Nannen-Preis für Rezo - Youtuber freut sich über Journalisten-Oscar

  • Wer Preisverleihungen langatmig findet, für den war der diesjährige Nannen-Preis die rasante Alternative.
  • In nicht mal einer Stunde wurden die Kategorien eines der wichtigsten Journalistenpreise vergeben.
  • Unter anderem siegte Youtuber Rezo für sein Video “Die Zerstörung der CDU”.
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Hamburg. Die Netzwelt kennt jetzt den Schreibtisch von Verleger Henri Nannen (1913-1996). Das Möbelstück ist die Kulisse für die Momente, in denen sich entscheidet, welche Journalisten den renommierten Nannen-Preis 2020 gewinnen. Am Donnerstagabend schiebt Moderator Michel Abdollahi mit seinem Finger die Umschläge über den Schreibtisch, “Stern”-Chefredakteur Florian Gless zieht sie zu sich. Die Männer sitzen mit gebührendem Abstand voneinander an dem dunklen Tisch. Corona ändert gerade so vieles. Es gibt kein Publikum vor Ort in Hamburg, dafür ist die Live-Verleihung online erstmals für jeden zugänglich.

Überraschung des Abends: In der Kategorie Web-Projekt gewinnt der Youtuber Rezo mit seiner Video-Veröffentlichung “Die Zerstörung der CDU”. Der junge Webstar mit den blauen Haaren hatte in seinem Video unter anderem die Klimapolitik der CDU kritisiert. Es löste damit eine Debatte über die Rolle sozialer Medien bei der Meinungsbildung und den Umgang der Parteien damit aus.

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Rezo: “Ich habe wirklich nicht damit gerechnet”

Auf Twitter reagierte Rezo auf seinen Sieg bei der Preisverleihung überrascht und hocherfreut: “Wow! Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich geehrt fühle, den #Nannen-Preis erhalten zu haben. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet. Vielen Dank!”

Die Königsdisziplin des Preises ist die Reportage. Für sein Stück über vier Menschen, die gemeinsam in einer Klinik auf ein Spenderherz warten, gewinnt der "Stern"-Journalist Dominik Stawski in dieser Kategorie (Egon Erwin Kisch-Preis). Ein Jahr lang verbrachte er immer wieder ein paar Tage mit ihnen. Bis in den OP begleitet er die Protagonisten. Der Titel der Reportage: "Wenn das Herz versagt und es nur eine Rettung gibt".

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In der Kategorie Investigation siegten die Enthüller der “Ibiza-Affäre”

In sechs weiteren Kategorien werden an dem Abend Preise vergeben, die Text, Fotografie und Web repräsentieren. Im Bereich Investigation siegt ein Team aus den Häusern "Der Spiegel" in Hamburg und "Süddeutsche Zeitung" in München (Maik Baumgärtner, Vera Deleja-Hotko, Martin Knobbe, Walter Mayr, Alexandra Rojkov, Wolf Wiedmann-Schmidt, Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer) mit ihren Enthüllungen rund um die sogenannte Ibiza-Affäre in Österreich.

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Ein heimlich gedrehtes Video machten die Enthüllungsjournalisten öffentlich. Die Aufnahmen aus dem Sommer 2017 zeigen den damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der im Gespräch mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte anfällig für Korruption wirkt. Strache musste nach der Veröffentlichung des Videos als Parteichef und Vizekanzler zurücktreten, die Regierungskoalition von konservativer ÖVP und rechter FPÖ zerbrach.

In der Kategorie Inszenierte Fotografie gewinnt Marteline Nystad mit “Die Körperrevolution”, erschienen in der Zeitschrift “Brigitte”. Es ist eine Selbstporträt-Fotoserie, die den nackten Körper und Übergewicht zeigt. “Stern”-Chefredakteur Gless beglückwünscht die Preisträgerin übers Netz: “Great work” (Gute Arbeit).

Preisverleihung im Schnelldurchlauf

Kein Glamour, kein roter Teppich, keine Promis. Es war eine Preisverleihung im Schnelldurchlauf. In nicht mal einer Stunde stehen alle Preisträger in den sieben Kategorien fest. Im Hintergrund steht eine Vitrine, in die nach und nach die eingerahmten Fotos mit den Preisträgern gestellt werden. Wenn Chefredakteur Gless die Umschläge öffnet, gibt es von Moderator Abdollahi Fingertrommelwirbel - auf dem Schreibtisch von Henri Nannen.

Seit 2005 verleihen das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr und das von Nannen gegründete Magazin “Stern” als Stifter den Preis. Der Hauptjury gehörten dieses Mal unter anderem der “Spiegel”-Chefredakteur Steffen Klusmann, die Gerichtsreporterin Annette Ramelsberger von der “Süddeutschen Zeitung” und Christoph Kucklick von der Henri-Nannen-Schule an.

RND/dpa

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