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Mobbing, Verschwörungen, Dieter Nuhr: Die schlimmsten Medienmomente des Jahres 2020

  • Horst Seehofer spielt Satirepolizist, Dieter Nuhr zieht Pogromvergleiche und Kai Pflaume ist neuerdings Youtuber.
  • Für unseren Redakteur Matthias Schwarzer war 2020 ein schauderhaftes Medienjahr.
  • Ein persönlicher Rückblick auf 365 Tage Wahnsinn.
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Hannover. Es ist mein Beruf, tagtäglich Medien zu konsumieren, und ich sag mal so: gesund ist das nicht. Verrückt gewordene Youtuber, Innenminister, die gegen Satire vorgehen wollen, Dieter Nuhr – im Corona-Jahr 2020 prallte so ziemlich alles aufeinander und vermischte sich in einem riesengroßen Topf Unerträglichkeit.

Das Medienjahr 2020 war sogar so schauderhaft, dass es viele Patzer und Peinlichkeiten gar nicht in diesen Text geschafft haben. Da wäre etwa die verunglückte Golf-Werbung von VW. Erinnern Sie sich noch? In der Werbeabteilung des Konzerns hielt man es offenbar für eine gute Idee, auf Instagram einen schwarzen Mann von einer weißen Hand durch die Gegend schnipsen zu lassen. Bis heute bleibt ein Rätsel, wie das überhaupt passieren konnte.

Auch das „Oma-Gate“ findet sich in der folgenden Liste nicht wieder. Sie wissen schon, der von rechts initiierte Shitstorm gegen den WDR und das peinliche Einknicken des Intendanten Tom Buhrow. All das fand an den Weihnachtstagen 2019 statt und damit glücklicherweise wenige Tage vor Beginn des Medienjahres 2020.

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Auch die zuhauf abgedrifteten Verschwörungspromis, wie etwa Michael Wendler (siehe Foto), müssen wir an dieser Stelle leider vernachlässigen – und das hat nur einen Grund: Es sind schlichtweg zu viele, um sie alle in dieser Liste zu würdigen.

Aber glauben Sie mir: Das Medienjahr ist auch ohne diese ganz besonderen Highlights noch schlimm genug. Blicken wir also zurück auf 365 Tage des Wahnsinns.

Kai Pflaume wird Youtuber

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Kai Pflaume hat seit diesem Jahr einen eigenen Youtube-Kanal. © Quelle: imago images

Mit 53 Jahren will Kai Pflaume es noch mal wissen - und gründet im Sommer einen Youtube-Kanal. Hier präsentiert der pfiffige ARD-Moderator jedoch nicht etwa dufte Spielshows für junggebliebene Senioren, sondern wagt sich tief in die Szene der Knossis und Pamela Reifs dieser Welt. Fortan geht Pflaume mit Influencern ins Gym, begrüßt sie mit kumpelhaftem Bro-Handschlag, kocht mit ihnen Low-Carb-Gedöns, tauscht mit ihnen die freshesten Tiktok-Funktionen aus und arbeitet das komplette Wörterbuch der Jugendsprache ab.

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Die Zielgruppe findet es erstaunlicherweise gar nicht so „cringe“ wie man vielleicht denken könnte, sondern postet begeisterte Kommentare. Pflaumes Kanal „Ehrenpflaume“ hat inzwischen fast 500.000 Abonnenten erreicht, die Videos werden millionenfach geschaut. Momentan pausiert Pflaumes knorkes Format allerdings „aufgrund der aktuellen Situation“. Ja, an Corona ist nicht alles schlecht.

Die Corona-Shows der Fernsehsender

Das Experiment mit der „Quarantäne-WG“ hat nicht zum gewünschten Erfolg geführt.

Im Frühjahr kommen gleich mehrere Privatsender auf eine ausgesprochen schlechte Idee: Sie holen die Splitscreengespräche, die vielen Arbeitnehmern schon im Homeofficealltag wahnsinnig auf die Nerven gehen, auf den großen Bildschirm. Und es kommt, wie es kommen muss: Kaum jemand will es sehen.

