Netflix-Drama „Was wir wollten“ mit Elyas M’Barek: Das leere Kinderzimmer

  • Der Netflix-Film „Was wir wollten“ erzählt die Geschichte eines Paares, das an seinem unerfüllten Kinderwunsch kaputt zu gehen droht.
  • Leise und ehrlich kommt das Drama mit Elyas M’Barek und Lavinia Wilson daher.
  • Dabei kann es aber nicht immer die Spannung halten.
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„Keine Ausschabung diesmal.“ Die Worte sollen irgendwie positiv klingen, tun es aber nicht. Alice (Lavinia Wilson) hat ihren Embryo – er war noch so klein, dass sie davon gar nichts mitbekommen haben kann, sagt die Frauenärztin – wieder verloren. Es ist nicht das erste Mal.

Mit diesen Szenen startet das neue Netflix-Drama „Was wir wollten“ um Alice und ihren Mann Niklas (Elyas M’Barek), die nichts lieber wollen, als einen „kleinen Genpool“ von sich in die Welt zu setzen. Ein gemeinsames Baby soll die Beziehung krönen. Doch es klappt einfach nicht. Das Leben ist nicht immer planbar, sagt dieser Film von Anfang an.

Gynäkologin rät zum Urlaub

Das sagt auch, zumindest indirekt, die Gynäkologin des Paares. Zu oft ist die künstliche Befruchtung schon gescheitert, hat sogar schon Geldprobleme verursacht. Sie rät den beiden zu einem Urlaub – zum Runterkommen, um sich ein bisschen zu entspannen, sich auf das zu konzentrieren, was sie miteinander haben. Also fährt das Paar nach Sardinien. Dort waren sie schon mal glücklich, wie in Rückblenden zu sehen ist. Vielleicht klappt es ja noch mal.

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Statt auf den Zeltplatz, wie damals, geht es jetzt auf eine Apartmentanlage. Wie man das eben so macht, wenn man so erwachsen ist, dass man ein Haus baut und mit Familienplanung beschäftigt ist. Inklusive sind da neben einem gemütlichen Bett statt harter Isomatte auch ein großer Swimmingpool und Yogakurse – und eine Vorzeigefamilie im Nachbarbungalow, so scheint es jedenfalls.

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Denn dort wohnt ein Tiroler Pärchen mit zwei Kindern, die keine Berührungsängste haben. Die kleine Tochter will gern mit Alice am Strand spielen und nennt sie enttarnend ehrlich die „traurige Frau“. Kindern kann man eben nichts vormachen. Der Familienvater will währenddessen vor dem Familienalltag fliehen, indem er Niklas zum Kletterausflug einlädt. Der geht gerne mit, belastet ihn die Stimmung seiner Frau doch auch, und im Bett läuft im Gegensatz zu den wilden Zeltzeiten auch nichts mehr. Sie wirft ihm vor, keine Lust mehr auf sie zu haben, er meint, sie wolle doch nur noch Sex mit ihm, um ein Kind zu zeugen.

Paar dauerhaft mit unerfülltem Kinderwunsch konfrontiert

Dauerhaft wird das junge Paar mit seinem unerfüllten Kinderwunsch und seinen Problemen konfrontiert. Auch wenn die Nachbarsfamilie im Urlaub eigentlich zeigt: Der glückliche Schein trügt, längst läuft auch hier nicht alles gut. Doch lange ignorieren Alice und Niklas das. Irgendwas triggert diese Familie in ihnen, sodass Ängste, Wut und Unverständnis bei beiden gefährlich unter der Oberfläche brodeln. Das geht so weit, dass sie dem Nachbarspaar plötzlich ein Detail aus ihrer Vergangenheit offenbaren, das den unerfüllten Kinderwunsch umso tragischer macht.

Die Dramatik spielt sich in diesem Film im Leisen ab. Bedrückend ruhig – unterbrochen nur von kleinen Ausbrüchen, wenn Elyas M’Barek zum Beispiel als Niklas ein Rotweinglas gegen die Wand des Apartments wirft – erzählt das Drama die Geschichte dieser beiden verzweifelten Menschen. Es ist nah dran an diesem unglücklichen Paar, das dabei ist, daran zugrunde zu gehen, dass ihr Lebenswunsch zu scheitern scheint, und sich dabei zu verlieren.

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Auf großes Kino mit viel Tamtam wird verzichtet

Sie sieht eigentlich keinen Grund mehr für den Hausbau, wenn das mit dem Kinderkriegen nicht klappt. Er ist wütend, dass sie ihre Zweisamkeit nicht schätzt, will ihr aber auch keine Vorwürfe machen. Auf großes Kino mit viel Tamtam wird nicht gemacht: Es ist mehr wie im echten Leben. Nachdem sie nach einem Streit von der gemeinsamen Wanderung abhaut, entschuldigt sie sich kleinlaut. Als er beim Versuch eines romantischen Zusammenkommens am Pool wieder im entscheidenden Moment versagt, wird eben gekuschelt, statt reflektiert über Sexprobleme zu diskutieren. Das macht die Geschichte so ehrlich, sorgt aber auch dafür, dass die Spannung nicht durchgehend aufrechterhalten werden kann.

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