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Die Cops aus dem Norden: Wie sich „Morden im Norden“ schon seit zehn Jahren im deutschen TV hält

Spielen bereits das zehnte Jahr die Kommissare in „Morden im Norden“: Sven Martinek und Ingo Naujoks (v. l.).

Rund 48 Minuten dauert es meistens, wenn Finn Kiesewetter (Sven Martinek) und Lars Englen (Ingo Naujoks) ihre Kriminalfälle lösen. Es sind nicht die großen Dinger, denen sie auf der Spur sind. Keine skrupellosen Mafiabosse oder internationalen Drogendealer, die knallhart jemanden umlegen. Es sind mehr die kleineren Mordfälle, im familiären Umfeld.

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„Der eine oder andere Zuschauer mag vielleicht schon mal gedacht haben: Das hätte mir im schlimmsten Fall auch passieren können“, sagt Schauspieler Sven Martinek im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). So geht es etwa in der Auftaktfolge der neuen Staffel, die am 10. Januar startet und dann immer montags ab 18.50 Uhr in der ARD läuft, um eine 17-jährige Tote. Ihre Leiche wird gefunden nach einem nächtlichen Rendezvous mit ihrem Freund Emil – inklusive LSD-Trip. Er berichtet von einem Wolfsangriff, doch die Ermittler können sich zunächst auch vorstellen, dass der Junge selbst im Drogenrausch auf seine Freundin losgegangen ist. Sie ermitteln im nächsten Umfeld des Mädchens.

Diese nahbaren Fälle sind ein Erklärversuch dafür, warum sich die Krimireihe „Morden im Norden“, deren erste Folge am 21. Februar 2012 ausgestrahlt wurde, seit zehn Jahren in der ARD hält. Dem Sender, der mit dem „Tatort“ und dem „Polizeiruf 110″ auch die wohl prominentesten deutschen Krimiformate im Hauptprogramm hat.

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„Nachvollziehbare Geschichten“

„Nachvollziehbare Geschichten“ nennt Martinek diese Plots, auf die „Morden im Norden“ setzt. „Es geht mehr um tragische Schicksale und Momente, in denen jemand zur falschen Zeit am falschen Ort ist und dadurch in ein Verbrechen verwickelt wird“, ergänzt sein Kollege Ingo Naujoks, der bis 2010 immer wieder den Mitbewohner von Charlotte Lindholm im „Tatort“ spielte und nun nach eigenen Angaben in der Vorabendserie seine Heimat gefunden hat.

Ein weiterer Faktor könnte wohl das Funktionieren dieses eigentlich ungleichen Duos sein, dessen Harmonie schon im Interview deutlich wird. In der Reihe ist Englen der etwas konservativere Typ und Kiesewetter der intuitivere, impulsivere. Im echten Leben treibt Martinek seinen Kollegen Naujoks immer wieder zu Höchstformen an.

Martinek wünscht sich noch mehr Konflikte

„Ich wünsche mir manchmal noch mehr Konflikte zwischen den beiden Kommissaren“, sagt Ersterer. „Dass wir bereits zehn Jahre ermitteln, zeigt doch, dass wir nicht so viel falsch machen. Trotzdem sind wir alle miteinander wach und wollen uns nicht auf den tollen Quoten ausruhen.“ Die letzte Staffel hatte im Durchschnitt 3,32 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer und bis zu 12,7 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum zu dieser Sendezeit. Zum Vergleich: „Hubert ohne Staller“, eine ebenfalls bei der ARD als erfolgreich gehandelte Krimivorabendserie, die auch vor zehn Jahren startete, hatte im Schnitt um die 2,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer.

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Die Motivation seines Kollegen, trotz des Erfolgs immer mehr zu fordern, schätzt Naujoks: „Jedes Mal, wenn bei mir nur der Hauch einer Art Zufriedenheit aufkommt, sagt er: ‚Aufgepasst, wir sind nicht dazu da, um uns auszuruhen.‘“ Er ergänzt lachend: „Er ist manchmal anstrengend und gibt mir einen verbalen Tritt, wenn ich mich schon gerne wieder entspannt zurücklehnen möchte.“

Die beiden dürfen auch bei Drehbüchern ihrer Krimis mitreden. „Wenn wir sagen, dass uns ein Buch nicht berührt oder wir bestimmte Handlungen der Figuren nicht verstehen, hat dies meist einen dramaturgischen Grund. Dann muss der Autor noch mal genau draufschauen“, berichtet Naujoks. Manchmal sei eben das, was die Autoren sich an ihrem Schreibtisch überlegten, beim Spiel nicht glaubwürdig umsetzbar.

Serie soll nicht in alten Mustern hängen bleiben

Wichtig ist den beiden demnach auch, nicht in alten Mustern hängen zu bleiben. Aus dem Grund komme auch Julia E. Lenska als Kriminaloberkommissarin Nina Weiss nach ihrer Babypause zurück und es werde ihr noch ein junger Kollegen an die Seite gestellt. „Die zwei repräsentieren die technikaffine jüngere Generation und stehen ab und an auch für eine andere Sichtweise auf die Fälle“, so Naujoks. Als Rentnercops sehen sie sich trotz des zehnjährigen Bestehens von „Morden im Norden“ also nicht.

Dabei ist diese Verweildauer im deutschen Fernsehen keine Normalität. Mit „Tatort“ und „Polizeiruf“, die beide schon seit mehr als 50 Jahren auf dem Markt sind, können sie zwar nicht mithalten. Aber ein Blick auf in einem ähnlichen Zeitraum gestartete Krimi-Vorabendserien in der ARD zeigt: Manche von denen waren im Gegensatz zu Naujoks und Martinek auch wieder schnell weg vom Fenster, wie etwa „Heiter bis tödlich: Henker & Richter“, die 2011 startete und 2012 schon wieder eingestellt wurde wegen schwacher Quoten. Dasselbe gilt für „Heiter bis tödlich: Nordisch herb“. Da hat „Morden im Norden“, anfangs auch als Teil der Reihe „Heiter bis tödlich“ gestartet, mittlerweile schon das Zehnfache auf dem Buckel – und sich zu einer eigenen Marke etabliert.

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