Eins dieser einzigartigen TV-Experimente aus dem Corona-Geschichtsbuch heißt „Die Sat.1 Comedy-Konferenz – Promis in Quarantäne“. In der Show laden Hugo Egon Balder und Ruth Moschner Promis per Videokonferenz ein, darunter etwa muntere Zeitgenossen wie Sarah Lombardi, Matze Knop und Guido Cantz. Nach nur wenigen Folgen wird die Show wieder abgesetzt.

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Mindestens genauso kurz bleibt das Gastspiel von Günther Jauch, Oliver Pocher und Thomas Gottschalk bei RTL. Nach nur wenigen Splitscreenfolgen aus den Wohnzimmern der „TV-Legenden“ zieht RTL die Reißleine und setzt das Format wieder ab. Jauch selbst kommentiert das Ende der Sendung wenige Tage später (und da kann man ihm nur zustimmen) so: „Die Sendung brauchte zu dem Zeitpunkt niemand.“

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Horst Seehofer spielt Satirepolizist

Die taz-Kolumne "All cops are berufsunfähig" hat Horst Seehofer gar nicht gefallen. © Quelle: imago images/Christian Thiel

Im Juni publiziert „taz“-Autorin Hengameh Yaghoobifarah einen satirischen Text, in dem sie Polizisten “auf die Müllhalde” schicken will. Zum Arbeiten. Was Medien-Deutschland kurz darauf aus dieser Kolumne macht, ist ungefähr Folgendes: „Taz-Autorin will Polizisten auf Mülldeponie entsorgen!“ Und das ganze Land ist in Aufruhr.

Die CSU läuft auf Twitter Sturm und wirft die Autorin samt dazugestelltem Foto der Meute zum Fraß vor. Polizeigewerkschaften geben Pressemitteilungen heraus, und irgendwo in Bayern fällt vor Schreck auch noch der Bundesinnenminister aus dem Schaukelstuhl. Horst Seehofer kündigt eine Strafanzeige gegen Zeitung und Autorin an (und zieht sie später nach Kritik wieder zurück). Ein unglaublicher Angriff auf die Pressefreiheit.

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Yaghoobifarahs Kolumne übrigens beschäftigte sich mit dem Problem des Rechtsextremismus in den Reihen der Polizei. Nur drei Monate nach dem Satireskandal wird bei der Polizei in NRW ein rechtsextremes Netzwerk aufgedeckt – kein Einzelfall. Horst Seehofer sträubt sich derweil lange gegen eine Studie, die das Thema Rassismus in Polizeikreisen untersuchen soll. Im Oktober stimmt er schlussendlich doch zu.

Oliver Pocher leakt Porno

Oliver Pocher hat was gegen Influencer. © Quelle: Imago Images/Future Image

Zugegeben: Man könnte ausschließlich mit OIiver Pochers fragwürdigen Sendungen einen ganzen Text füllen. Da wäre, neben der „Quarantäne-WG“ etwa die große „Pocher vs. Wendler“-Show, die an Lustlosigkeit der Macher wohl kaum zu überbieten war. Beschränken wir uns aber nun auf die Internetaktivitäten des Moderators.

Im Zuge des ersten Corona-Lockdowns dreht Pocher plötzlich auf Instagram auf und spielt sich zum Moralapostel des Internets hoch. Die Opfer seiner Kritik sind Menschen, die zu nah im Park zusammensitzen und Influencer, die trotz Pandemie noch nach Spanien fliegen. Auf eine Influencerin hat es der „Comedian“ ganz besonders abgesehen: Eine Mutti-Bloggerin, die nach Pochers Meinung ihre Kinder zu oft vor die Kamera zerrt.

An einem Tag im Mai ist Pocher dann offenbar jedes Mittel recht, um die Karriere seiner Erzfeindin zu zerstören. In einem Instagram-Video leakt der Moderator ein bislang unbekanntes Pornovideo der jungen Frau. Und nicht nur das: Auch eine Freundin der Influencerin outet er. Sie war früher als Sexarbeiterin aktiv, Pocher zeigt in seinem Video genüsslich ihren Internetauftritt.

