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Netflix-Dokureihe “Epstein – Stinkreich” schenkt Opfern statt Verschwörungstheorien Gehör

  • Der US-Multimillionär Jeffrey Epstein soll über Jahrzehnte einen Prostitutionsring für Minderjährige betrieben haben.
  • Zu seinen Freunden gehörte unter anderem der britische Prinz Andrew.
  • Nun beschäftigt sich eine Netflix-Doku mit dem Fall.
Martin Schwickert
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Die erste einschlägige Anzeige gegen den Multimillionär Jeffrey Epstein, der über Jahrzehnte einen Prostitutionsring für minderjährige Mädchen betrieben haben soll, geht auf das Jahr 1996 zurück und wurde vom FBI nicht verfolgt. Erst am 6. Juli 2019 wurde Epstein verhaftet und sollte von der New Yorker Staatsanwaltschaft vor Gericht gestellt werden. Fünf Wochen später wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden.

Auch wenn die Gerichtsmediziner Selbstmord attestierten, ranken sich um die Todesursache einige Verschwörungstheorien. Schließlich hatte Epstein prominente Freunde, zu denen neben Prinz Andrew zeitweilig auch Donald Trump und Bill Clinton gehörten. Aber Regisseurin Lisa Bryant tut in ihrer vierteiligen Netflix-Doku gut daran, sich nicht an weiteren Spekulationen zu beteiligen. Nicht nur aus juristischen Gründen, sondern auch, weil sich ihr Film nicht an der Mythenbildung um den Fall Epstein beteiligen will.

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Regisseurin gibt Opfern Gehör

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Stattdessen gibt Bryant denjenigen Gehör, deren Ruf nach Gerechtigkeit über Jahrzehnte ignoriert wurde: Den Frauen, die als junge Mädchen von Epstein sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen wurden. Erschreckend sind neben den verstörenden Einzelschicksalen vor allem das Ausmaß und die Systematik, mit der hier der Missbrauch organisiert wurde.

Daran schließt sich in der zweiten Folge die entscheidende Frage an, wie Epstein über eine solch lange Zeit ungestraft davonkommen konnte. Bereits 2005 ermittelte die Polizei von Palm Beach über 13 Monate lang. Aber der Staatsanwalt Alexander Acosta einigte sich mit dem hochrangigen Team von Epsteins Strafverteidigern auf einen äußerst milden Deal. Ein ungeheuerlicher Vorgang, der die Korruptionsanfälligkeit der US-Justiz auf drastische Weise belegt.

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Traumatische Erlebnisse haben die Betroffenen stark geprägt

Die traumatischen Erlebnisse haben die Betroffenen stark geprägt. Dass sie im New Yorker Prozess mit ihren Aussagen endlich an die Öffentlichkeit gehen können, ist für die Frauen ein wichtiger Schritt, auch wenn ihnen die Genugtuung einer Verurteilung Epsteins durch dessen Selbstmord verwehrt bleibt.

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