Netflix-Serie “Space Force”: Kriegen Affen im All Orden?

  • Steve Carrel befehligt in der Netflix-Serie “Space Force” eine Chaostruppe.
  • Genüsslich wird in den zehn Episoden US-Präsident Donald Trump verspottet.
  • Ein Höhepunkt: Ein Schimpanse unternimmt einen Weltraumspaziergang.
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Eine der Hauptfiguren in der Serie “Space Force” bekommen wir nie zu Gesicht, sie wird auch namentlich nicht genannt. Aber hinter den Kulissen löst sie mittlere Katastrophen aus. Wir wissen genau, wer gemeint ist. Da sitzen zum Beispiel die Kommandierenden der US-Teilstreitkräfte lauernd beisammen und schlagen die Zeit tot mit gegenseitigen Beleidigungen – besonders die Luftwaffe und die neu geschaffene Space Force beharken sich wie zwei Kampfhähne. Sie warten darauf, dass endlich der nächste Twitter-Befehl vom Oberbefehlshaber im Weißen Haus hereinflattert.

Kaum zu toppen ist auch die zweite von zehn “Space Force”-Episoden, in der der US-Präsident auf besonders originelle Weise verlacht wird: Dem frisch ins All beförderten US-Satelliten werden von der hinterhältigen chinesischen Konkurrenz die Antriebssegel mit einer gigantischen Schere abgeschnitten. Die Szene, beobachtet durchs Fernrohr, könnte beinahe aus der von Filmpionier Georges Méliès gestarteten “Reise zum Mond” (1902) stammen.

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Es bleiben nur Stunden, um das teure Equipment zu retten. Die Suche nach Helfern im All zeitigt ein kurioses Ergebnis: Eine mit zehn Sturmgewehren, einem Schimpansen und einem Husky bemannte Raumkapsel reist in der Nähe des trudelnden Satelliten durch Raum und Zeit – das Lieblingsprojekt des namenlosen US-Präsidenten.

Affen und Hunde kommen nun mal putzig in den sozialen Medien rüber, und mit den Sturmgewehren ließe sich vielleicht bald im Interesse der Rüstungsindustrie ein Amoklauf auf dem Mond organisieren. Bald schon muss sich Space-Force-Viersternegeneral Mark R. Naird (Steve Carell) die Frage stellen: Verdienen Affen im Weltraum Orden?

Tierisch komisch kann diese Netflix-Serie sein. Albern ist sie auf jeden Fall – auch wenn Space-Force-Kommandeur und Hauptfigur Naird in den letzten Episoden recht überraschend von einem machtlos herumkommandierenden zu einem verantwortungsbewussten Vorgesetzten heranreift. Die hohlen Sprüche vom Beginn würde er nun nicht mehr loslassen (“Auf Befehl kann ich auch flexibel sein”).

“Truppen auf den Mond”

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Die Serie hat einen realen Hintergrund: Vor zwei Jahren rief die US-Regierung unter Trump die Gründung einer Space Force aus. Schließlich muss Amerika auch im Weltraum great again sein.

Nun kann man sehen, was aus dem Space-Force-Projekt wurde – beziehungsweise, was das “The Office”-Duo Steve Carell und Greg Daniels für Netflix daraus gemacht hat. Keinen Moment geht es hier um Erkenntnisgewinn zum Wohle der Menschheit, sondern darum, den Weltraum zu kolonisieren. “Truppen auf den Mond!”, dieser Slogan gerät zum Schlachtruf, auch wenn sich eine ziemlich traurige Truppe dahin aufmacht.

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Die auf ihre Mittagspause achtenden Space-Soldaten würden sogar im Angesicht von Menschenschindern wie in Stanley Kubricks “Full Metal Jacket” (1987) weiter auf dem Handy herumspielen. Und hat schon mal jemand Astronauten gesehen, die Sekunden vor dem Start die Nerven verlieren und rufen: “Ich will aussteigen. Wie lässt sich der Sicherheitsgurt öffnen?”

Laserkanonen? Leider nein

Gelegentlich scheint es, als hätte jemand Robert Altmans “M*A*S*H” (1970) von einem US-Militärhospital im Korea-Krieg in einen kühl designten War-Room mit angeschlossener Wissenschaftsabteilung verlegt – und diese wird von dem blasierten Dr. Adrian Mallory (John Malkovich) geleitet, der seinem Chef Naird loyal zur Seite steht.

Leicht hätte aus diesem Projekt eine “Star Wars”- oder “Star Trek”-Persiflage werden können. Solchen Versuchen lässt Space-Force-Kommandeur Naird gleich mal die Luft ab: Nein, sagt er den zum Kontrollbesuch angereisten Kongressabgeordneten, sie hätten bei ihrer Streitkraft leider keine Laserkanonen wie im Kino zur Verfügung. Immerhin tüftelten sie aber an einem Metallnetz, das sich im All auswerfen lasse.

Ein oder zwei Episoden ziehen den anvisierten Trip zum Mond etwas in die Länge. Auch der Handlungsstrang mit der überraschend weitgehend verhinderten Ehegattin Maggie (Lisa Kudrow) wirkt nicht zwingend, eher schon haben die Dauerfehden mit der gelangweilten Tochter Erin (Diana Silvers) Pep.

“Nächste Station: Mond”

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Aber wenn es dann wie bei einer überdimensionierten Busfahrt endlich Richtung Erdtrabanten geht (“Nächste Station: Mond”), läuft auch die Serie wieder zu großer Form auf. Vom irrwitzigen Schlagabtausch da oben auf dem Mond zwischen Amerikanern und Chinesen mit riesigen Schraubenschlüsseln soll hier nicht zu viel verraten werden.

Zitieren aber darf man den Satz der ersten afroamerikanischen Astronautin, die ihren Fuß auf den Mond setzt. “It’s good to be back on the moon”, will sie sagen unter Anspielung auf die erste Mondmission von 1969. Dann rutscht ihr der Satz raus: “It’s good to be black on the moon” – was so viel heißt wie: Es ist schön, schwarz auf dem Mond zu sein.

Da haut der Mann im Weißen Haus doch garantiert gleich wieder einen wütenden Tweet raus.

“Space Force”, zehn Episoden bei Netflix, Regie: Paul King, mit Steve Carell, John Malkovich

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