Pochers Verhalten ist so frauenfeindlich und so nah am Phänomen „Revenge Porn“, dass an dieser Stelle eigentlich seine eigene Karriere beendet gewesen sein müsste. Ist sie aber nicht. Kurz nach seinem Höhenflug auf Instagram bekommt Pocher eine Late-Night-Show bei RTL, die bis heute ausgestrahlt wird. Zu Pochers Attacken wollte sich der Sender auf RND-Anfrage damals nicht konkreter äußern.

Nazis podcasten ungestört auf Spotify

Das Logo des Streamingdienstes Spotify. © Quelle: imago images / photothek

Pünktlich zur Corona-Pandemie melden sich auch die Rechtsextremen zu Wort. Und das nicht nur auf den Straßen der Republik, sondern auch in einem Lieblingsmedium vieler junger Leute: in der Musik- und Podcast-App Spotify. Hier spricht eine Gruppe „Patrioten“ mit Verbindungen zur Identitären Bewegung seither wöchentlich über ihre Sicht auf die Weltlage.

Themen sind mitunter die angeblich „drohende Impfpflicht“, ein patriotisches Computerspiel und der „Deep State“. Eingeladen werden diverse Akteure der rechten Szene, inklusive AfD-Hardliner Björn Höcke.

Spotify selbst findet das offenbar genauso unproblematisch wie Konkurrent Apple: Auf beiden Plattformen ist der Podcast noch heute verfügbar, keines der Unternehmen hat auf eine Anfrage des RND bis heute reagiert.

Der „Bachelor“ mobbt im „Sommerhaus der Stars“

Bachelor Andrej Mangold (Mitte) hat im "Sommerhaus der Stars" keine gute Figur gemacht. © Quelle: TVNOW

Blenden wir die „Pocher vs. Wendler“-Show mal aus, dann spielten sich die schlimmsten TV-Momente des Jahres vor allem im Realityfernsehen ab. Im April präsentiert Sat.1 mit „Promis unter Palmen“ einen Mobbingexzess zur besten Sendezeit: Diverse Z-Promis, darunter etwa der selbsternannte Lifecoach Bastian Yotta, Ex-„Bachelor“-Kandidatin Carina Spack und Keine-Ahnung-was Matthias Mangiapane fallen so lange über die Modeunternehmerin Claudia Obert her, dass sich diese entscheidet, weinend auf dem Fußboden im Wohnzimmer zu schlafen.

Beim „Sommerhaus der Stars“ legt dann „Bachelor“ Andrej Mangold noch mal einen drauf. Mit geschickter Manipulation stachelt der selbsternannte „Teamplayer“ zusammen mit seiner Lebensgefährtin Jennifer Lange die komplette Teilnehmerschar gegen Erzfeindin Eva Benetatou auf und sorgt mit dem Mobbingexzess wohl für den unangenehmsten TV-Moment des Jahres.

Für Mangold geht die Sache in diesem Herbst auf allen Ebenen schlecht aus. Er verliert nach der Aktion diverse Instagram-Werbedeals, kurze Zeit später ist es auch mit der schillernd-perfekten „Bachelor“-Liebesbeziehung vorbei. Immerhin: Wenigstens manchmal scheint die Gerechtigkeit zu siegen.

Radio Bremen verklagt Medienkritiker

Radio Bremen streitet sich juristisch mit einem Medienkritiker. © Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Darf man sich in einem Youtube-Beitrag kritisch mit einem Fernsehbeitrag auseinandersetzen? Grundsätzlich ja – solange man nicht zu viel davon zeigt, findet zumindest Radio Bremen. Die öffentlich-rechtliche Anstalt hat im Sommer aus diesem Grund ganz ernsthaft einen Medienblogger verklagt.

Holger Kreymeier hatte auf Youtube eine vernichtende Kritik der Reportage „Infokrieger“ veröffentlicht, in der er den Machern mitunter das Verbreiten von Verschwörungstheorien vorwirft. Kurz darauf wird das Video gesperrt, inzwischen kämpfen Kreymeier und Radio Bremen juristisch um den Beitrag.

