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  • Neue Serie auf Disney+: „Rebel“ mit Katey Sagal als Rächerin der Entrechteten

Rächerin der Entrechteten: Katey Sagal in der Serie „Rebel“ bei Disney+

  • Eine Frau streitet als Anwaltsgehilfin ohne Wimpernzucken gegen mächtige Konzerne.
  • Katey Sagal spielt die Titelfigur in der Disney+-Serie „Rebel“ (ab 28. Mai), die dem Leben der Umweltaktivistin Erin Brockovich nachempfunden ist.
  • Brockovich war bei der Serie ausführende Produzentin.
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Das muss ein herrliches Gefühl sein, morgens aufzuwachen und zu wissen: Heute rette ich wieder mal die Welt. Wem immer übel mitgespielt wurde, dem stelle ich mich an die Seite. Je schlimmer das Unrecht, desto mehr Wut im Kampf dagegen mobilisiere ich.

Üblicherweise dürften nur Superhelden und Superheldinnen mit solchen Ideen aus dem Bett springen – oder eben Annie Flynn-Reid-Bello, genannt Rebel (Katey Sagal, bekannt aus „Eine schrecklich nette Familie“ und „Sons of Anarchy“), die sich mit ihrem rebellischen Verhalten den Spitznamen redlich verdient hat. Die Frau ist gewissermaßen eine Superheldin in Gerichtsfragen. Oder sagen wir: Anwaltsgehilfin in Los Angeles ohne juristischen Abschluss, wie hier immer wieder und gern mit ketzerischem Unterton erwähnt wird. Ihre Figur in der Serie „Rebel“ soll dem Leben von Erin Brockovich nachempfunden sein.

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Katey Sagal spielt eine Superheldin in Gerichtsfragen

Wir erinnern uns: Brockovich war jene berühmte Umweltaktivistin, die Steven Soderbergh vor 21 Jahren mit seinem Kinofilm noch berühmter machte und die danach sogar eigene Fernsehshows mit vielsagenden Titeln wie „Final Justice“ moderierte. Die Frau auf der Leinwand war so furios und witzig wie vulgär und prollig im Kampf gegen einen das Trinkwasser vergiftenden Energiekonzern – und brachte ihrer Darstellerin Julia Roberts einen Oscar als beste Hauptdarstellerin ein.

Die echte Erin Brockovich fungiert bei der von Krista Vernoff („Grey’s Anatomy“, „Shameless“) erdachten Serie als ausführende Produzentin. Brockovich dürfte zufrieden sein mit der Charakterzeichnung dieser Rebellin, die wir zunächst als begeisterte Partycrasherin kennenlernen.

Die echte Erin Brockovich ist ausführende Produzentin

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Auf High Heels spaziert Rebel beim Empfang eines Medizinkonzerns herein, hält die junge Frau des CEO mal eben für dessen Tochter, fordert den Mann auf, endlich die gesundheitsgefährdenden Herzklappen vom Markt zu nehmen, und stürzt beim Ringen ums Mikro rücklings in die Sektgläser. Zwischendurch hat sie noch Zeit, eine Horde Demonstranten einzulassen, die das ihnen angetane Unrecht vor – nicht ganz zufällig – laufenden Kameras brandmarken.

Sodann lässt sie sich widerstandslos ins Gefängnis abführen. Die Kaution, um wieder rauszukommen, ist schon organisiert. Rebel hat im sonnigen Los Angeles offenbar Routine in solchen Dingen – und genießt auf der Straße einen Promistatus als Rächerin der Entrechteten.

Da sind gefühlt gerade mal fünf Serienminuten verstrichen. Und das Tempo wird zumindest in den ersten beiden von insgesamt zehn Episoden durchgehalten (mehr ließ sich vorab nicht sichten). Die Show ist ganz und gar auf die Ein-Frau-Armee Rebel abgestellt, die alle Sympathien hat und mit der es niemand aushält, nicht ihr Anwaltsboss (Andy Garcia als Schmerzenswitwer) und schon gar nicht ihre Ehemänner.

Ehemänner werden schnell zu Ex-Ehemännern

„Ich bin stolz, dein Ex zu sein“, sagt Benjy (James Lesure), einer der drei Ex und ebenfalls ein Anwalt. Benjy beging den Fehler, auf die Seite der großen Konzerne und damit auf die der Bösen zu wechseln. Für Rebel war er damit nicht mehr haltbar.

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Der aktuelle Ehemann Grady (John Corbett, er hatte schon Beziehungsprobleme bei „Sex and the City“) befindet sich gerade im Übergangsstadium zum Ex und wird ins Gartenhaus ausquartiert. Der halbseidene Gatte dürfte aber noch eine Rolle in der Serie spielen.

Alle werden für die Zwecke der Heldin eingespannt

Doch wenn die genauso charmante wie nervige Rebel Hilfe braucht, dann können sich die Verflossenen noch so lange winden: Rebel akzeptiert kein Nein. Ihre drei Kinder spannt sie ebenso für ihre Zwecke ein. So wird der Kampf um Gerechtigkeit zur Familiensache – wobei ihre beste Freundin ihre ehemalige Schwägerin Lana (Tamala Jones) ist, praktischerweise auch eine ehemalige Polizistin.

Alles andere als subtil geht es zur Sache. Mit juristischen Spitzfindigkeiten, gar elaborierten Kreuzverhören, hält sich Rebel nicht auf. Sie hilft aus vollem Menschenherzen – egal, ob sie einer misshandelten Ehefrau beispringt, die sie zufällig im Knast kennengelernt hat, oder ob sie einen Collegeprofessor vor dem Rufmord rettet.

Anleihen bei der Seifenoper sind erkennbar

Solche Fälle räumt das Energiebündel im Vorbeigehen ebenso leichthändig wie oberflächlich aus dem Weg. Anleihen bei einer Seifenoper sind durchaus erkennbar. Zur zentralen Auseinandersetzung dürfte jene mit dem Medizinkonzern Stonemore Medical erwachsen, der den Opfern endlich Entschädigungen zahlen soll. Das Duell David gegen Goliath ist vorbereitet.

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Wer nach den ersten beiden unangestrengt zu konsumierenden Folgen wieder in der Wirklichkeit auftaucht, ist sich sicher: Wenigstens im TV-Format gibt es noch Gerechtigkeit für Außenseiter und ­Underdogs.

„Rebel“, zehn Episoden bei Disney+, von Krista Vernoff, mit Katey Sagal, Andy Garcia, Tamala Jones, John ­Corbett (streambar ab 28. Mai)

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