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Moritz Bleibtreu über Pandemie: „Komplett isoliert zu sein, ist das Schlimmste“

  • In der Joyn-Serie „Blackout“ (ab 14. Oktober) mit Moritz Bleibtreu fällt wochenlang der Strom aus.
  • Ein Katastrophenszenario, das der Schauspieler nicht für komplett utopisch hält, wie er im RND-Interview sagt.
  • An der aktuellen, weltweiten Katastrophe, der Pandemie, findet er besonders „dieses Trennen der Menschen“ schlimm.
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Schauspieler Moritz Bleibtreu ist ab dem 14. Oktober bei Joyn+ in der Thrillerserie „Blackout“ nach dem gleichnamigen Bestsellerroman von Marc Elsberg zu sehen. Darin fällt wochenlang in ganz Europa der Strom aus. Der Streamingdienst kündigt es als „ein psychologisches Porträt einer Gesellschaft im Ausnahmezustand“ an. Im RND-Interview spricht der Schauspieler darüber.

Die Serie „Blackout“ entwirft ein Katastrophenszenario, bei dem der Strom europaweit wochenlang ausfällt. Wie viel Angst haben Sie, dass so was tatsächlich mal passiert und für wie realistisch halten Sie das?

Ich hoffe, dass so etwas nie passiert. Aber dieses Katastrophenszenario ist nicht zu hundert Prozent utopisch. Es ist sicherlich nicht einfach, einen globalen Stromausfall in Gang zu setzen, aber unmöglich ist es nicht. Unsere Hardware ist schon etwas marode. Etwas Ähnliches ist bei der Flutkatastrophe passiert: Ein Jahr vorher wurden die Warnsysteme getestet und es wurde bemerkt, dass sie nicht so richtig gut funktionieren, und trotzdem hat man nichts gemacht. Es wäre nicht dumm, wenn man da mal die eine oder andere Milliarde investieren würde.

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Also meinen Sie, dass oft erst gehandelt wird, wenn es schon zur Katastrophe gekommen ist?

Es gibt so was wie ein kollektives Vergessen, wenn es um Katastrophen geht. Man weiß eigentlich, dass es genau in der Gegend der Flutkatastrophe im 19. Jahrhundert immer wieder große Springfluten gegeben hat, und vergisst es trotzdem kollektiv. Das führt dazu, dass man nicht mehr wirklich in die Infrastruktur investiert und sich wundert, wenn es noch mal passiert. Es hat in dem Fall natürlich niemand dahintergesteckt wie bei dem Stromausfall in der Serie. Wobei es das auch schon gegeben hat in den Nullerjahren in Amerika: Da haben Hacker über das Internet mal für eine Stunde das Licht ausgemacht. Cybersecurity ist heute das Nummer-eins-Thema. Es würde sich lohnen, da ein paar Bauarbeiten vorzunehmen.

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Haben Sie sich jetzt zu Hause auch mit Notvorräten eingedeckt?

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Nein, ich verbringe meine Zeit nicht damit, mich auf Katastrophen vorzubereiten. Ich kann auch nicht sagen, was ich in so einem Katastrophenfall tun würde. Das sind Ausnahmesituationen, in denen man sich selbst erst wirklich kennenlernt. Das einzige, das einem in so einer Situation helfen würde, sind Freunde. Man kann sich noch so viel Toastbrot in den Keller packen, irgendwann ist auch das leer und man ist auf Hilfe angewiesen.

Wir sind seit eineinhalb Jahren auch in einer Art Katastrophenszenario mit der Pandemie. Haben Ihnen Freunde auch durch diese Zeit geholfen?

Absolut. Wir haben uns aneinander festgehalten im Kreise der Lieben und der Familie. Komplett isoliert zu sein, ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Das macht diese Krise auch so wahnsinnig schwierig. Einer der traurigsten Aspekte der Pandemie ist dieses Trennen der Menschen. Das tut weh.

Sehen Sie da gerade ein Licht am Ende des Tunnels?