Die öffentlich-rechtliche Anstalt ist der Ansicht, Kreymeier habe das im Urheberrecht verankerte Zitatrecht überreizt und zu viele Ausschnitte der Reportage gezeigt. Kreymeier selbst glaubt, dass „Radio Bremen einfach sauer [ist], dass ihnen jemand in die Suppe spuckt“. Vor allem wundert sich der Medienblogger, weil dem Urheber als öffentlich-rechtliche Anstalt keinerlei finanzielle Schäden durch das Zeigen des Beitrags entstünden.

Der ungleiche Kampf soll jetzt (ja, ganz ernsthaft) auf Initiative von Radio Bremen vor Gericht ausgetragen werden. Die ursprünglich für November geplante Verhandlung wurde auf Januar 2021 verschoben, wie Kreymeier dem RND bestätigte.

Youtuber täuscht Coming-out vor

Der Youtuber Miguel Pablo hielt es in diesem Jahr für eine gute Idee ein Coming-out zu faken. © Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbi

Im Dezember 2019 meldet sich der einst gefeierte und dann abgestürzte Youtuber Miguel Pablo zurück und verkündet: „Ich bin schwul.“ Nur anderthalb Monate später sieht die Sache wieder anders aus: Das Coming-out war nicht mehr als eine PR-Aktion – um Geld mit Videoklicks zu verdienen.

„Ich habe 2019 nichts verdient, weil ich keine Videos machen konnte. Ich war psychisch krank, ich war in der Psychiatrie. Und irgendwann denkt man sich: ‚Mein Konto ist leer, ich brauch Geld.‘ Wir brauchten Klicks, wir brauchten Relevanz, um Geld zu verdienen. (…) Und dann habe ich mir gedacht, okay, jetzt muss ich polarisieren, und habe nicht an die Konsequenzen gedacht“, erklärt er im Januar.

Für viele, gerade junge, Schwule und Lesben dürfte die Aktion ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Ein Twitter-Nutzer kommentiert treffend: „Es gibt Leute wie mich, die es endlich geschafft haben zu ihrer Sexualität zu stehen und es auch offen sagen zu können. Dann gibt es Miguel Pablo der sich einen Spaß daraus macht, für Klicks sich als schwul darzustellen. Herzlich willkommen in so einer ekelhaften Gesellschaft.“

Somuncu spielt den großen Künstler

Der Kabarettist Serdar Somuncu hat mit seinem Podcast für Ärger gesorgt. © Quelle: NDR

Im September fallen Serdar Somuncu und Florian Schröder mit ihrem ersten gemeinsamen Radioeins-Podcast gehörig auf die Nase. In einer Sequenz wirft Somuncu mit dem N-Wort um sich, spricht über Feministinnen und Kolumnistinnen, die häufig „hässliche Schabracken“ seien. Nach Protest aus dem Netz schnibbelt Radioeins die Sequenz aus der Sendung und lässt seine Künstler live im Programm zum Rapport antreten.

Schlimmer als der Fall selbst ist eigentlich nur die Erklärung, die das Kabarettduo in der zweiten Folge seines Podcasts vorträgt. Darin wirft man dem Zuhörer indirekt vor, er habe schlichtweg nicht verstanden, dass sich Somuncu während seines sexistischen Vortrags „in einer Rolle“ befunden habe. Immer wieder machen sich beide während der Sendung über den Hörer lustig und kennzeichnen alle möglichen Passagen übertrieben als Satire.

Problematisch an der ganzen Sache ist, dass Somuncu offenbar bis heute glaubt, sein provokantes Getöse sei einfach zu große Kunst und zu feinsinnig für die Masse. Vielleicht lernt er ja im kommenden Jahr, dass das Umherwerfen des N-Wortes weder künstlerisch anspruchsvoll noch unverständlich, sondern einfach nur schlecht ist.

RTL und das falsche „DSDS“-Personal

Xavier Naidoo sitzt nicht mehr in der Jury von „DSDS“.

Gleich doppelt Pech hatte in diesem Jahr der Privatsender RTL. Gleich zwei seiner „DSDS“-Jurymitglieder wanderten direkt aus der Sendung in die Verschwörungsszene ab. Der eine, Xavier Naidoo, musste gegangen werden. Der andere, Michael Wendler, übernahm das direkt selbst, samt Gründung einer Telegram-Gruppe.

