wasser geworfen wurde und von nichts eine Ahnung hatte. Ich finde es auch schön, bei neuen Dingen nicht genau zu wissen, was da an Dynamiken entstehen kann. Ich freue mich sehr darauf, mit Micky Beisenherz zu moderieren. Es ist ein bisschen wie beim Fußball: Man kann noch so viel planen – am Ende weiß man nicht genau, was in den 90 Minuten passieren wird. Ich gehe da sehr entspannt und locker ran.

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Es ist Ihre erste Zusammenarbeit mit Micky Beisenherz. Wie ist Ihr Gefühl: Stimmt die Chemie?

Total. Micky ist ein sehr intelligenter, schlagfertiger, humorvoller und sehr spitzzüngiger Moderator und Mensch, und genau das mag ich. Es bringt einen selbst immer weiter, wenn man echte Persönlichkeiten an seiner Seite hat. Die Chemie stimmt, ich bin sehr guter Dinge. Über so etwas mache ich mir ohnehin keine allzu großen Sorgen, ich lasse es einfach auf mich zukommen.

„Wir wollen den EM-Zuschauer mit einem guten Gefühl in die Nacht entlassen“: Die neue „Sportschau“-Moderatorin Esther Sedlaczek. © Quelle: WDR/Annika Fußwinkel

Die ARD hatte ja nicht immer Glück mit ihrem Late-Night-Rahmenprogramm für große Turniere oder Olympische Spiele, ich sage nur „Waldi & Harry“ oder „Beckmanns Sportschule“. Was ist denn geplant im „Sportschau Club“?

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Wir werden einen etwas anderen, unterhaltsamen Blick auf das vorangegangene Spiel und die Themen dieser EM werfen – oft im Gespräch mit spannenden Gästen.

Die ARD schreibt, es werde „humorvoll, kenntnisreich, überraschend und bei Bedarf auch kritisch“. Müssen wir uns also auf Comedy gefasst machen?

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Zumindest auf die eine oder andere lustige Rubrik. Und das darf ja auch sein um diese Uhrzeit. Die Zuschauer werden bis dahin über den Tag und Abend viel Sportlich-Analytisches gehört haben. Unser Ziel ist es, das alles locker abzurunden. Wir wollen den EM-Zuschauer mit einem guten Gefühl in die Nacht entlassen.

Wer wird denn zu Gast sein?

Da kann ich noch nicht viel verraten. Aber grundsätzlich freue ich mich auch mal über Gäste aus dem bunten Bereich. Bei uns können Gäste auch mal als Fan auf die Spiele schauen. Ein gewisser Unterhaltungsfaktor ist schon wichtig, vielleicht kommt auch mal ein Bundesliga-Schiedsrichter dazu oder ein Spieler.

Was ist denn anders bei der ARD als bei Sky? Es ist immerhin ihr erster Einsatz für ein öffentlich-rechtliches Medium.

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Das ist vor dem ersten Einsatz noch etwas schwer zu beurteilen. Anders wird sein, dass ich bei Sky immer dicht dran am Geschehen war, meist direkt in den Stadien. Das ist jetzt in dieser Intensität nicht mehr der Fall. Das ist aber völlig in Ordnung so, ich habe mich ja bewusst dafür entschieden, mehr im Studio zu arbeiten. Grundsätzlich ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit eine andere – das fällt mir schon jetzt auf, obwohl ich noch gar nicht als neue „Sportschau“-Moderatorin in Erscheinung getreten bin. Das ist etwas, woran ich mich erst gewöhnen muss. Plötzlich hat das, was man sagt, mehr Gewicht. Ich sehe mich eher als wissbegierige Moderatorin, der Experten zur Seite stehen – und jetzt ist ab und zu auch meine eigene Expertise gefragt.

Die Marke „Sportschau“ feiert im Juni ihren 60. Geburtstag – da schwingt allerhand Historie mit. Sie sind nach Monica Lierhaus und Jessy Wellmer erst die dritte Frau in der Moderation. Eigentlich unfassbar, oder?

Ja, das stimmt. Das ist auch gemessen an der Entwicklung der letzten zehn bis 20 Jahre überraschend. Aber manchmal mahlen die Mühlen eben langsamer. Ich finde, dass Frauen in diesem Bereich in den letzten Jahren große Qualität bewiesen und den Beweis erbracht haben, dass auch eine Männerdomäne wie der Fußball einen hohen Frauenanteil sehr gut vertragen kann. Vielleicht tut ihm das sogar gut. Am Ende der Fahnenstange sind wir aber längst noch nicht. Da sind für meinen Geschmack aber nicht allein die Sender in der Pflicht, sondern auch die Vereine selbst. Sie können auf der Führungsebene deutlich mehr Frauen gebrauchen, da sind wir leider noch nicht. Ich bin gespannt, ob sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Wenn der DFB zum Beispiel demnächst mal eine Präsidentin haben würde, würde ich das mehr als begrüßen. Denn der DFB braucht einen großen Umbruch – das sieht jeder.

Das heißt, Ihnen gefällt die Idee, Bibiana Steinhaus könnte DFB-Präsidentin werden?

Bibiana Steinhaus gebührt höchster Respekt. Was sie in den letzten Jahren als erste Frau im Schiedsrichterwesen der Bundesliga geleistet hat war wahnsinnig wichtig, allein die Tatsache, dass sie als erste Frau ein Bundesligaspiel geleitet hat. Das ist Wahnsinn. Ich könnte sie mir als DFB-Präsidentin gut vorstellen.