Ich versuche die ganze Zeit, Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Es ist eine sehr schwierige Situation, in der wir gerade sind. Man kann momentan auch kein Interview geben, ohne über die gesellschaftliche Situation zu sprechen. Ich bin an einem Punkt, an dem ich jegliche Form von Meinung oder Kritik für falsch halte. Das führt in eine Richtung, die niemandem guttut. Eines meiner Lieblingszitate von Shakespeare ist: „Ruhe ist die beste Hilfe.“ Das ganze Gerede bringt niemandem etwas. Meine persönliche Meinung kundzutun bringt nichts Gutes hervor. Ruhe würde uns allen helfen, gerade in den sozialen Medien. Wenn es etwas Positives in dieser Zeit gibt, ist es, dass ich mir verschärft Mühe gebe, alles Schöne noch intensiver wahrzunehmen. Man muss nicht alles besprechen, man kann sich auch mal darauf besinnen, dass es uns noch gut geht. Sonst wird man irgendwann irre.

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Beim Umgang mit der Krise in der Serie sieht man auch Parallelen zur Pandemie, als etwa die Krisenstabsleiterin kleingehalten wird und es immer heißt, das wäre Ländersache und keine bundesweite Entscheidung. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Es ist schon bizarr, wenn man mit den ganzen Corona-Vorschriften dreht und an ein Filmset kommt, an dem gerade eine Schlacht gespielt wird mit Menschen, die durchdrehen, weil sie nichts mehr zu essen haben. Aber ich versuche, das weitestgehend von mir fernzuhalten und das zu geben, was ich geben kann – mein leidenschaftliches Spiel.

Also versuchen Sie, das bedrückende Gefühl, das die Serie vermittelt, über den Dreh hinaus nicht an sich heranzulassen?

Ja, das war bei der Serie gar nicht so einfach, weil wir viel in der Nacht gedreht haben. Die Dunkelheit hat mich total genervt, das färbt immer auch ein Stück weit ab. Es war auch ein sehr körperlicher Dreh, und es war kalt. Ich war froh, als es vorbei war.

Die Menschen merken in der Serie auch, wie aufgeschmissen sie ohne Handys und Netz sind. Wie abhängig sind Sie von Ihrem Smartphone?

Es gibt kaum jemanden, der nicht von seinem Smartphone abhängig ist. Gleichzeitig wäre ich glücklich, wenn man mir morgen ein Nokia 6210 geben und alles auf den Stand von damals zurückbeamen würde – ohne soziale Netzwerke und den ganzen Käse. Ich habe es vorher ohne Handy und Internet auch lange genug geschafft.

Ihre Figur Manzano wurde durch Erlebnisse von vor 20 Jahren geprägt, wo er mit Umweltaktivisten ein Gebäude beim G8-Gipfel besetzt hat und dort mit Polizeigewalt herausgeholt wurde. Sie haben zu den Friday‘s-for-Future-Umweltaktivisten letztes Jahr gesagt: „Ich habe nichts gegen die, sie sollen machen, was sie wollen – aber bitte ohne mich.“ Können Sie das erklären?

Ich persönlich glaube nicht, dass es einen Wert hätte, wenn ich bei Friday‘s for Future mitmachen würde. Ich glaube, dass Ruhe die größere Hilfe ist. Gleichzeitig mag ich alles, was nur im Ansatz nach Ideologie riecht, nicht. Es ist mir egal, ob es das Nobelste der Welt ist. Ich bin raus bei jeglicher Form von Ideologie oder Kollektivismus, bei allem, wo ich das Gefühl habe, dass nicht alle Farben der Palette vorhanden sind, sondern es einseitig wird. Es ist momentan unheimlich schwer für mich, einen Platz zu finden, an dem ich mich wohlfühlen würde, wenn ich öffentlich meine Meinung äußere. Deswegen mache ich es nicht. Dann muss es genug sein, dass ich Schauspieler bin.

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