Wie kann so etwas überhaupt passieren? Nun: Setzte Pfeifen in die Jury, haste Pfeifen in der Jury. Bei Xavier Naidoo war bereits seit Anfang der 2010er-Jahre klar, dass dieser mit der Reichsbürger- und Verschwörungsszene sympathisiert. Und dass ein selbstverliebter Schlagerzausel wie Michael Wendler vielleicht nicht der zuverlässigste Kandidat für einen langfristigen Arbeitsvertrag in einer Musikshow ist, hätte dem ein oder anderen Verantwortlichen auch klar sein dürfen.

Kleine Entscheidungshilfe für die nächste „DSDS“-Jury. Vielleicht mal jemanden mit musikalischem Sachverstand reinsetzen – und nicht nur Personen mit möglichst großem Knalleffekt. Vielleicht hält‘s dann auch mal länger.

Video
Naidoo, Hildmann, Jebsen: drei Verschwörungstheorien im Faktencheck
5:44 min
Aktuell geistern diverse Verschwörungstheorien über die Corona-Pandemie. Wir haben uns drei davon genauer angeschaut.  © RND/Matthias Schwarzer

Dieter Nuhr vergleicht Shitstorm mit Pogrom

Die Sprüche von Dieter Nuhr sorgen immer wieder für Ärger. © Quelle: imago images/Future Image

Dieter Nuhr hatte in diesem Jahr offenbar gehörig Heißhunger auf Shitstorm. Beinahe wöchentlich ließ er mal hier, mal da irgendwas Unangebrachtes fallen, ein bisschen Greta, ein bisschen Diesel – und meistens sorgte es für Empörung. Und wenn es mal nicht den erwünschten medialen Effekt erzielte, dann ließ er es halt noch mal fallen.

Beispiel: Die Sache mit dem Pogromvergleich. Bereits Mitte September spricht Nuhr im Podcast von Garbor Steingart und bläst eine Punchline in die Welt, die leider irgendwo in der Spree verpufft: Der Shitstorm im Netz sei ja „die humane Schwester des Pogroms“, meint Nuhr. Niemand bekommt das mit, niemand regt sich drüber auf. Also legt Nuhr nach.

Eine Woche später spricht Nuhr im Fernsehsender Phoenix mit Alfred Schier. Shitstorms hätten seine „soziale Vernichtung“ zum Ziel, jammert der Kabarettist. Man wolle ihn ausschließen, aus „der Gruppe der zivilisierten Menschen“, indem man ihn etwa als „rechts oder Volksverräter oder Klimaleugner oder Corona-Leugner“ hinstelle. Und dann, genau, folgt noch einmal die erwähnte Punchline: „Der Shitstorm ist ja quasi, hab ich neulich gesagt und ich fand die Formulierung wirklich lustig und gut, die humane Variante des Pogroms.“ Und diesmal klappt es auch tatsächlich mit der Empörung. Das Internet ist in heller Aufregung, der Pogromvergleich wird von praktisch allen Medien aufgegriffen und vielfach kritisiert.

Kleiner Tipp an dieser Stelle für nächstes Jahr: Shitstorms lassen sich auch ganz einfach vermeiden, indem man es einfach unterlässt, Quatsch zu reden. Aber das kommt für Nuhr wahrscheinlich nicht in Frage.

Wie geht es jetzt weiter?

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob auch das kommende Medienjahr so furchtbar wird wie das letzte. Nun, die Vorzeichen stehen nicht schlecht: Corona wird uns noch eine Weile begleiten, auch der ein oder andere Lockdown könnte noch folgen, und Michael Wendler wird wohl nicht der letzte Promi sein, der durchdreht.

Doch, und das ist das Schöne an den Medien: Wir müssen das ja alles nicht gucken. Die Auswahl ist groß, und zwischen viel Schlimmem verstecken sich auch immer wieder tolle Perlen. Also: Auf ein besseres 2021. Mit vielen Highlights - aber ganz sicher ohne neue Splitcreen-Shows.

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