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„Die deutsche Mannschaft ist seit Jahren im Umbruch“: Die neue „Sportschau“-Moderatorin Esther Sedlaczek. © Quelle: WDR/Annika Fußwinkel

Wie ist denn Ihre Meinung dazu, in diesen Zeiten eine EM in elf europäischen Städten zu veranstalten?

Das ist sehr schwierig zu beurteilen. Meine eigene Meinung ist: Ich hätte schon erwartet, dass man sich angesichts der Pandemie doch noch für ein einziges Land entscheidet. Sicher war das in den Planspielen der Uefa auch ein Thema. Aber die Umstände ändern sich ja tagtäglich. Die Infektionszahlen sinken, die Impfzahlen steigen. Ich bin sehr gespannt, was diese Großflächigkeit für die Atmosphäre der EM bedeutet. Wir sind es ja alle gewohnt, dass das Turnier in einem oder zwei Ländern stattfindet und nicht in elf. Es wird sicher ein anderes Gefühl werden.

Die Uefa will Tausende von Zuschauern in die Arenen lassen – unter Stimmungsgesichtspunkten sicher wünschenswert. Aber glauben Sie, dass sich diese EM anfühlen wird wie eine normale EM?

Ich denke schon, dass mit Beginn der EM auch Begeisterung aufkommen wird. Das war doch bisher bei jedem Turnier so: Egal, was vorher war – sobald es losging, stieg das Interesse und man fieberte mit. Ich habe keinen Zweifel, dass das auch diesmal der Fall sein wird. Es ist und bleibt die Fußball-Europameisterschaft. Es kann ja auch eine gute Ablenkung vom Stress der vergangenen Monate sein. Hier in München macht langsam die Gastronomie wieder auf, alle blühen ein bisschen auf. Man wird fröhlicher, je mehr Freiheiten man zurückgewinnt. Deshalb denke ich schon, dass wir eine schöne EM erleben werden.

Auf welche Mannschaften sollte man denn bei dieser EM ein Auge haben? Mit wem ist zu rechnen?

Frankreich wird eine große Rolle spielen. Und da die Deutschen nun mal in einer Gruppe sind mit Frankreich und dem Titelverteidiger Portugal, wird es natürlich nicht einfach für uns.

Was glauben Sie: Wie weit kommt die DFB-Elf?

Ich traue der deutschen Mannschaft schon zu, dass sie weiterkommt. Aber es ist schwer einzuschätzen, wozu sie dann imstande ist. Die Weltmeisterschaft 2018 lief mit dem Vorrundenaus ja nun alles andere als erfolgreich. Die Mannschaft ist seit Jahren im Umbruch, dann gab’s diese Spiele gegen Spanien und Mazedonien. Zwischendurch sah es immer mal wieder so aus, als gehe es in die richtige Richtung – aber es bleibt schwierig. Andererseits ist die deutsche Mannschaft eine Turniermannschaft. Darauf war fast immer Verlass. Es ist das letzte Turnier unter Joachim Löw. Und außer bei der WM 2018 hat das Team immer mindestens das Halbfinale erreicht. Darauf kann man bauen. Aber diese EM wird eine Wundertüte.

Ein kurzer Blick noch auf Hertha BSC bitte: Sie gelten als Anhängerin des Vereins, seit sie als Kind im Olympiastadion waren. Die Saison endete jetzt auf Platz 14 – ganz knapp vor ganz weit unten. Schwein gehabt, oder?

Ja, selbstverständlich. Die Hertha setzt sich selbst hohe Maßstäbe und ist denen längst nicht gerecht geworden. Mit dem Abschneiden in dieser Saison wird niemand zufrieden sein. Sie waren, denke ich, so erleichtert, dass sie nicht abgestiegen sind, dass sie den Klassenerhalt gefeiert haben wie eine Meisterschaft. Jetzt holt sich der Verein mit Fredi Bobic einen starken Mann an die Seite – und ich bin gespannt, ob die Ziele wieder ähnlich hoch gesteckt werden wie in dieser Saison und in der davor. Dann müssten sie aber erst mal zeigen, wozu sie imstande sind.

Werden Sie sich denn während der EM auch Spiele im Stadion ansehen?

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Das hängt auch davon ab, was überhaupt möglich ist. Andererseits war ich in den letzten 15 Monaten während der Pandemie immer für Sky in diesen leeren Stadien – und ich muss ehrlich sagen: Sollen doch lieber all die Fans, die so lange nicht live zugucken konnten, jetzt ihre Möglichkeiten nutzen. Dafür bleibe ich gerne auch mal auf dem Sofa und gucke von dort aus zu.

ZUR PERSON

Esther Sedlaczek, geboren am 24. November 1985 in Ost-Berlin, war seit 2011 beim Bezahlsender Sky in der Fußballberichterstattung tätig. In diesem Jahr wechselte sie als neue „Sportschau“-Moderatorin zur ARD. Ihren ersten Einsatz hat sie als Gastgeberin des „Sportschau Clubs“ neben Micky Beisenherz direkt nach dem EM-Eröffnungsspiel am Freitag, 11. Juni, um 23.30 Uhr.

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